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Karneval 2026So jeck geht's in der Stadt Euskirchen zu – Mediziner-Auflauf in Flamersheim

13 min
Die pinken Damen Flamersheim punkteten mit ihrem farbenfrohen Kostümen und ausgelassener Stimmung.

Die pinken Damen Flamersheim punkteten mit ihren farbenfrohen Kostümen und ausgelassener Stimmung.

Herrlich jeck: Hier fassen wir die Highlights aus dem Straßenkarneval der Stadt Euskirchen zusammen. Aktuell: Der Zoch in Flamersheim.

An den Karnevalstagen finden Sie hier die schönsten Bilder aus dem Stadtgebiet Euskirchen.


Medizinische Versorgung in Flamersheim war sichergestellt

Rund 100 ereignisreiche Tage liegen hinter dem Flamersheimer Dreigestirn. „Wir hatten eine großartige Zeit mit vielen wunderbaren Menschen und heute wollen wir das Ganzen noch zu einem krönenden Abschluss bringen“, betonte Prinz Philipp I. (Kahnert). Der Umzug in ihrer Heimat Flamersheim sei bereits die dritte Teilnahme am Straßenkarneval.

4,5 Tonnen Kamelle insgesamt hatte das Trio besorgt, um sie unter den jubelnden Närrinnen und Narren am Straßenrand zu verteilen. „Zwei Tonnen haben wir sicher auch heute noch dabei, es wird also ganz bestimmt niemand hungern müssen“, scherzte der Regent, der seine närrischen Untertanen an der Seite von Jungfrau Anna (Armin Schabio) und Bauer Thorsten (Justinger) durch die vergangenen Wochen und Monate geleitet hatte. „Wir haben in dieser Zeit sieben Kilo Orden überreicht bekommen, insgesamt 56 Stück. Heute zahlen wir das in Süßigkeiten vielfach wieder zurück.“

Die pinken Damen Flamersheim punkteten mit ihrem farbenfrohen Kostümen und ausgelassener Stimmung.

Die pinken Damen Flamersheim punkteten mit ihrem farbenfrohen Kostümen und ausgelassener Stimmung.

Jungfrau Anna (Armin Schabio), Prinz Philipp I. (Kahnert) und Bauer Thorsten (Justinger) ließen sich und den Flamersheimer Karneval zum Abschluss der Session noch einmal hochleben.

Jungfrau Anna (Armin Schabio), Prinz Philipp I. (Kahnert) und Bauer Thorsten (Justinger) ließen sich und den Flamersheimer Karneval zum Abschluss der Session noch einmal hochleben.

Sogar die medizinische Abteilung aus Flamersheim war mit ihrem Nachwuchs am Karnevalszug beteiligt.

Sogar die medizinische Abteilung aus Flamersheim war mit ihrem Nachwuchs am Karnevalszug beteiligt.

14 Gruppen, bestehend aus rund 150 bunt kostümierten Jecken, hatten sich am Rosenmontag ein ähnliches Ziel gesetzt. Den gelegentlichen Regenschauern trotzend, zogen sie bester Stimmung durch den Euskirchener Ortsteil und sollten es im Laufe des Umzuges sogar schaffen, die Sonne wieder hinter den Wolken hervorzutanzen. „Da uns heute auch die Palmersheimer KG mit ihren Tollitäten begleitet, können wir uns sogar über zwei Dreigestirne freuen“, berichtete Zugleiter Kai Schückel.

Zu den eigenen und den befreundeten Regenten gesellte sich am Montag zudem eine Gruppe, dank deren Unterstützung auch für das körperliche Wohlergehen der Zugteilnehmer bestens gesorgt war. „Unser Trupp hat sich aus Ärzten, Kinderärzten, Zahnärzten, Hebammen und Apothekenmitarbeitern zusammengesetzt“, erklärte Simone Bungenberg-Decker lachend. Selbstverständlich handele es sich bei den mitgebrachten Süßigkeiten daher auch nur um ausgewählte Medizin. „Letzte Session hat uns der Zug schon so viel Spaß gemacht, dass wir unbedingt wieder dabei sein wollten, um mit dem ganzen Ort ein weiteres Mal gemeinsam Karneval zu feiern.“


