Köln führt mit 315 Meldungen die bundesweite Liste zugeparkter Gehwege an, verursacht durch unzulässiges Gehwegparken.
Verkehrsprobleme in EhrenfeldFußgänger und Rollstuhlfahrer leiden unter zugeparkten Gehwegen

Anwohner und Mitglieder des Vereins Fuß e.V. an der Ecke Marienstraße/Lessingstraße.
Copyright: Hans-Willi Hermans
Ehrenfeld. Andreas Flock wohnt an der Ecke Marienstraße/Lessingstraße, Erdgeschoss, und kennt die Verkehrssituation aus erster Hand. „Andauernd gibt’s hier Hupkonzerte, weil zum Beispiel ein Wagen der Müllabfuhr nicht durchkommt. Das ist ein echter Stressfaktor.“ Denn auf der Rest-Fahrbahn vor allem der Marienstraße ist zu wenig Platz, auf beiden Seiten wird geparkt, die Pkw stehen zur Hälfte auf dem Gehweg. Die beengten Verhältnisse sind daher nicht nur für all jene unerfreulich, die auf der Fahrbahn unterwegs sind, sondern vor allem auch für Rollstuhlfahrer und Fußgänger, insbesondere, wenn sie einen Kinderwagen schieben oder auf den Rollator angewiesen sind.
„Wir haben gerade ein Pärchen gesehen, das auf dem Gehweg nicht Händchen haltend nebeneinander gehen konnte, die mussten hintereinander her gehen. Man hat auch schon Probleme, wenn man in jeder Hand eine Einkaufstasche hält“, sagt Ralph Herbertz vom Vorstand der Kölner Ortsgruppe des Verkehrsclubs Deutschland (VCD).
315 Mal meldeten Bürger zugeparkte Gehwege im Kölner Stadtgebiet
Die Kreuzung Marienstraße/Lessingstraße nicht der einzige Ort, an dem Gehweg-Nutzer erhebliche Probleme haben. Der VCD hatte zusammen mit dem Fuss e.V., der speziell Interessen von Fußgängern vertritt, diese Ecke wegen der augenfälligen Probleme ausgewählt, um die Ergebnisse der Vereinsaktion „Freie Gehwege“ bekannt zu geben. Von Oktober bis Dezember 2025 konnten Bürger online Stellen melden, an denen Bürgersteige zugeparkt sind, bundesweit kamen 3354 Rückmeldungen, wobei Köln mit allein 315 Meldungen die unrühmliche Spitzenposition einnahm.
In rund 80 Prozent der gemeldeten Fälle sei das Gehwegparken nicht erlaubt, und gerade in der Domstadt werde beim unerlaubten Gehwegparken gern mal ein Auge zugedrückt, wenn es nicht gerade um das Stadtzentrum gehe, erzählt Jörg Thiemann-Linden vom Fuss e.V.. „Darüber gibt’s aber nichts schriftlich, das beruht eher auf mündlichen Anweisungen für die Mitarbeiter des Ordnungsamts. Deshalb ist die Rechtsunsicherheit groß, niemand weiß genau, was zulässig ist.“ Bundesweit maßgeblich sei eine von der Forschungsgesellschaft für Straßen vorgegebene Gehweg-Breite von 1,80 Meter plus insgesamt 70 Zentimetern Sicherheitsabstand zu Hauswand und Fahrbahn: „In Köln muss man häufig mit 80 Zentimetern auskommen“, so Herbertz.
Das widerspricht der UN-Behindertenrechtskonvention, eine gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Leben ist nicht gegeben
Das ist nicht nur lästig für Pärchen. Handfest werden die Probleme etwa, wenn sich zwei Rollstuhlfahrer begegnen und einer von ihnen auf die Fahrbahn ausweichen muss. „Das widerspricht der UN-Behindertenrechtskonvention, eine gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Leben ist nicht gegeben“, so Herbertz, Ähnlich ergehe es älteren Menschen mit Rollatoren und Eltern mit Kinderwagen. Fuss e.V. und VCD erkennen zwar die Bemühungen der Stadt an, bei Neu- und Umplanungen von ausreichend breiten Straßen die 2,50 Meter-Empfehlung zu berücksichtigen, in den Straßen gerade der älteren Viertel herrsche aber dringender Handlungsbedarf.
So sollte in der Marienstraße endlich einseitiges Parken angeordnet werden, fordern sie. Dass dieses Prinzip stadtweit sehr viele Parkplätze verschlingen würde, wissen die Interessenvertreter auch. Aber viele Pkw könnten in Tiefgaragen oder Parkhäusern untergebracht werden, ein Großteil werde ohnehin nicht täglich bewegt. „Man könnte es wie in Tokio machen: Pkw-Zulassung nur bei Nachweis eines Stellplatzes“, meint Herbertz. Thiemann-Linden schimpft: „Es ist doch ein Unding, dass die Leute solche Gebrauchsgegenstände einfach am Straßenrand abstellen. Das gibt’s nur beim Auto.“
