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Die Jugend von heute: Wer ist eigentlich diese Generation Z?

Schnell, schneller, Z: Noch eben ein Selfie posten, bevor es mit dem Unterricht weitergeht.

Schnell, schneller, Z: Noch eben ein Selfie posten, bevor es mit dem Unterricht weitergeht.

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imago/Westend61

Nach X und Y kommt Z wie Zukunft: Wer ist diese junge Generation Z, die auf die berüchtigten Ypsiloner folgt? Wer sind die jungen Menschen, die nach 1995 geboren wurden? Wie leben sie? Was wollen sie? Und: Werden sie unsere Gesellschaft verändern?

Der Wissenschaftler Michael Haller schreibt in seinem Buch „Was wollt ihr eigentlich?“ über die Generation Z: „Sie lernte bereits während der Grundschulzeit die Social Media, vor allem YouTube, Instagram und Facebook, kennen.“ Gerade YouTube ist Haller zufolge für die zwischen 15- und 21-Jährigen zu einer wichtigen Drehscheibe geworden. Nicht Claus Kleber und Caren Miosga erklären ihnen die Welt. Im Gegenteil: Die Jugendlichen setzen sich mit ihren YouTube-Stars wie LeFloid, Dagibee oder den Lochis direkt und auf Augenhöhe über das Weltgeschehen auseinander.

Schnell, schneller, Z

Wer bei Twitter schon nicht mehr mitkommt, der sollte sich einmal mit Snapchat – dem „Instant-Messaging-Dienst“ der Generation Z – beschäftigen. Nachrichten und Bilder, die man versendet, sind nur ein paar Sekunden sichtbar und zerstören sich danach sozusagen selbst. Doch wer jetzt glaubt, diese sehr jungen Digital Natives, die noch viel technikaffiner und schneller sind als die Ypsiloner, würden die Generation Y auch in ihren Forderungen nach mehr Sinn und Selbstverwirklichung übertrumpfen, liegt falsch.

Pragmatische Realisten ohne Vision

Selbstverwirklichung im Job scheint für die Generation Z nicht so wichtig zu sein, wie der Wissenschaftler Christian Scholz in seinem Buch „Generation Z. Wie sie tickt, was sie verändert und warum sie uns alle ansteckt“ schreibt. Vielleicht sind die Zler auch einfach abgeklärter als ihre heute zwischen Mitte 20 und Mitte 30 Jahre alten Vorgänger. Pragmatische Realisten ohne die Vision der Generation Y - so könnte man Scholz' Beschreibung der Generation Z zusammenfassen.

Distanzierteres Verhältnis zur Arbeit

Während die Ypsiloner, wenn sie für ein Projekt brennen, gerne auch einmal mehr arbeiten, sind die Zler weniger enthusiastisch, wenn es um Überstunden geht. Sie stehen dem, was sie tun, demnach distanzierter gegenüber und identifizieren sich nicht unbedingt mit ihrem Job. Das führt auch dazu, dass sie sich leichter abgrenzen können und eine klare Trennung von Freizeit und Beruf einfordern, wie der Professor für Personalmanagement schreibt, der für sein Buch US-Studien auswertete und seine eigenen Erfahrungen aus dem Hörsaal miteinbezog.

Zusammen mit seinen Studenten hat der Dozent an der Universität des Saarlandes ein kleines Lexikon zur Generation Z erstellt. Darunter finden sich Schlagwörter wie „Arbeitsplatzsicherheit“, „Festlohnprinzip“, „Lebenslustmaximierung“, „Loyalitätsdefizit“ und „Selfie“.

„Work-Life-Seperation statt Work-Life-Bending“

Hyperflexibel wie die Ypsiloner sind die ganz jungen Erwachsenen dem Wissenschaftler zufolge nicht. „Work-Life-Seperation statt Work-Life-Bending“, schreibt Scholz in seinem Buch. Während es für die Generation Y wichtig ist, eine Balance zwischen den sich immer stärker mischenden Bereichen Freizeit und Arbeit zu erzielen, lehnen die Zler eine Vermischung der beiden Bereiche Scholz zufolge konsequent ab.

Generation Z will klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit

Gerade diejenigen, deren Leben fast von Geburt an nicht nur offline sondern auch online stattfand, die eine Entgrenzung der digitalen und analogen Welt erleben, wünschen sich dem Wissenschaftler zufolge wieder klare Grenzen. Demnach wollen die Zler im Job klare Vorgaben und Strukturen - diese kennen sie schließlich schon aus ihrem Bachelor- und Master-Studium. Die jungen Erwachsenen wünschen sich geregelte Arbeitszeiten, ein festes Gehalt und Feierabend um 17 Uhr, freitags auch gerne um 14 Uhr. Das Wochenende soll frei von jeglichen Job-Gedanken oder beruflichen Ambitionen sein. Überhaupt ist Freizeit wichtig für die Zler. YOLO – You only live once – ist zu einem Motto ihrer Jugend geworden.

Zler sind daran gewöhnt, gelobt zu werden

Die Frage nach dem Sinn, das „Warum“ - , das für die sich stetig selbst hinterfragende Generation Y im Vordergrund stand, scheint für die Generation Z in den Hintergrund zu rücken.„Zurzeit gefällt sich die Generation Z als umworbene Zielgruppe, die Bedingungen diktieren kann“, so Scholz. Die Kinder der Helikopter-Eltern, die auf Instagram Herzchen und auf Facebook Gefällt mir-Daumen sammeln, wollen auch im Beruflseben ständig gelobt werden.

Die Huffington Post urteilte sogar "illoyal, verwöhnt, visionsfrei“, dabei kann man die Zler auch positiver sehen: Jugendforscher Klaus Hurrrelmann, der die Nachfolge-Generation der Ypsiloner in seinem Buch „Die heimlichen Revolutionäre“ erst ab dem Geburtsjahrgang 2000 ansetzt, sieht mit Bezug auf die „World Vision Kinderstudien“ eine sehr „selbstbewusste“ Generation heranwachsen, „die sich angesichts der verbesserten Arbeitsbedingungen lange nicht so unter Druck setzt wie die vorangehende.“

Nicht so sehr im Krisenmodus wie Generation Y

Denn: „Ihre Zukunftsperspektiven scheinen im Vergleich sicherer und strukturierter, eben weil sie nicht so sehr im wirtschaftlichen Krisenmodus groß werden wie die Generation Y. Diese junge Generation wird aus heutiger Perspektive keine einschneidenden Probleme auf dem Arbeitsmarkt mehr erleben.“

„Selbstbewusste Genießer“

Dies dürfte Hurrelmann zufolge auch wieder zu „zu einem verstärkten Engagement für gemeinschaftliche und öffentliche Belange führen.“ Spannend bleibt es mit der Generation Z in jedem Fall: „Vielleicht wird sie eine der selbstbewussten Genießer?“,so Hurrelmann. „Ihre wirkliche Gestalt wird sich erst in etwa zehn Jahren identifizieren lassen.“