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Kölnische Rundschau | Zentralmoschee Ehrenfeld: Christian Wulff diskutiert mit Muslimen
14. March 2016
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Zentralmoschee Ehrenfeld: Christian Wulff diskutiert mit Muslimen

Ein angeregtes Gespräch führten Christian Wulff, Bundespräsident a.D., und Dr. Bekir Alboga, Ditib Vorstand, in der Zentralmoschee in Ehrenfeld. (Foto: Horn)

Ein angeregtes Gespräch führten Christian Wulff, Bundespräsident a.D., und Dr. Bekir Alboga, Ditib Vorstand, in der Zentralmoschee in Ehrenfeld. (Foto: Horn)

Köln -

„Der Islam gehört zu Deutschland“, damit sorgte Christian Wulff schon während seiner Amtszeit als Bundespräsident für Diskussionen. Dass ihm auch heute noch einiges an seiner These liegt, zeigte er am Samstag im Gespräch mit jungen Christen und Muslimen in der Zentralmoschee in Ehrenfeld.

„Spaltung Deutschlands“ befürchtet

Erfahrungen mit der Religion wurden ausgetauscht. Ein wichtiges Thema in Zeiten, in denen Wulff „eine Spaltung Deutschlands“ befürchtet. Er sehe zum einen die Muslime, die sich nicht vollends akzeptiert fühlen und auf der anderen Seite Menschen, die Muslime pauschal für Negatives schuldig machen. In dem Zusammenhang verurteilte Wulff islamische Radikalisierung, sowie auch Demonstranten, die zum Beispiel in Dresden gegen eine angebliche Islamisierung und aber für die deutsche Verfassung einträten: „Kein Mensch von denen kann jemals ins Grundgesetz reingeschaut haben. Wenn sie da reingeguckt haben, dann haben sie es nicht verstanden.“ Man stoße sofort auf die Stelle „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, so Wulff.

Diese vertrackte Situation rufe nach einem interreligiösen Dialog: „Wir alle müssen dafür kämpfen, dass Religion nicht Zankapfel wird, sondern eine Verständigung der Versöhnung bleibt“, so Wulff. Der Bundespräsident a.D. nannte Regeln, wie zum Beispiel eine Verfassung, auf die sich alle berufen und die alle achten müssten, sowie Empathie und Interesse als Schlüssel für ein erfolgreiches Zusammenleben.

Gemeinsamkeiten der Religionen

Das Podium aus jeweils zwei muslimischen und christlichen Jugendlichen machte sich anschließend daran, Gemeinsamkeiten der beiden Religionen zu erschließen. Religiosität im Alltag bedeutet nicht nur für Maria Maier vom Stadt- und Regionalvorstand Bund Deutscher Katholischer Jugend München sich für Schwächere einzusetzten, sondern ebenso auch für Taner Beklen vom DITIB Bundesjugendvorstand: „Es ist wichtig, nicht ausschließlich als Individuum durch die Welt zu gehen, sondern auch zu reflektieren, dadurch ein Teil der Gesellschaft zu sein und auch etwas zu ihr beizutragen“, erklärt Beklen.

Als unangenehm bezeichnete Sema Yilmaz manche Fragen nach dem Ramadan, die das Fastenfest eigentlich nur infrage stellen würden: „Hier muss definitiv mehr drüber kommuniziert werden“, so Yilmaz. Dabei sei es auch essenziell, einen Dialog zwischen Religösen und Nicht-Religiösen anzugehen.

Die Jugendlichen stellten aber auch fest, dass es an der interreligiösen Kommunikation hapert: „Ich habe immer das Gefühl, dass wir Christen viele Fragen an Moslems haben, allerdings keine zurück kommen“, wunderte sich Maier. Grund dafür, laut Beklen, sei, dass viele Menschen, die er gefragt habe, selbst nicht so genau wüssten, was es beispielsweise mit Ostern auf sich habe.

Am Ende gab es neben guten Wünschen auch eine leise Kritik am Islam. Der Bundespräsident a.D. mahnte, dass der Islam den Weg in die Moderne finden müsse, dabei käme es aber auch darauf an, nicht alles schön zu reden: „In der Türkei dürfen die Christen keine Priester ausbilden. Wenn ein Moslem konvertieren möchte, dann hat er in weiten Teilen der Welt ein massives Problem“, so Wulff.

Ein erster Schritt

Hamed Hakim, gläubiger Moslem, plädierte für einen selbstkritischen Diskurs im Islam: „Moslems reden sich vieles schön. Oft sind nur die anderen Schuld“, sagte er. Die Rolle der Frau im Islam und Antisemitismus seien wichtige Themen und müssten auch innerhalb der Religion zur Sprache gebracht werden.

Aufseiten der christlichen Jugendlichen im Publikum war ein wenig Enttäuschung nach der Veranstaltung zu spüren: „Der Dialog kam mir eher oberflächlich vor“, so Laurin Geiger von der evangelischen Jugend. Er sehe ihn allerdings als ersten Schritt, würde in Zukunft aber dann doch mehr erwarten.


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