Abo

K-Pop für alleKölnerinnen gründen Projektchor mit speziellem Repertoire

3 min
Zwei Frauen sitzen an einem Café-Tisch, zwischen ihnen lugt der schwarz-weiße Kopf eines Hundes über die Tischplatte.

Die Chorleiterinnen Klara Hens und Amelie Schoo (v.l.) probieren neue Wege aus, Hund Emil wird hin und wieder auch dabei sein.

Zwei Kölnerinnen suchen Mitglieder für ihren Chor. Gesungen wird ausschließlich K-Pop, eine aus Korea stammende Popmusik, die seit 15 Jahren in die Welt schwappt.  

Der Kölner an sich singt bekanntlich gern, auch in Gemeinschaft mit anderen, die Szene der Laienchöre ist entsprechend unüberschaubar in ihrer Buntheit und Vielfalt. Doch Klara Hens und Amelie Schoo haben eine Lücke im Angebot entdeckt, die sie nun mit dem innovativen „Projektchor Köln“ ausfüllen möchten: „Wir haben gegoogelt und recherchiert, aber auf K-Pop ist bislang nur ein Chor in Schweden spezialisiert, soweit wir wissen“, erzählt Schoo.

K-Pop ist die Abkürzung für Korean Popular Music, eine Variante zeitgenössischer Unterhaltungsmusik also, die vor etwa 15 Jahren aufkam. Seit vier, fünf Jahren schwappt die Welle verstärkt nach Deutschland über. „Die Musik ist eingängig und oft mehrstimmig, sie eignet sich hervorragend für unser Vorhaben“, erklärt Klara Hens, die Amelie Schoo seit ihrer gemeinsamen Studienzeit an der Hochschule für Musik und Tanz kennt.

Dort hat Hens mittlerweile einen Lehrauftrag für Chorleitung inne, gleichzeitig forscht sie zum Verhältnis zwischen Gruppengesang und Demokratieförderung. „Meine These ist, dass man beim Chorsingen wichtige Fertigkeiten für die gesellschaftliche Teilhabe erlernt, etwa Kooperation, Mehrstimmigkeit und das Aushalten von Dissonanzen.“ Das Singen in der Gemeinschaft hat für Hens und Schoo eine politische Dimension, deshalb soll der Projektchor, den sie gemeinsam leiten werden, in einem umfassenden Sinne inklusiv sein: Menschen aus aller Herren Länder, sämtliche Geschlechter, Altersgruppen und sozialen Schichten, alle Stimmlagen von Sopran bis Bass, Anfänger und Fortgeschrittene sind eingeladen.

Abschlusskonzert im August, mitmachen sollen auch Nicht-Sänger

Nicht zuletzt jene, die bislang beim Singen immer vor die Tür geschickt wurden, weil sie die Töne nicht treffen. Bis zum Abschlusskonzert im August mit Unterstützung von Bass und Schlagzeug soll jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin die bestmögliche individuelle Förderung erhalten. Und bei den Arrangements der Stücke werde man sich teilweise nach den Möglichkeiten der Sängerinnen und Sänger richten: „Bislang sind die Arrangements drei- oder vierstimmig, aber eine Stimme wegzulassen, ist immer eine Option“, sagt Amelie Schoo. Akademisch, gar verbissen auf Leistung getrimmt, soll der Chor jedenfalls nicht sein, auch die Eingängigkeit des K-Pop werde helfen, möglicherweise bestehende Schwellenängste zu überwinden, hoffen die Initiatorinnen.

Während die Mitglieder von Laienchören gewöhnlich zwischen 30 und 80 Jahre alt sind, hofft Klara Hens, mit dem neuen Chor auch jüngere Menschen anzusprechen: „Unsere Idealvorstellung ist die Teilnahme von Eltern mit Kindern: Die Kinder machen mit, weil sie die Musik mögen, die Eltern, weil sie etwas Neues kennenlernen möchten. Das könnte auch die Generationen verbinden.“

Eine Einschränkung gibt es allerdings: Der K-Pop ist stets mit Tänzen verbunden, aber diesen Aspekt wird der Projektchor nicht verfolgen können: „Wir werden Bewegungen und Gesten einsetzen, um den Gesang zu unterstützen, aber keine Choreografien erarbeiten, dafür reicht die Zeit einfach nicht“, erklärt Schoo. Denn bis zum Abschlusskonzert sollen acht Songs in nur 13 Zeitstunden eingeübt werden. Auch in dieser Hinsicht gehen Hens und Schoo neue Wege: Die Proben finden nicht wöchentlich, sondern an sechs Sonntagen statt, und zwar im Quäker Nachbarschaftsheim. „Wir hoffen, dass wir damit auch Leute erreichen, für die wöchentliche Chorproben aus beruflichen oder familiären Gründen zu stressig sind“, sagt Amelie Schoo.


Das Quäker-Nachbarschaftsheim, Kreutzer Straße 5–7, befindet sich unweit der Venloer Straße im Inneren Grüngürtel. Die Proben finden dort an den Sonntagen 8. März, 12. April, 10. Mai, 21. Juni und 12. Juli, jeweils von 16 bis 18 Uhr, statt. Zur Generalprobe trifft man sich dort am Freitag, 7. August, von 18 bis 21 Uhr. Das öffentliche Abschlusskonzert ist für den 8. oder 9. August angesetzt, der Ort steht bisher nicht fest.

Der Preis für die Teilnahme am Projektchor beträgt 90 Euro, ermäßigt 60 Euro, außerdem gibt’s „Soli-Tickets“ für 120 Euro. Maximal können 80 Personen teilnehmen, gesungen wird auf Englisch, die Chorleiterinnen erstellen vorab Dateien und Videos zum Üben daheim. Weitere Informationen gibt’s online.