Das Kirchheimer Kinderprinzenpaar zeigte sich in Hochform

Positives Denken kann im Leben häufig dabei helfen, das beste Ergebnis trotz schlechter Voraussetzungen aus einer Situation zu erzielen. Dies dachten sich auch die Karnevalsfreunde aus Kirchheim, die sich bei ihrem Rosenmontagsumzug mit unerwünschten Regenfällen konfrontiert sahen. „So ein Sauwetter hatten wir schon lange nicht mehr, ich glaube das letzte Mal war, als ich selbst Teil des Dreigestirns war, in der Session 2012/2013“, erinnerte sich Timo Nimtz, Präsident der gastgebenden KG Kirchheim. Genau wie damals habe man auch dieses Mal die Not zur Tugend gemacht und mit den bunten Regenschirmen in Vereinsfarben sogar noch ein passendes Accessoire zu den Uniformen ausgegraben. „Wir bleiben immer positiv und wissen, dass wir trotzdem einen tollen Umzug haben werden.“

Das gleiche Ziel verfolgte auch das Kinderprinzenpaar mit Prinz Niklas I. (Breuer) und Prinzessin Stella I. (Stadler). Beide hatten bereits im Vorfeld die mitgebrachten Kamelle einer eingehenden Untersuchung unterzogen, bei der alles natürlich auch probiert werden musste. Dennoch waren sie mit zwei verbliebenen Paletten voller süßer Leckereien bestens ausgestattet, ihre jecken Untertanen am Straßenrand zu versorgen.

Selbst die Regenschirme der „Karnevalsmäuse“ erstrahlten in bunten Farben.

Selbst die Regenschirme der „Karnevalsmäuse“ erstrahlten in bunten Farben.

Die Kirchheimer Nachwuchsastronauten starteten nicht nur die Rakete, sondern auch die gute Stimmung beim Straßenkarneval in Kirchheim.

Die Kirchheimer Nachwuchsastronauten starteten nicht nur die Rakete, sondern auch die gute Stimmung beim Straßenkarneval in Kirchheim.

„Am meisten Spaß hat mir die Kindersitzung gemacht, aber ich freue mich jetzt auch auf den Zug“, fasste Prinz Niklas I. seine Eindrücke der Session zusammen. Prinzessin Stella I. hatte an ihrem Dasein als Tollität sogar so viel Gefallen gefunden, dass sie sich auch direkt für die kommenden Jahre bereit erklärte, über Kirchheim zu regieren. „Wenn sich niemand findet, der es machen will, mache ich es sehr gerne noch einmal“, so die Neunjährige.

Verkleidet als Pippi Langstrumpf oder auch Ursula, die Antagonistin aus dem Film „Arielle die Meerjungfrau“, brachte die Gruppe „Helden der Kindheit“ zudem ein sehr persönliches Thema in den Kirchheimer Straßenkarneval ein. „Im letzten Jahr ist unsere gute Freundin Renate Diefental leider verstorben“, berichtete Agnes (Agi) Spilles. „Einmal selbst im Karnevalszug mitzugehen, hat sie leider nicht mehr geschafft. Aber wir alle sind heute in ihrem Gedenken dabei, um ihr diesen Wunsch doch noch zu erfüllen.“

Gemeinsam mit den übrigen 200 Zugteilnehmern verbreitete die Gruppe die Freude, die sich ihre Freundin für ihren Umzug in Kirchheim sicherlich gewünscht hätte.



In Roitzheim hat ein Haus am Zugende mehrere Vorteile

„Ich bin hier im Dorf geboren und komme gerne für den Zug zurück“, sagte Daniela Bauer, Pfau der Tiergruppe „Familie Bauer“ zum Zoch, der am Karnevalssonntag durch Roitzheim lief. Die karnevalistische Gruppe, die nicht zufällig den gleichen Nachnamen hat, geht traditionell im Zug mit. Daniela Bauer reist dafür mittlerweile aus Paderborn an. Zurück in die Heimat ziehe es sie aber immer wieder. Und ihre jecke Begeisterung scheint übergesprungen zu sein: Auch ihre Töchter waren bei Familie Bauer im Zug unterwegs.

In diesem Jahr waren sie eine von 15 Gruppen, drei davon fuhren in Festwagen mit. Unter ihnen auch Südtstadtregent Robert I., der reichlich Kamelle an die Roitzheimer verteilte. Trotz des kalten Wetters hatten sie sich nach draußen getraut und säumten den Weg.

