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Zum Tod von Walter Bockmayer: „Habt einfach nur Spaß auf der Bühne“

Vor nicht einmal zwei Wochen feierte Walter Bockmayer mit "Aape op jöck" seine letzte Theaterpremiere. (Foto: Schmülgen)

Vor nicht einmal zwei Wochen feierte Walter Bockmayer mit "Aape op jöck" seine letzte Theaterpremiere. (Foto: Schmülgen)

Köln -

Am Ende ging es dann doch ganz schnell: Am Dienstagmorgen starb der Kölner Regisseur und Theatermann Walter Bockmayer im Alter von 66 Jahren. Vor einem halben Jahr war bei ihm Krebs diagnostiziert worden. Er kämpfte dagegen und verlor letztendlich.

Aber er hatte immer mit Verve gekämpft: Gegen die Engstirnigkeit in seiner Geburtsstadt Fehrbach (Pirmasens). Gegen alle, die ein Problem mit Schwulen und Lesben hatten. Er hatte nie Lust, sich zu verstecken - nicht in der alten Heimat und schon gar nicht in Köln, wo er seit Ende der 60er Jahre lebte - und liebte: Hier lernte er seinen Lebenspartner Rolf Bührmann kennen.

Die beiden wurden und blieben ein eingeschworenes Team: Walter hatte die verrückten Ideen, Rolf sorgte dafür, dass sie sich in die Tat umsetzen ließen. So hieß es 1996 im Kaiserhof-Theater: "Rolf, ich will einen Swimmingpool für eine Wasserballett-Szene!" Und es gab einen Swimmingpool (und Regencapes für die Zuschauer in den ersten Reihen).

Ein Erfolgsteam

Arbeiteten sie - parallel zum Job als Ankleider in der Oper - bei den ersten Super-8-Filmen noch als Co-Regisseure, übernahm Bührmann bei den Spielfilmen die Rolle des Produzenten. Ein Erfolgsteam: 1977 drehten sie "Jane bleibt Jane". Es folgten "Flammende Herzen" oder "Looping" (mit Shelley Winters). Es gab Preise, Filmbänder in Silber oder Gold - Bockmayer gehörte zum Kreis der deutschen Autorenfilmer, Rainer Werner Fassbinder wurde ein Freund.

Parallel zu den Filmerfolgen hatten Bockmayer und Bührmann die "Filmdose" im Kwartier Latäng eröffnet. Hier wurden wilde Partys gefeiert - und noch mehr schräge Ideen geboren. Zum Beispiel im hinteren Teil der Kneipe Theater zu spielen. 1984 war Premiere: Die tolle Heimatfilm-Verballhornung "Geierwally" mit Ralph Morgenstern, Samy Orfgen und Dirk Bach wurde zum Dauerbrenner, lief jahrelang und in einer Münchner Inszenierung vertraute Bockmayer der noch unbekannten Veronica Ferres die Hauptrolle an. Im Gegenzug holte ihn Intendant Günter Krämer auch für einige Inszenierungen ans Kölner Schauspiel.

Zuckerbrot und Peitsche

Wally und sein Näschen für Talente. Für "Jane bleibt Jane" engagierte er Johanna König, die Clementine aus der Ariel-Werbung. Und als er 1994 den legendären Kaiserhof am Hohenzollernring wieder eröffnen wollte, suchte er jemanden, der in der "Rocky Horror Show" den Erzähler übernehmen konnte. Im Nachtprogramm entdeckte er Gigi Herr, als sie lustige Wettervorhersagen machte. Von deren Tante Trude war er ein Riesenfan - obwohl sie ihn mal zur Schnecke gemacht hatte. "Ich wurde ihr vorgestellt, und sie beschimpfte mich und alle anderen deutschen Regisseure gleich mit - weil sie selber Filme machen wollte", erinnerte er sich später.

Gigi wurde der Star im Kaiserhof, war "Carmen", Kameliendame oder "Tarzan"-Gespielin Liane Jöckemöller. Seinen Schauspielern gab er Zuckerbrot (davon reichlich) und Peitsche (hin und wieder) und den wichtigsten Ratschlag: "Habt einfach Spaß auf der Bühne!"

Und auch die Zuschauer amüsierten sich en masse. Allein, um den großen "Kaiserhof" und das Kellertheater "Kaiserdose" (die Filmdose hatte man verkauft) auf Dauer zu halten, waren es nicht genug. 2001 gab Bockmayer das Haus ab, zog sich zurück - war zwei Jahre später wieder da: im Scala Theater, mit richtig kölschen Stücken.

Wobei: Der klassische Begriff "Stück" trifft seine Form von Theater nicht unbedingt. Da geht es in der Handlung nicht nur inhaltlich wüst zu, auch logische Sprünge gehören zum schrillen Spiel. Und die Dialoge beschränken sich über weite Strecken gerne mal auf eine Aneinanderreihung von Witzen. Dazu wird in den buntesten Kostümen gesungen (kölsche und andere Hits) und getanzt. Am Ende tobt aber jedes Mal der Saal - oder das Publikum liegt sich flennend in den Armen, wenn das Kölsche Hätz einmal mehr strapaziert wird. Immer auf die Zwölf, immer dem Affen ordentlich Zucker gegeben, so lautete das Motto des Theatermannes Bockmayer.

Privat war das eine andere Sache. Ruhig, zurückhaltend, fast ein bisschen schüchtern oder unsicher, wenn er Menschen nicht kannte. Oder nicht wusste, was er von ihnen halten sollte. Und jeder, der in seine Wohnung kam, erwartete ein Meer von kitschigem Tuntentrash. Von wegen. Schlicht, hell, mit ein paar Souvenirs in einer Glasvirtrine - darunter eine Nonne ("Ich bin abergläubig!"). Und an den Wänden Regale voller CDs und DVDs - vieles davon aus den USA mitgebracht, seiner zweiten Heimat.

Dorthin hatte es ihn zum ersten Mal Anfang der 60er verschlagen, als er einem Lover nachreiste. Man erwischte "Wally" bei der Schwarzarbeit, er wurde abgeschoben. In den 80ern war er regelmäßig in New York, schaute sich an, was es Neues am Broadway gab. Irgendwann entdeckte er Miami Beach. Und als ihm einer seiner Mitarbeiter erzählte, er wolle an der Green-Card-Lottery teilnehmen, machte auch Bockmayer mit. Und gewann das begehrte Stück. Die meiste Angst hatte er vor der Gesundheitsprüfung. Rauchen, trinken, Drogen - er hatte nichts ausgelassen. Von den letzten beiden war er gut losgekommen. Vom Rauchen nicht, trotz der vor vielen Jahren entdeckten Diabetes oder dem Lungenkrebs. Dem hatte er versucht, mit Chemo und Bestrahlung Einhalt zu gebieten.

Aber natürlich: "The show must go on". Am Donnerstag wird im Scala wieder "Aape op jöck", gespielt. Alles andere würde ihn maßlos ärgern.

Lesen Sie auf der nächsten Seite über die bewegende Premiere von "Aape op jöck" - und warum das Stück eine Ovation für Bockmayers Wahlheimat Köln ist.

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