Nachbarn der Körnerstraße sind aufgerufen, aus zerstörten Fliesen eigene Mosaike zu gestalten. Künstlerin Bea Forner will so die Vielfalt der Straße abbilden.
Projekt in EhrenfeldNachbarn in der Körnerstraße gestalten ihre Mosaike

Künstlerin Bea Forner ist auf Mosaike spezialisiert, die Fliesen dienen dafür als Rohmasse, aber in zerstörter Form.
Copyright: Hans-Willi Hermans
500 Fliesen in unterschiedlichen Farben hat Bea Forner in ihrem Atelier „Teilz-ceramics“ in der Grimmstraße gehortet. Und alle warten darauf, zerdeppert zu werden. Denn aus den Scherben der Fliesen werden ganz spezielle „Flaggen“ entstehen: „Flagge zeigen Remix“ heißt das aktuelle Projekt der Künstlerin, das aus einem Projekt mit Zehntklässlern der Heliosschule entstanden ist, die die Flaggen ihrer Herkunftsländer in Form eines Mosaiks nachbilden sollten. Jetzt haben Nachbarn in der Körnerstraße auf 33 Mosaiken im Format 40 mal 60 Zentimeter Gelegenheit, sich oder ihre Arbeit darzustellen.
Vielfalt der Körnerstraße soll per Mosaik abgebildet werden
„Mit Länderflaggen hat das nichts zu tun, es geht darum, in einer Zeit, in der es häufig um Abgrenzungen geht, die ganze Vielfalt der Straße abzubilden“, klärt Forner mögliche Missverständnisse auf. „Natürlich sind dann unterschiedliche Kulturen vertreten, aber das ist zwangsläufig so.“ Einzige Voraussetzung war: Wer dabei sein wollte, musste eine Verbindung zur Körnerstraße haben, aber nicht unbedingt eine Adresse eben da: Bea Forners Atelier liegt schließlich in einer Nebenstraße der Körnerstraße und das Allerweltshaus in der Geisselstraße ist auch dabei. Schließlich war es bis 2022 in der Körnerstraße ansässig, als Nachbar von „teilz-ceramics“.

Vor wenigen Tagen fand der „Hofweihnachtsmarkt Körnerstraße“ statt, der Menschen aus ganz Köln anzog.
Copyright: Martina Goyert
Klar, sie habe zunächst Freunde und Bekannte angesprochen, ihre „Bubble“ eben, gesteht Bea Forner lachend. Aber die zeichne sich durch eine gewisse Bandbreite aus: „Es sind beispielsweise so ziemlich alle Musikstile vertreten, die man in Köln findet: Rock, Pop, Rap, Karneval.“ Querbeat ebenso wie Kempes Feinest oder die Post-Punker von Grenzkontrolle. „Die sind sehr politisch, ihre EP heißt ,Edelweiß‘ und bezieht sich auf die Edelweißpiraten“, erklärt Forner. „Weil die in den 1940er Jahren aktiv waren, wollte die Band ein Schwarz-Weiß-Motiv haben. Die Suche nach passenden Fliesen sei gar nicht leicht gewesen.
Die Band Kempes Feinest wählte das „Mädche vum Rhing“ als Mosaik-Thema, Venussymbole ersetzen goldene Kronen
„Kempes Feinest“ dagegen haben das „Mädche vum Rhing“ als Thema für ihr Mosaik gewählt und übernehmen dafür das kölsche Stadtwappen: Weil es um „Mädcher“ geht, ersetzen allerdings drei Venussymbole – Kreis mit Kreuz unten dran – die goldenen Kronen und elf „Rhein“-Wellen die Tränen von Ursula und ihren Jungfrauen. Die Weinkellerei IMI Winery wiederum hat sich Traube, Fass und Glas für ihre Flagge gewünscht.
Nachdem alle Entwürfe abgesprochen und auf ihre Machbarkeit hin abgeklopft sind, soll im neuen Jahr die Arbeit losgehen. Dabei sollen möglichst viele der künftigen Flaggen-Inhaber mitmachen, mit 50 Leuten rechnet Bea Forner. „Das ist niederschwellige Arbeit – obwohl man erst mal raushaben muss, wie man Fliesen richtig zerdeppert.“ In ihrem Atelier wird gearbeitet, aber auch zum Beispiel nebenan in der großräumigen Werkstatt von Bekannten, die Filmsets bauen. Zusammensetzen, verkleben und verfugen muss man die Mosaike noch, Forner schätzt, dass da mit jeweils 30 Arbeitsstunden zu rechnen ist.
Auf der kommenden Ehrenfelder Kunstroute, die vermutlich am ersten Mai-Wochenende stattfindet, sollen die 33 Arbeiten von „Flagge zeigen Remix“ dann im Rahmen einer Ausstellung vorgestellt und danach an den Pflanzenkübeln in der Körnerstraße angebracht werden. Ein Film über die Aktion wird auch gedreht. „Weil der Aufwand so groß ist, können leider keine weiteren Flaggen hinzukommen, das würde alles sprengen“, sagt Forner, die nun arbeitsreichen Monaten entgegensieht. „Alle Beteiligten, etwa das Filmteam, arbeiten für ein Minimalhonorar. Um das bezahlen zu können, suche ich noch Sponsoren, eine Crowdfunding-Aktion habe ich auch gestartet.“ Infos dazu gibt‘s auf Instagram.
@teilz_ceramics

