Bildungsoffensive BienenDen Kölner Stadtbienen geht es gut

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Ein Refugium für Bienen hat Iris Pinkepank auf ihrem Dachgarten gegenüber der Christuskirche geschaffen.

Ein Refugium für Bienen hat Iris Pinkepank auf ihrem Dachgarten gegenüber der Christuskirche geschaffen.

Köln – Seit fünf Jahren macht Iris Pinkepank Honig über den Dächern der Stadt – und jetzt will sie mehr. Zusammen mit Imker-Kollegin Stephanie Breil startet sie eine Bildungsoffensive in Sachen Bienen: das Projekt „HonigConnection“ beginnt im Februar.

Vorab die gute Nachricht: Die Bienen in der Stadt brauchen wenig Hilfe. „Hier haben sie ihre Rückzugsorte“, sagt die Hobby-Imkerin. Das Problem seien vor allem die Agrargifte und die Monokulturen in der Landwirtschaft. „Wir wollen von hier aus ein Bewusstsein in der Bevölkerung wecken, wie wichtig Bienen sind“ – in der Hoffnung, dass dann irgendwann auf dem Land weniger Gifte eingesetzt werden.

Gründe für Bienensterben nicht zufriedenstellend erforscht

In ihrem Dachgarten gegenüber der Christuskirche hat die Hobby-Imkerin solch einen Rückzugsort geschaffen: fünf Bienenstöcke stehen dort, farbenfrohe Holzkästen mit Metalldeckel, an deren Flugloch reger Betrieb herrscht. Eigentlich sollten die Bienen im Winter im Stock sein, aber „es ist zu warm“, sagt Iris Pinkepank.

Mit Oxalsäure rückt die Imkerin der Varroa-Milbe zu Leibe. Der Schädling setzt sich den Bienen auf den Rücken und saugt sie aus. Doch Säure verträgt die Milbe nicht – die Biene schon.

Mit Oxalsäure rückt die Imkerin der Varroa-Milbe zu Leibe. Der Schädling setzt sich den Bienen auf den Rücken und saugt sie aus. Doch Säure verträgt die Milbe nicht – die Biene schon.

Vor zwei Jahren hatte sie acht Völker auf der Dachterrasse. Doch den Winter 2016/2017, in dem etwa 50 Prozent aller Bienenvölker in Deutschland eingingen, haben auch bei ihr nur zwei überlebt. Die Gründe für das große Bienensterben sind laut Pinkepank immer noch nicht zufriedenstellend erforscht.

Die Varroa-Milbe wird als eine der Schuldigen genannt. Doch als Erklärung reicht der Imkerin das nicht. Sie behandelt ihre Bienen regelmäßig gegen die Milbe, zuletzt mit Oxalsäure, wie es der Imkerverband für den Winter vorschreibt. „Aber das mache ich jedes Jahr.“ Viele ihrer Bekannten fragten damals, warum die Bienen eingingen. Eine eindeutige Antwort konnte sie nicht geben.

„HonigConnection“ vermittelt Wissen

Aber sie merkte, wie wenig die Leute über Bienen und Insekten wissen. „Viele halten das Imkern für eine Geheimwissenschaft.“ Daraus entstand die Idee zu „HonigConnection“: Schulprojekte, vielfältige Veranstaltungen und eine Internetseite, die Informationen zu Bienen bündelt.

Damit macht die Projektmanagern ihr Hobby für die nächsten Jahre auch zu ihrem Beruf. Sie entdeckte die Liebe zur Biene bei einem Projekt über die „Erotik der Pflanzen“, das sie einst in Südtirol entwickelt hatte. Als sie sich vor fünf Jahren mit ihrem Mann wieder in Köln niederließ, fing sie dann selbst mit dem Imkern an.

Was sie daran mag? Vor allem das Zuschauen. „Es ist sehr entspannend, die Bienen zu beobachten.“ Auch die Arbeit an der frischen Luft gefällt ihr. Aber mit „HonigConnection“ will sie auch den Wert des Honigs vermitteln. „Wer selbst imkert, weiß, wie viel harte Arbeit hinter 250 Gramm Honig steckt.“ Und vor allem den Wert der Biene: „Sie hat eine Schlüsselstellung im Ökosystem“, sagt Pinkepank: Denn sie bestäubt Blüten und dient vielen Tieren als Nahrung – ohne sie gebe es weniger blühende Pflanzen, Früchte und Tiere. „Sterben die Bienen, fällt ein ganzer Kosmos zusammen.“

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