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Buchvorstelltung: Eine Hommage an die Sülztalbahn

bei der Vorstellung: Karl Müllenbach (Rösrath), Hermann-Josef Tebroke (Kreis), Andreas Hupke (Köln-Deutz), Ingrid Koshofer, (Bergisch Gladbach), Robert Wagner (Geschichtsverein),  Georg Ludwig (Lindlar), Bernd Franco Hoffmann (Autor), Andreas Heider  (Overath).

bei der Vorstellung: Karl Müllenbach (Rösrath), Hermann-Josef Tebroke (Kreis), Andreas Hupke (Köln-Deutz), Ingrid Koshofer, (Bergisch Gladbach), Robert Wagner (Geschichtsverein),  Georg Ludwig (Lindlar), Bernd Franco Hoffmann (Autor), Andreas Heider  (Overath).

Foto:

Luhr

Rösrath -

Eigentlich war in Forsbach alles am Schnellsten vorbei: Direkt nach Stilllegung des Gesamtverkehrs auf der Eisenbahnstrecke Bensberg-Rösrath am 1. Dezember 1961 ließ die Bahn die Schienen der Königsforsttrasse aus dem Boden reißen.

Während an anderen Stationen und Haltepunkten der Sülztalbahn bis 1966 zumindest noch gelegentlich Güterzüge verkehrten, kündete hier nur noch eine grasbewachsene Schneise von den Zügen, die sich an dieser Stelle 70 Jahre lang begegnet waren: Ein Kreuzungsbahnhof mit zwei Bahnsteigen, Fahrkartenschalter, Stellwerk, Dienstgebäude, Ausweichgleis sowie Abzweigung mit Waage und Ladestraße – alles mitten im Wald und einen kräftigen Fußmarsch vom namengebenden Ortsteil Forsbach entfernt. Die abgelegene Lage sei nicht nur der Topografie geschuldet gewesen – die Bahn wollte die Steigung nach Forsbach hoch vermeiden – sondern auch, so will es die Kunde, dem Betreiben ortsansässiger Firmen, die die Abwanderung ihrer Arbeiter befürchtet hätten.

Im allgemeinen war es jedoch andersherum: Gerade die Wirtschaftsunternehmen wie Zanders in Gladbach oder Reusch in Hoffnungsthal und die Gesellschaft vom Altenberg in Immekeppel und Untereschbach hatten durch massiven und hartnäckigen Einsatz – auch von beträchtlichen Geldmitteln – überhaupt erst den Bau der ersehnten Linie erzwungen. Und ihr Ende in den 60er Jahren erscheint aus heutiger Sicht wie ein dräuendes Vorspiel auf die Entindustrialisierung des vorbergischen Raumes in späteren Jahrzehnten – auch wenn es der Autoverkehr war, der der Strecke wirtschaftlich nur 48 Jahre nach ihrem Endausbau den Hals brach.

Freilich auch in ihren besten Zeiten war der Fahrgastverkehr aus Sicht des Betreibers nur mäßig profitabel. Umgekehrt jedoch hatte die Linie für die Orte an ihrem Weg enorme Bedeutung. So war der Bahnhof der 1890 in Untereschbach eröffnet wurde, überhaupt erst das sechste Gebäude am Ort. Ohne die stählerne Lebensader sähe das Sülztal heute anders aus.

Heute kündet nur noch ein Gedenkstein an einem anonymen Schotterplatz am Ende eines Waldweges, der vom Parkplatz an der Bensberger Straße vor dem Forsbacher Ortseingang herführt, von der einstigen Anbindung des Dorfes an das Schienennetz. Vielleicht gerade deswegen entschloss sich der Geschichtsverein Rösrath, die 42. Veröffentlichung seiner Schriftenreihe in Forsbach vorzustellen.

In der Forsbacher Mühle präsentierte Vereinschef Robert Wagner, der auch Layout und Redaktion übernommen hatte, das mit zahlreichen überwiegend historischen Fotos opulent aufgemachte, über 190 Seiten starke Werk „Die Sülztalbahn“ – wie sein 2010 erschienener Schwesterband „Eine Bahn ins Bergische“ (über die Aggertalstrecke) im Bildbandformat 21 x 26 aufgelegt (Preis: 20 Euro). Der Ostermann-Saal platzte schier aus allen Nähten, auch fünf Bürgermeister und Vizebürgermeister sowie der Landrat ließen sich nicht nehmen, der Vorstellung beizuwohnen.

Als Verfasser wirkte Buchautor und BLZ-Mitarbeiter Bernd Franco Hoffmann, der akribische Liebe zum Faktendetail mit flotter Sprache zu einem prallen Porträt eines untergegangenen Schienenweges verbunden hat, um den die Kommunen und Firmen zwischen Gladbach, Bensberg Hoffnungsthal und Lindlar fast genauso lange verbissen gekämpft haben, wie er dann im Vollausbau existierte.

Dass das schon der Vollausbau gewesen sein sollte, war den Zeitgenossen übrigens nicht bewusst: Das eigentliche Ziel der diversen Komitees und Lobbyisten, nämlich Wipperfürth, war ja nie erreicht worden – sonst wäre jetzt ein Buch über die Strundetalbahn zu schreiben gewesen.

Tatsächlich greift das Buchprojekt deutlich über den Raum des Sülztals hinaus, denn dieser Abschnitt kann nicht getrennt vom vorderen Teil der Strecke „Köln – Lindlar“ gesehen werden, die letztlich in Kalk-Süd begann und die als S-Bahnlinie 11 ja bis heute noch die 108 000- Einwohner-Stadt Bergisch Gladbach erschließt. Übrigens mit einem Kopfbahnhof, der in der Region Köln einzigartig ist. Jedem Bahnhof und jedem Haltepunkt hat Hoffmann, der zur Zeit an einem weiteren Buch über alle stillgelegten Strecken im Bergischen und Märkischen Land insgesamt schreibt, ein eigenes Kapitel gegönnt. Heute wird das Buch im Autohaus Heinz in Immekeppel vorgestellt (19 Uhr).