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Waldjugend im Einsatz: Als in Nothausen am alten Weg noch Häuser standen

Den Hohlweg freigelegt hat die Waldjugend am Samstag bei einem Landesforsteinsatz unweit der Wiehltalsperre.

Den Hohlweg freigelegt hat die Waldjugend am Samstag bei einem Landesforsteinsatz unweit der Wiehltalsperre.

Foto:

Gies

Obersteimel -

Wie es hier früher einmal ausgesehen hat, weiß Renate Köllenbach noch ganz genau. „Der Baum da vorne stand da früher schon“, sagt sie und zählt dann die Häuser auf, die um sie herum damals zum Ort gehörten und wer darin gewohnt habe. Köllenbach weiß das noch genau, denn die 66-Jährige ist in Nothausen aufgewachsen – einem der Orte, die nach dem Bau der Wiehltalsperre nach und nach verschwunden waren.

Während sie sich umsieht, steht Köllenbach, selbst Mitglied der IG Wiehltalsperre, mit dem Vorsitzenden Dieter Schmalenbach mitten im Wald, von Nothausen ist keine Spur mehr zu sehen. Bis auf den alten Hohlweg, den Zugang in den Ort der seit einigen Jahren ein Bodendenkmal ist. Und den kann jetzt seit dem Wochenende auch wieder jeder als Weg erkennen.

Ein Schild macht auf den Weg nach Nothausen aufmerksam. Darüber freuen sich (vorne) Renate Köllenbach und Dieter Schmalenbach.

Ein Schild macht auf den Weg nach Nothausen aufmerksam. Darüber freuen sich (vorne) Renate Köllenbach und Dieter Schmalenbach.

Foto:

Gies

Das ist das Ergebnis eines Landesforsteinsatzes, mit dem die Waldjugend Windfus zusammen mit Kollegen aus Wipperfürth, Meinerzhagen und Windeck sowie aus Steinheim im Westfalen am Samstag südwestlich von Reichshof-Obersteimel in der Umgebung der Talsperre unterwegs war. „Hier war heute morgen noch alles zugewachsen. Der Weg war eigentlich gar nicht mehr zu sehen“, erzählt Jörg Schneider, Gruppenleiter der Waldjugend Windfuß.

Landwirte sind weggezogen

Nachdem sie mit der Arbeit bei Nothausen fertig ist, zieht die Waldjugend schon einmal in Richtung Finkenrath weiter – zu einem ebenfalls verschwundenen Ort. „Dort gibt es einen alten Obsthof, von dem nicht mal mehr die Grundmauern stehen. Aber da sind noch einige Obstbäume, die wollen wir freischneiden“, erklärt Schneider.

Kleine Orte wie Nothausen und Finkenrath waren damals beim Bau der Talsperre zwar nicht wie andere im Wasser versunken, mussten aber dennoch von den Bewohnern aufgegeben werden. „Wegen des Trinkwasserschutzes für die Talsperre“, erklärt Schmalenbach, „und weil man bis hier keine Kanalisation bauen wollte.“ Die Menschen, vor allem Landwirte, seien nicht zusammen um-, sondern einfach weggezogen. „Einer ging sogar an den Jadebusen bei Wilhelmshaven, ein anderer nach Osnabrück“, erinnert sich Köllenbach. Im Jahr 1976 hätten die letzten Nothausen verlassen.

Die beiden „Nothausener“ stehen immer noch an dem Schild, das jetzt auf das Bodendenkmal aufmerksam macht. Schmalenbach, heute 71 Jahre, hatte einen Teil seiner Kindheit auch dort verbracht. „Das war das Beste, was man sich vorstellen konnte“, sagt er heute . Umso schöner finden Köllenbach und er es, dass jetzt zumindest das Schild und der Weg an den Ort erinnern – hier, mitten im Wald.