Welche Website-Variante möchten Sie nutzen?

Mobile Ansicht Vollansicht
Nachrichten aus Köln, der Region und der Welt

Stellenausschreibungen: Rhein-Sieg-Kreis spricht intersexuelle Menschen an

Intersexuelle Menschen kämpfen um Anerkennung

Aktion für die Anerkennung des dritten Geschlechts: Im niedersächsischen Gehrden wurde vor dem Rathaus  dieses Banner entrollt.

Foto:

dpa

Rhein-Sieg-Kreis -

„Lebensmittelchemikerin/Lebensmittelchemiker (m/w/i)“ – so überschreibt der Rhein-Sieg-Kreis eine aktuelle Stellenausschreibung, mit der er personelle Verstärkung für seine Umwelt- und Verbraucherschutzverwaltung sucht.

Ganz ausdrücklich spricht der Kreis seit Kurzem bei der Suche nach neuen Mitarbeitern nicht nur männliche und weibliche Bewerber an, sondern auch Menschen, die sich keinem dieser beiden Geschlechter zuordnen können: Intersexuelle oder Menschen des dritten Geschlechts. In den Stellenanzeigen verwendet der Kreis dafür den Zusatz (i) für intersexuell. Gebräuchlich ist aber auch (d) für divers.

Stellenausschreibung des Kreises

Der Rhein-Sieg-Kreis spricht explizit auch das dritte Geschlecht an. 

Foto:

Peter Freitag

Urteil des Bundesverfassungsgerichts

„Ich denke, wir gehören in der Region bei diesem Thema zu den Vorreitern “, sagt Anja Roth, Mitarbeiterin der Pressestelle des Rhein-Sieg-Kreises. Seit rund zwei Monaten trägt der Rhein-Sieg-Kreis damit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von Ende des vergangenen Jahres Rechnung.

Die Karlsruher Richter hatten die geltende Regelung zur Geschlechtsfeststellung durch die Standesämter gekippt. Bis zum Ende dieses Jahres soll ein drittes Geschlecht eingeführt werden oder aber die Angabe ganz wegfallen.

80.000 bis 120.000 intersexuelle Menschen gibt es nach Schätzung des Deutschen Ethikrates bundesweit, und der Rhein-Sieg-Kreis gehört zu den ersten Arbeitgebern in der Region, die dieser Tatsache auch bei Stellenausschreibungen Rechnung tragen. „Ende Juni haben wir eine entsprechende Anregung des kommunalen Arbeitgeberverbandes erhalten und beschlossen, dem zu folgen“, schildert Roth.

Auch bei der Niederkasseler Stadtverwaltung kommt man der Anregung des kommunalen Arbeitgeberverbandes nach, auch wenn es dafür bislang keine gesetzlichen Vorgaben gibt. „Wir haben das sofort umgesetzt, nachdem wir den entsprechenden Newsletter unseres Arbeitgeberverbandes erhalten haben“, sagt Stadtsprecher Pascal Henke.

Wenige Kilometer vom Niederkasseler Rathaus entfernt, bei Chemie Evonik Industries in Lülsdorf, werden Stellenanzeigen dagegen vorerst weiter so formuliert, wie seit Jahren gewohnt – für Männer und Frauen. „Momentan ist das dritte Geschlecht bei Stellenausschreibungen für uns noch kein Thema“, sagt Unternehmenssprecherin Stefanie Prescher. „Wir haben das zwar auf dem Schirm, verwenden den Zusatz (i) oder (d) bislang aber noch nicht.“

VR-Bank hat keine Änderungen vor

Ähnlich ist die Situation bei der VR-Bank Rhein-Sieg. „Wir haben derzeit nicht vor, unsere Stellenanzeigen entsprechend zu formulieren“, teilt man dort auf Anfrage der Redaktion mit. Bislang habe man vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken keinen entsprechenden Hinweis bekommen. Man sehe sich deshalb nicht in der Pflicht, am bisherigen Verfahren etwas zu ändern.

Evonik und VR-Bank sind mit dieser Haltung nicht allein. Nach einer Erhebung der Stellenanzeigen-Suchmaschine Adzuna wird auf dem bundesdeutschen Jobmarkt das dritte Geschlecht bislang nur bei rund sieben Prozent aller Stellenausschreibungen berücksichtigt.