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Strom-Autobahnen: Mit Ultranet soll der Strom schneller fließen

Stromnetz im Wandel: Über die Gleichstromverbindung Ultranet soll der Strom schneller über lange Distanzen geschickt werden. (Foto: Böschemeyer)

Stromnetz im Wandel: Über die Gleichstromverbindung Ultranet soll der Strom schneller über lange Distanzen geschickt werden. (Foto: Böschemeyer)

Bornheim -

Möglichst schnell weg von der Atomenergie, hin zur Ökoenergie. Das war der neue Grundsatz der deutschen Energiepolitik nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima. Die 2011 beschlossene energiepolitische Kehrtwende umfasste das sofortige Aus für acht Atomkraftwerke und den stufenweisen Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022. Um den beispielsweise in Off-Shore-Windparks in Norddeutschland erzeugten Ökostrom dann auch über lange Strecken dorthin zu bringen, wo er gebraucht wird, bedarf es neuer Leitungen: Ultranet ist eine von insgesamt drei geplanten Strecken in Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungstechnik.

Zwei Bürger-Infomärkte im Linksrheinischen

Die 340 Kilometer lange Leitung zwischen Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg quert auch den Rhein-Sieg-Kreis. Stromtransporteur ist der Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Dessen Mitarbeiter informierten jetzt in Bornheim über die Vorplanung dieses Milliardenprojektes.

Die Frage, die die meisten interessierten Bürger am Donnerstagabend im Ratssaal umtrieb, konnten die eloquenten Berater gleich mit einem klaren Nein beantworten: Ultranet braucht keine neuen Stromtrassen, es werden vielmehr die bestehenden Freileitungsmasten genutzt und geringfügig umgerüstet. Die Energiewende wird also nicht deutlich sichtbar.

Die Ultranet-Leitung zwischen Meerbusch-Osterrath und Phillipsburg (Landkreis Karlsruhe), auch Korridor A Süd genannt, soll die Stromerzeugung am Standort Philippsburg ausgleichen, wenn das dortige AKW im Zuge des Kernenergieausstiegs abgeschaltet wird.

„Das Stromnetz passt nicht mehr zur Erzeugung“, erklärte Amprion-Pressesprecherin Joëlle Bouillon. Bislang wurden die meisten Kraftwerke in der Nähe von Städten und Industriezentren gebaut; Strom musste also nie allzu weit transportiert werden. Geht das Atomkraftwerk Phillipsburg vom Netz, und das soll spätestens 2019 sein, muss dieser Bereich mit Strom aus dem Norden versorgt werden – über eine Gleichstromtrasse, die die Energie deutlich schneller und verlustarm transportieren könne als die üblichen Wechselstromtrassen. Was die Trasse teuer macht sind die notwendigen Konverteranlagen am Anfang und Ende der Leitungen; Amprion – die Gesellschaft ist aus dem RWE-Konzern hervorgegangen – hat die Firma Siemens mit deren Bau beauftragt. Diese Konverter verschlingen mit 900 Millionen Euro den Löwenanteil der Bausumme von einer Milliarde.

„Wir sind noch in einem sehr frühen Stadium“, sagte Joëlle Bouillon, „noch in der Vorplanung“. Das heißt, Amprion bereitet gerade die Projektbeschreibungen, Gutachten und Pläne für die Bundesfachplanung vor. Man wolle mit solchen Bürger-Infomärkten sehr frühzeitig informieren, dass eben keine neue Trasse gebaut werde, dass gesundheitliche Aspekte ebenso genau überprüft würden wie die Nähe zur Bebauung. 2019 soll Ultranet fertig sein; spätestens 2023 sollen alle drei Gleichstrom-Strecken stehen.

Die nächste Info-Veranstaltung findet am Donnerstag, 18. Februar, 17 bis 20 Uhr in Meckenheim, Sitzungssaal 1, Im Ruhrfeld 16, statt.