Durch den Wechsel des Architekturbüros soll alles schneller gehen. Doch daran zweifelt das Leitungsteam der Heliosschule.
Heliosschule in KölnStadt trennt sich von Architekten – Eröffnung droht erneut verschoben zu werden

Der Neubau der Heliosschule in Ehrenfeld wird frühestens Mitte 2027 fertiggestellt sein – drei Jahre später als geplant.
Copyright: Thomas Banneyer
Pleiten, Pech und Pannen: Das städtische Neubau-Projekt Heliosschule in Ehrenfeld hat den nächsten Rückschlag erlitten. Acht Jahre nach Beginn der Bauarbeiten hat sich die Stadt Köln überraschend von dem verantwortlichen Architekten getrennt. Am Freitagnachmittag, einen Tag nach Weiberfastnacht, und kurz vor dem langen Karnevalswochenende teilte das Presseamt mit: „Beim Helios-Schulbauprojekt haben die Stadt Köln und das Architekturbüro, das bisher die Planung für den Neubau übernommen hatte, ihren Vertrag in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst. Das Projekt wird nun neu aufgestellt.“ Die Neuausrichtung sei „nötig, um die Projektstruktur weiter zu stabilisieren“, erklärte die Stadt. „Dies stellt einen wichtigen Schritt zur erfolgreichen Realisierung der Projektziele dar.“ Der Baustellenbetrieb laufe unterdessen weiter.
Teams der Schulen geschockt
„Wir waren völlig überrascht und erschrocken über diese Nachricht“, berichtet Andreas Niessen, Schulleiter der Gesamtschule an der Heliosschule, im Gespräch mit der Rundschau. Er, seine Grundschulkollegin Marion Hensel sowie weitere Projektbeteiligte seien am Donnerstag vom Amt für Schulentwicklung über die Trennung von dem Architekturbüro informiert worden.
Dabei handelt es sich um das Kölner Büro Schilling Architekten, Projektleiter war Norbert Meis. Eine Anfrage der Rundschau ließ das Büro am Freitag unbeantwortet. Auf seiner Homepage schreibt es über das Projekt: „Die räumliche und bauliche Umsetzung des neuartigen pädagogischen Konzeptes mit seinen offenen Lernlandschaften und funktionsübergreifenden Raumzusammenhängen stellt eine besondere Herausforderung an alle Planungsbeteiligte dar.“ Das 2018 begonnene Neubauprojekt wurde aus verschiedenen Gründen immer wieder zurückgeworfen, die Kosten stiegen bislang um rund 70 Prozent (siehe Infotext).
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Die Stadt erklärte am Freitag, mit der Heliosschule realisiere „die Stadt Köln genehmigungsrechtlich und ingenieurtechnisch erstmals komplett offene Lernlandschaften, wobei deutlich mehr Schnittstellen zu steuern sind als im klassischen Schulbau“. Das Projekt sei 2016 in Einzelvergabe aufgesetzt worden. „Zuerst bremsten massive Personal- und Materialprobleme aufgrund von Pandemie und Krieg den Projektverlauf, Vergabeprobleme und der Nachprüfungsantrag eines unterlegenen Bieters in einem Schlüsselgewerk kamen hinzu.“
Jetzt bricht ein entscheidender Erfahrungsträger weg. Wir fragen uns, wie eine neue Leitung, die von außen kommt und sich in alles neu einarbeiten muss, jetzt für eine zügige Fertigstellung des Projekts sorgen soll.
Zuletzt ging die Stadt Köln davon aus, dass der Betrieb im Neubau zu Beginn des Schuljahrs 2027/2028 starten kann. Ob nun eine erneute Verzögerung droht, ließ sie offen. Aus welchen Gründen man sich in einer so späten Projektphase vom Architekten trennt, kommentierte die Stadt nicht. „Wir können uns das nicht erklären. Uns verwundert dieser Schritt“, sagt Schulleiter Andreas Niessen. Der bisherige Projektleiter habe sich intensiv mit den Feinheiten des pädagogischen Konzepts der Heliosschule und ihren räumlichen Auswirkungen auseinandergesetzt. Er sei mit allen Details des Projekts vertraut, und man habe sehr gut mit ihm zusammengearbeitet.

Demo für die Fertigstellung der Heliosschule.
Copyright: Thomas Banneyer
„Jetzt bricht ein entscheidender Erfahrungsträger weg. Wir fragen uns, wie eine neue Leitung, die von außen kommt und sich in alles neu einarbeiten muss, jetzt für eine zügige Fertigstellung des Projekts sorgen soll“, betont Niessen. Man habe in der Heliosschule hohe pädagogische Qualitätsstandards etabliert, „die in krassem Widerspruch zu unseren widrigen räumlichen Bedingungen stehen“, so der Schulleiter. Im Interim fehle es an Fachräumen, für jede Sportstunde müssten die Schüler weite Wege auf sich nehmen. „Es ist an der Zeit, dass der Neubau endlich fertig wird.“ Die Schule habe jetzt „die klare Erwartungshaltung, dass wir in die bevorstehende Planung der Einrichtung und Ausstattung der Schule einbezogen werden“.