Am Zugende wartete bereits die Gruppe rund um Sascha Mader sehnlichst auf die süßen Wurfgeschosse. „Der Vorteil, hier zu wohnen, ist, dass es am Zugende immer viele Kamelle-Reste gibt“, sagte Mader und lächelte. „Nur deswegen sind wir hier“, entgegnete die befreundete Katrin Tschöke mit einem Augenzwinkern. Einen weiteren Bonus sieht Mader in der Nähe der After-Zoch-Party, die im Dorfsaal stattfand.


Zoch in Wüschheim-Büllesheim statt Olympische Spiele in Mailand

Jürgen Deters, ehemaliger Präsident und Ehrenrat der KG Nubbel, verriet ein Geheimnis: „Petrus ist Mitglied bei uns.“ Das hilft, denn sonniger hätte das Wetter zum Karnevalszug in Kleinbüllesheim, Großbüllesheim und Wüschheim nicht sein können.

Beeindruckende 28 Gruppen, darunter zehn Festwagen, und zwischen 600 und 700 Teilnehmer brachte der Zug für die drei Kilometer lange Strecke zusammen. Überall standen die Jecken dicht gedrängt an den Straßenrändern um „einen der größten Züge im Kreis“, wie Deters stolz feststellte, mit Alaaf und schönen Kostümideen zu empfangen.

Deters moderierte in Kleinbüllesheim den Narrenzug vom Wagen aus. Der Festwagen in Form eines Schiffs stammt aus Dom-Esch. Im Karneval hilft man sich gegenseitig. Sogar die Masten wurden extra gekürzt, damit die Freunde aus dem Nachbarort unter die Unterführung passten.

Der Mailänder Raffaelo Lenzi trat in die Pedale der Fahrradkonstruktion

Ob Zugleiter Guido Fischer oder die zahlreichen Helfer am Zug: Alle waren freundlich, gut gelaunt, stets hilfsbereit und aufmerksam. So konnte das bunte Treiben pünktlich in Kleinbüllesheim beginnen.

Den weitesten Weg hatte wohl Raffaelo Lenzi zurückgelegt, um dabei zu sein. Er ist einer derjenigen, die auf der Fahrradeigenkonstruktion der ersten Zuggruppe in die Pedale treten und stammt aus Mailand. Von den Olympischen Spielen habe er sich für den Karneval beurlauben lassen, scherzte Deters. Die Gruppe fährt schon in dritter Generation mit im Zug und hat seit diesem Jahr ein zweites Rad im Betrieb.

Ebenfalls in dritter Generation war eine Gruppe vom TV Stotzheim mit dabei. Die hatte sich diesmal in schillernde, blau-grüne Kostüme gehüllt und verkörperte die Unterwasserwelt. Wassermänner mit Kronen und Gabeln durften dabei nicht fehlen. Seit 2008 geht die Gruppe lückenlos in Karnevalszügen mit.

Ein echter Schornsteinfeger aus Mülheim an der Ruhr

Die Sambagruppe der KG Nubbel konnte nicht beim Zug dabei sein. Guido Büser, der musikalische Leiter der Gruppe, hatte dafür den Fußtrupp der Schornsteinfeger auf die Beine gestellt. Sogar ein echter war dabei und kam aus Mülheim an der Ruhr, weil er so viel Spaß am Karneval hat.

Wer tanzt so schön wie die Flamingos im Karneval? Nur die Heavy Legs der KG Nubbel

Wer tanzt so schön wie die Flamingos im Karneval? Nur die Heavy Legs der KG Nubbel

Die Kreativität hinter den Kostümen war beeindruckend im Büllesheimer Karnevalszug

Die Kreativität hinter den Kostümen war beeindruckend im Büllesheimer Karnevalszug

Andere Gruppen der KG Nubbel waren aber am Start. Jugendgarde und Nübbelchen gingen als rot-weiße Karnevalsmäuschen und die Tanzgruppe Heavy Legs als Flamingos.

Eine weitere Besonderheit des Zuges war noch gar nicht zu sehen: Am Rosenmontag wird der Besen geschwungen und aufgeräumt. Alles ehrenamtlich. Die KG Nubbel, die am Dienstagabend am Dorfgemeinschaftshaus in Großbüllesheim den Nubbel verbrennen wird, ist bestens organisiert. Der junge Vorstand hat die Abläufe im Griff und viel Spaß an der Sache. Die eigene Begeisterung war spürbar auf die Gruppen im Zug übergesprungen.


