Abo

Energie aus EhrenfeldSchamong röstet Kaffee mit grünem Wasserstoff

3 min
Vier Männer stehen nebeneinander in einem Raum zwischen Apparaturen und einer Kaffeeröstmaschine.

Professor Sebastian Schiebahn (v.l.), Volker Spelthann, William Wolfgramm und Heribert Schamong stehen im Labor der Rheinischen Hochschule. 

Die Rheinische Hochschule zeigte im Modellversuch mit Kaffeeröster Schamong, warum grüner Wasserstoff ein Energielieferant der Zukunft ist.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Stadt von Ehrenfeld aus mit Gas versorgt. An der Widdersdorfer Straße wurde aus Steinkohle das sogenannte Stadtgas produziert. Wird demnächst aus Ehrenfeld klimaneutrale Energie kommen? Der Gedanke ist nicht ganz abwegig, denn an der Vogelsanger Straße 295, nur einen Steinwurf vom ehemaligen Gaswerk entfernt, wird daran geforscht. Und nicht nur das: Die Anwendbarkeit wird auch schon erprobt.

Das Labor für Nachhaltige Energiesysteme an der Rheinischen Hochschule (RH) Köln befindet sich im Kellergeschoss. Computer und Monitore, auf denen Diagramme und Zahlenkolonnen zu sehen sind, fallen als erstes auf. Das eigentliche Herzstück des Labors befindet sich in einem abgetrennten Raum. Darin stehen ein Elektrolyseur, eine Brennstoffzelle, Batteriespeicher und - eine Kaffeeröstmaschine. Das unverkennbare Aroma erfüllt den Raum.

Rheinische Hochschule in Ehrenfeld forscht an Energie-Innovation

Um zu zeigen, dass klimaneutrale Energie aus einem außerhalb des Gebäudes platzierten Wasserstoff-Speicher tatsächlich genutzt werden kann, haben die Studierenden eine Versuchsanordnung zum klimaneutralen Kaffeerösten aufgebaut. In der Rösterei Schamong fanden sie einen Kooperationspartner aus der direkten Nachbarschaft.

„Wir betreten damit wirklich Neuland“, sagt Sebastian Schiebahn, Professor für Energie- und Verfahrenstechnik an der RH Köln. Das Thema Wasserstoff sei an Hochschulen noch wenig erforscht, und in der Industrie spiele es praktisch noch gar keine Rolle. „Aber am Wasserstoff kommt man in Zukunft nicht vorbei“, ist Schiebahn sicher. Rösterei-Inhaber Heribert Schamong klang da schon weniger bescheiden: „Sie werden gerade Zeugen einer Weltsensation, denn so etwas wurde noch nirgendwo gemacht.“

Zwei Männer stehen in einem Versuchslabor, ins Gespräch vertieft.

Sebastian Schiebahn (l.) und Heribert Schamong fachsimpeln über das klimaneutrale Rösten von Kaffee.

Zu den Zeugen gehörte der Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Volker Spelthann, der zufrieden feststellte, dass diese Energie-Innovation von einem Unternehmen und einer Hochschule aus Ehrenfeld ausgeht. William Wolfgramm, Klimadezernent der Stadt Köln, zeigte sich beeindruckt: „Ein tolles Beispiel, wie sich Wissenschaft und Unternehmertum verknüpfen. Davon brauchen wir mehr.“ Die Frage sei natürlich, wie schnell das alles im großen Stil anwendbar werde. Immerhin will die Stadt Köln bis zum Jahr 2035 klimaneutral sein.

Im Labor werden dazu schon fleißig Daten gesammelt. „Diese dienen uns als Grundlage für weitere betriebliche und anlagentechnische Optimierungen, um klimaneutrale Produktionsverfahren kostengünstiger und damit näher an die Wettbewerbsfähigkeit zu bringen“, erläutert Sebastian Schiebahn.

Studenten gründen Start-up „H2-All“

Inspiriert durch die bisherigen Labor-Erfahrungen gründeten Studierende bereits eine Start-Up Firma mit dem passenden Namen „H2-All“. Das „H“ ist das Zeichen für das Element Wasserstoff. Dahinter verbirgt sich eine Plattform, die den gesamten Planungsprozess für grüne Wasserstoffprojekte digitalisiert. Auf diese Weise können Projekte schneller, günstiger und weniger fehleranfällig umgesetzt werden.

Im Labor wird man allerdings künftig ohne den betörenden Kaffeeduft auskommen müssen. Die Anlage diente nur Demonstrationszwecken. Kaffeeröster Heribert Schamong ist indes fest entschlossen, der Erste zu sein, der Kaffee dauerhaft klimaneutral röstet: „Das würde exakt unserer Philosophie entsprechen. Sie lautet ‚Ein Stückchen Wüste grün machen‘.“