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Allerweltshaus EhrenfeldTheatro bietet Kurse in Englisch, Spanisch und Deutsch

3 min
Eine Frau mit dunklem Haar steht vor einer Wand.

Theater-Pädagogin, Regisseurin und Romanistin Eva Hevicke doziert auf Spanisch, Englisch und Deutsch.

Eva Hevicke und ihr Team bieten Schauspiel-Kurse für jedermann sowie professionelle Bühnen-Inszenierungen für alle Altersklassen. Projekt findet großen Anklang. 

 „Wir leisten Friedensarbeit“, formuliert Eva Hevicke selbstbewusst die Auswirkungen ihres Mehrsprachen-Theaterprojekts im Ehrenfelder Allerweltshaus. „Theater bedeutet auch, andere Perspektiven einzunehmen und die Empathie der Darsteller zu stärken“, so die Pädagogin, Regisseurin und Romanistin. „Ich verstehe diesen Raum als Demokratie bildenden Ort, an dem Mehrsprachlichkeit und somit Multikulturalität als Selbstverständlichkeit gesehen und nicht ständig hinterfragt wird“, bringt die Unternehmerin ihr Credo auf den Punkt. In der Einrichtung auf der Geisselstraße finden regelmäßig Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene statt. Die Teilnehmenden erlernen in Gruppen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene Theater-Grundlagen oder weiterführende Techniken. Regelmäßig präsentieren die Ensembles ihre Werke im Zuge öffentlicher Auftritte mit Übersetzungen. Fest in der Agenda verankert sind darüber hinaus transkulturelle Bühnen-Kurse für Deutsch-Lernende. Unterstützt wird Hevicke dabei von einem erfahrenem Team aus Dozenten.

Das Mehrsprachentheater hat nicht nur verbale Ausdrucksformen.

Die Idee für das Theatro entstand noch während des Studiums. Verunsichert, ob ihre Ausbildung die Lebenshaltungskosten decken würde, gründete die einstige Au-pair-Beschäftigte auf den Kanarischen Inseln eine Spanisch sprechende Theatergruppe. „Auf einmal waren die Säle voll. Es gab eine riesige Nachfrage. Das ist dann sehr schnell gewachsen“, erzählt Hevicke. Nach einer rund zweijährigen mobilen Phase, in der Kurse und Workshops an verschiedenen Plätzen realisiert wurden, sollte im Stadtteil Sülz ihr Theatro-Zentrum entstehen. Die Corona-Pandemie und der daraus folgende Lockdown vereitelten das Vorhaben jedoch kurz vor der Eröffnung. In den Räumlichkeiten des Allerweltshaus konnte die Geschäftsfrau einen adäquaten langfristigen Veranstaltungsort finden. „Das Interesse ist nach wie vor sehr hoch. Alle Kurse sind voll besetzt. Ich bekomme sogar Anfragen aus München und Frankfurt. Außerdem sind wir mit dem Stück ‚Hay acuerdo! Wir sind uns einig!‘ das erste Mal zum Amateur-Theaterfestival NRW nach Hürth eingeladen worden. Das ist alles sehr aufregend“, berichtet Hevicke, die sich eine Festanstellung nicht mehr vorstellen kann: „Das würde mich nur ausbremsen. Es hat mich immer gereizt, meinen eigenen Betrieb zu haben“, so die Freiberuflerin, zu deren Arbeitgebern unter anderem das Goethe Institut, das Kölner Institut für Kulturarbeit und Weiterbildung sowie das Landestheater Neuss gehören. „Ich spüre in meinen Kursen den Puls der Zeit extrem. Theater ist nach wie vor Verbindung und damit auch Nähe zwischen den Menschen“, meint die Pädagogin.

Demnach liege der Schwerpunkt ihrer Arbeit weiterhin im Sinne einer universellen Sprache auf dem körperlichen Theater. Der aktuellen Förderpolitik von Bund, Ländern und Kommunen blickt Hevicke mit gemischten Gefühlen entgegen: „Kultur und Kunst sollen für alle zugänglich sein. Das darf jedoch nicht dazu führen, dass Kulturschaffende und Künstler in der Altersarmut enden.“ Theatro finanziert sich überwiegend durch Kursbeiträge. Dabei würden Lösungen für Interessenten in prekären Lebenslagen gefunden. Niemand soll bei Theatro abgewiesen werden. Einem Sponsoring sei man daher nicht abgeneigt. „Zurzeit muss ich vielen Anfragen absagen, da wir nicht über die Kapazitäten verfügen. Das ist schade, denn das Konzept hat sich in kürzester Zeit als effektive Methodik zur Vermittlung von Fremdsprachen und emotionalem Ausdruck erwiesen“, sagt Eva Hevicke.


Theatro, Raum für Mehrsprachentheater, Allerweltshaus Köln, Geisselstraße 3-5, 50823 Köln, Telefon (Montag bis Freitag 9 bis 15 Uhr): 0175 521 68 85, www.theatro-koeln.deTermine: 20. bis 23. März (19.30 Uhr), „Hay acuerdo! Wir sind uns einig!“ Theaterabend auf Spanisch mit deutschen Übertiteln von Javier Manero Gil, Latibul, Kranhalle, Genter Straße 23, 50672 Köln; 19. Juni (21 Uhr) Amateurtheater-Festival NRW, Lindenstraße 20, 50354 Hürth