In Frauenberg und Oberwichterich fehlte auch die Liebe nicht

Nicht ganz pünktlich um 13.10 Uhr startete der Karnevalszug in Oberwichterich. Angeführt zum 53. Mal vom „Jäckel“, folgten die 14 Gruppen mit ihren rund 180 Teilnehmenden ihm auf die Runde rüber nach Frauenberg.

Das Tambourcorps Oberwichterich sorgte mit rund 30 Personen für die einzigen Töne aus Instrumenten. Auch in FrauObI, die Abkürzung steht für Frauenberg, Oberwichterich und Irresheim, sind es eher die lautstarken Boxen, die um die Wette dröhnen. Passend zum Valentinstag durfte auch die Liebe nicht fehlen. Die Gruppe rund um Mirco Graven hatte sich dieses Jahr den roten Herzen verschworen.

Diese Gruppe war gut gelaunt in den Straßen von Oberwichterich und Frauenberg unterwegs.

Diese Gruppe war gut gelaunt in den Straßen von Oberwichterich und Frauenberg unterwegs.

Eine Herzenangelegenheit an Karneval.

Eine Herzenangelegenheit an Karneval.

Gesegnet wurden die Zuggäste am Wegesrand auch.

Gesegnet wurden die Zuggäste am Wegesrand auch.

Bereits zum vierten Mal dabei waren die Dorfkinder, die sich dieses Mal als Fußballer verkleidet hatten und für ordentlich Stimmung sorgten. Passend zur kalten Jahreszeit wählten die Tratschtanten das Motto „Wer einmal leckt, der weiß wie es schmeckt“. Ihre Detailliebe in den Eis-Kostümen war der Hingucker des Zuges.

Weihwasser gab es vom Papst, Party-Crew auf Piraten-Auflieger

Rennfahrer, Cowboys aus dem Wilden Westen und Anhänger der katholischen Kirche samt eines Weihwasser verteilenden Papstes reihten sich nacheinander ein. Die Frauenberger Party-Crew war mit einem großen Auflieger unterwegs und stellte sich im Piratenkostüm den Jecken am Wegesrand zur Schau.

Auch wenn zum wiederholten Mal keine eigene Tollität gefunden wurde, hatten die Zugteilnehmer aus den drei Orten nicht weniger Spaß am Umzug und ließen diesen im Anschluss im Dorfgemeinschaftshaus gebührend ausklingen.



In Billig rocken auch die Kleinsten den Zoch

Immer in Bewegung machten die als Grashüpfer verkleideten Nachwuchstänzerinnen der „Little Crystals“ ihren Kostümen alle Ehre. Während sie im vergangenen Jahr noch   mit dem Sportverein Rot-Weiß zum 100-jährigen Bestehen den Zoch begleitet hatten, waren sie nun mit einer eigenen Gruppe unterwegs. „Den Kindern hat der Umzug so viel Spaß gemacht, dass sie schon seit Wochen ganz heiß auf den heutigen Tag sind“, berichtete Tanzleiterin Janina Comes.

14 Auftritte haben die kleinsten Showtänzer Billigs diese Session absolviert, der Zug war der krönende Abschluss. „Die Jüngsten sind gerade einmal zwei Jahre alt, da sind 14 Auftritte schon eine ganze Menge. Dennoch wollten sie alle heute unbedingt dabei sein.“ Den Grund für diese Begeisterung kennt die Trainerin: „Karneval in Billig rockt einfach. Hier sind alle nett, immer gut drauf und die Stimmung ist einfach der Hammer.“

Mit den „Little Crystals“ nahmen auch die jüngsten Tänzerinnen Billigs mit einer eigenen Gruppe am Karnevalszug teil.

Nach 14 Auftritten in der Session ließen es sich die Jüngsten den Zoch nicht nehmen: Die „Little Crystals“ waren Grashüpfer.

Eine Karnevalistin wirft im Zug in Euskirchen-Billig Süßigkeiten von einem Wagen.

Rund 200 Zugteilnehmer verteilten in Billig die Kamelle unter den jubelnden Karnevalsfreunden.

