Birgit Unterweger beeindruckt in Köln mit dem Stück über Serienmörder Jack Unterweger. Standing Ovations würdigen ihre schauspielerische Leistung.
Standing Ovations für Birgit UnterwegerEin eindrucksvoller Theaterabend im Depot in Köln

Birgit Unterweger in "Unterweger"
Copyright: Marcel Urlaub
Eine Nonne auf der Bühne, das geht immer. Und wenn diese Nonne auch noch von Birgit Unterweger gespielt wird, ist das ein Fest sondergleichen. Mit seinem Soloabend „Unterweger“ feierte das Ensemblemitglied des Schauspiels nun die Köln-Premiere des Stücks über den österreichischen Serienmörder Jack Unterweger und wurde im Gegenzug vom Publikum im Depot 3 mit Jubel und Standing Ovations gefeiert. Verdientermaßen.
Johann „Jack“ Unterweger war 1976 für den Mord an einer Frau zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Aus dem Gefängnis heraus veröffentlichte er literarische Texte, wurde zum Kulturliebling, sodass sich viele Prominente von Elfriede Jelinek bis Günther Grass für seine vorzeitige Freilassung starkmachten mit Erfolg. Doch die Freiheit nutzte er nur, um weitere Frauen zu töten. 1994 wurde er wegen neunfachen Mordes erneut verurteilt, nach der Verkündung beging er Selbstmord.
In Österreich kennt man seinen Namen, dort ist er berühmt-berüchtigt. Unter der zufälligen Namensgleichheit hat Birgit Unterweger als junger Mensch gelitten und für sie der Grund, sich auf der Bühne mit dieser Figur auseinanderzusetzen.
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Das Stück, basierend auf Texten von Marcus Peter Tesch, schlägt allerdings reichlich Volten, ohne ein Grundwissen über diesen Massenmörder ist man zunächst einmal verloren. In Wien, wo das Stück 2024 Premiere feierte, konnte man dies voraussetzen, in Köln nicht.
Und so schaut man Birgit Unterweger als Nonne dabei zu, wie sie von diesem „Jackie“, wie sie ihn nennt, schwärmt. Sie schreibt ihm Briefe in die Haft, schickt ihm Cassetten, er bedankt sich mit seinem Buch. Später verwandelt sich die Schauspielerin in den Mörder, erweckt ihn mit Wiener Proletenschmäh zum Leben.
Brillante Komödiantin
Die Texte sind stark geprägt von Wiederholungen, von einer Sprache, die nicht auf Konsumierbarkeit getrimmt ist. Diese Künstlichkeit trifft auf Passagen, in denen Birgit Unterweger im Zusammenspiel mit dem Publikum improvisiert.
Und so erlebt man eine Glanzstunde (genau gesagt: 70 Minuten) der Schauspielkunst, und die Akteurin von einer Seite, die man bei ihren bisherigen Auftritten, etwa bei ihrem Treppensturz in „Der Name“, ahnen konnte: Hier darf man einer großartigen Komödiantin bei der Arbeit zusehen. Dass sie eine tolle Schauspielerin ist, hat sie dem Kölner Publikum bei jedem ihrer Auftritte (etwa in „Onkel Wanja“!) gezeigt. Nun also eine weitere Facette und man möchte Intendant Kay Voges zurufen: Davon in der nächsten Spielzeit bitte mehr!
70 Minuten (keine Pause). Wieder am 10. und 18.3. sowie 1.4., jeweils 20 Uhr, plus 23.4., 19 Uhr.