Mit   viel Musik im Blut verwandelten die „Blues Brothers“ aus Stotzheim in schwarzen Anzügen und Krawatte Billig in eine große Tanzfläche. Zwar wären die   Sonnenbrillen beim wolkenverhangenem Himmel nicht nötig gewesen, komplettierten jedoch das Erscheinungsbild. „Wir waren bei der Wahl unseres Mottos dieses Jahr ein wenig nostalgisch, aber in unserem Alter ist das wohl langsam normal“, berichtete Stefan Weiler, dessen Gruppe   zu den Stammgästen des Billiger Straßenkarnevals zählt.

Auch die Stimmung am Rand sorgte bei Zugleiter Dominik Poth für gute Laune: „Wir sind mit zehn Gruppen wieder sehr gut aufgestellt, obwohl ein Trupp dieses Jahr leider pausiert. Wenn uns   zur After-Zoch-Party genauso viele Menschen begleiten, wie während des Umzuges, dann war das ein gelungener Tag. “


Eine Straße, ein Zug und viel Herzlichkeit in Dom-Esch

Er ist der Zoch, der nur eine Straße braucht: Der Dom-Escher Zug am Weiberdonnerstag lockte die Zuschauer an die Dom-Esch-Straße – und das trotz des nasskalten Wetters.

Zugleiter Hans-Josef „Juppi“ Arenz war sich, kurz bevor es am Nachmittag losging, sicher, dass sich die Straßenränder noch füllen werden. „Wir sind heute der einzige Zug im Stadtgebiet“, erzählte er: „Die meisten Züge gehen im Südkreis.“ Daher sei der Wieverzoch in der Regel besser besucht als der Rosenmontagszug in Dom-Esch. Die anschließende Damensitzung der „Lustige Möhne“ sei für viele der Höhepunkt des Tages.

Mittlerweile habe es sich eingebürgert, dass der Prinz mitgehen darf. „Der Tag gehört ja eigentlich den Frauen“, sagte der Zugleiter und lachte: „Traditionell trug der Prinz früher Schwarz, wenn er mitging, mittlerweile darf er sein Ornat anhaben.“

Das Kinderprinzenpaar Julian II. und Leonie I. grüßt karnevalistisch mit der Hand an der Schläfe.

Maschierte kurz im Stechschritt: Das Kinderprinzenpaar Julian II. und Leonie I.

Prinz Frank II war nicht der einzige royale Zugteilnehmer. Auch das Kinderprinzenpaar der KG Gemütlichkeit marschierte mit und verteilte reichlich Kamelle unter den jecken Besucherinnen und Besuchern. Sie seien überhaupt nicht aufgeregt, verrieten Julian II. (Julian Herkendell) und Leonie I. (Leonie Kremer) vor dem Start. „Nach einem achtstündigen Auftritt neulich sind wir abgehärtet“, lieferte Julian II. die Erklärung, warum jetzt einfach nur Freude und genießen angesagt waren.

„Ihr sollt tanzen, schunkeln, lachen. Lasst es mal so richtig krachen“, begann die Losung des Kinderprinzenpaars. Für den Fall der Fälle hatten die beiden 13-Jährigen Regenponchos im Gepäck. Davon bekam man im Zug einige zu Gesicht – die funktionelle Kleidung wurde fast genauso oft getragen wie die traditionelle Rot-Weiß-Kombination.

„Angesichts des Wetters bin ich erstaunt, wie viele Leute hier sind“, sagte Yannick Schramm, der seit 2019 an der Dom-Esch-Straße wohnt: „Es ist schon Tradition, dass wir uns bei mir treffen, den Zug schauen und feiern“, sagte er mit Blick auf befreundete Karnevalistinnen und Karnevalisten. Schramm lobte den Zusammenhalt im Ort: „Meine Familie wurde sehr gut im Dorf aufgenommen. Die Gemeinschaft und die Vereine sind total herzlich.“

Diese rheinische Freundlichkeit zeigte sich ein paar Häuser weiter. Am Betrieb „Franz Thelen – Obst und Gemüse“ stand ein Büfett in einem Innenhof. „Das ist eine jahrelange Familientradition“, so Katharina Schumacher, geborene Thelen: „Damals hat mein Großvater das schon immer aufgebaut.“ Man wolle die Leute im und am Zug einfach mit etwas Verpflegung stärken. „Früher war es gang und gäbe, Essen auf einem Stand anzubieten.“ Diesen Gedanken wollten sie und ihre Brüder Michael und Dieter Thelen weiterführen.

Dass man einander unterstützt, bestätigten auch die Eischer Wiever 2.0., die als schillernde Schmetterlinge mit im Zug flatterten. Ihre farbenprächtigen Kostüme hatte die ortsansässigen Schneiderei Stukert angefertigt: Man kennt sich und man hilft sich.




Kreuzweingarten startet schon eine Woche früher

Peter Tidrowski, Zugleiter und Geschäftsführer der IG Kreuzweingarten-Rheder, hatte allen Grund zur Freude: Schönstes Wetter und alle Gruppen pünktlich am Start – dem Auftakt des Straßenkarnevals stand nichts mehr im Wege. Eigene Tollitäten brauchte es da nicht. Noch nicht. „Wenn wir die fünfte Session erfolgreich angehen, wollen wir auch eigene Tollitäten dabei haben“, verriet Tidrowski – dieses Mal war's der dritte Zoch.

Von Anfang an haben die Tollitäten der Kernstadt die Bemühungen in Kreuzweingarten unterstützt. Mit dabei waren nun Prinzessin Colette I. und Regent Robert I. „Im Karneval gehören wir zusammen. Da muss man sich gegenseitig unterstützen“, so Colette. So sieht es auch Tidrowski.

Steht der Zug still, geht er auf Freunde am Straßenrand zu: „Den kenne ich durch den Karneval schon drei Jahre und wir sind inzwischen Freunde geworden,“ sagt er über den Mann im Cowboy-Look. Karneval schafft Netzwerke. 14 Gruppen und sechs große Wagen sind bei dem Zug mit dabei, der sich zwei Stunden durch die Straßen schlängelt. Junggesellenvereine aus Iversheim und Antweiler gehen mit, eine Schaf- und eine Bienengruppe, die Kita-Piraten.

Eine Gruppe rot-weiß kostümierter Kinder und Erwachsener steht auf der Straße in einem Wohnviertel.

Sie können sich nicht trennen: Die einst erfolgreichen Fußballer sind nun als Allstars und mit ihren Kindern in Kreuzweingarten im Zoch unterwegs.

Drei Nonnen stehen am Straßenrand und halten bunte Tüten vor sich.

Auch die Schwestern von Maria Rast haben Spaß am Fastelovend.

Zum dritten Mal dabei sind die Herren und ihre Kinder der KWG Allstars, der ehemals erfolgreichen Fußballmannschaft des Ortes – das ist dann wohl Tradition. „Die meisten wohnen gar nicht mehr hier,“ erzählt einer der Ex-Fußballer: „Aber zum Karneval kommen wir nach Kreuzweingarten und gehen mit.“

An der Straße stehen auch drei Frauen in Nonnenkostümen. Aber nein! Die sind echt und haben in der Menge der Kostümierten ausgelassen ihren Spaß. Eine der Schwestern der Ordensgemeinschaft im nahen Maria Rast, Sr. Marie-Bärbel, schaut für einen Moment ganz ernst: „Wir sind hier, um zu sehen, ob auch alles ordentlich zugeht.“ Und lacht herzlich. Die Taschen der Schwestern sehen aus, als hätten sie schon ordentlich Kamelle gesammelt.

Familie Binder liegt mit ihrem Haus direkt an der Zugstrecke. Sie hat Familie und Freunde eingeladen und wie zahlreiche andere Brötchen und Salate für Hungrige aufgebaut. Stefan Binder ist begeistert: „Man hat richtig Lust auf den Karneval bei dem Wetter. Ich bin im Ort im Sportverein und stehe hier, weil Karneval zum Dorfleben dazugehört.“ Gabi Klein, eine seiner Gäste, kommt aus Niederkassel. Ihre Motivation: „Ich will mir so eine Hochburg des Karnevals nicht entgehen lassen. Nach dem tollen Zug vom letzten Jahr musste ich wieder hierherkommen.“


Was war sonst los? Hier finden Sie alles zum Karneval im Kreis Euskirchen im Überblick.

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Wir wünschen schöne Karnevalstage. Alaaf!