Kölner EinkaufsmeileWarum Besucher die Venloer Straße trotz der Untergangs-Prophezeiungen schätzen

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Nach der Umwidmung zur Einbahnstraße prophezeien einige Geschäftsleute wieder den Untergang der Venloer Straße.

Nach der Umwidmung zur Einbahnstraße prophezeien einige Geschäftsleute wieder den Untergang der Venloer Straße.

Die Venloer Straße in Köln erweist sich in einer Umfrage als beliebtes Einkaufszentrum – trotz der Befürchtungen einiger Geschäftsinhaber.

Seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten klagen Geschäftsinhaber entlang der Venloer Straße über den bevorstehenden Niedergang ihrer Einkaufsmeile. Wie man sich täuschen kann. Kürzlich wurden die Ergebnisse eine Befragung veröffentlicht, die ein ganz anderes Bild zeigen: Die Venloer Straße ist mit der Durchschnittsnote 2,0 eines der beliebtesten Einkaufszentren in den Bezirken außerhalb der Kölner Innenstadt. Da kann nur die Dürener Straße in Lindenthal mithalten.

86 Prozent der Passanten hatten der Venloer Straße eine „sehr gute“ oder „gute“ (72 Prozent) Attraktivität bescheinigt, nur ein Prozent vergab ein „Ausreichend“ – ein „Mangelhaft“ oder gar ein „Ungenügend“ kamen gar nicht vor. Davon kann man anderswo nur träumen. Ob diese positive Bewertung auch in den Umsätzen ihren Niederschlag findet, wurde allerdings nicht untersucht.

Venloer Straße in Ehrenfeld punktet mit Flair und Atmosphäre

Durchgeführt wurde die Befragung von der Agentur „Stadt + Handel“ im Auftrag der „Köln Business Wirtschaftsförderung“, einer Tochtergesellschaft der Stadt. Insgesamt 2400 Personen wurden nach ihrer Meinung befragt, durchschnittlich 200 pro Bezirkszentrum, alle Altersklassen waren vertreten.

Anhand der Fragen und Antworten lässt sich erkennen, dass das Waren- und Dienstleistungsangebot bei der Bewertung der Bezirkszentren keine allzu große Rolle spielt. Bekleidung, Elektronik, Einrichtung – dafür gab’s in Ehrenfeld jeweils eine „Drei“, wie in den meisten anderen Bezirkszentren auch. Lediglich bei Büchern, Sport- und Spielartikeln schneidet die Venloer Straße signifikant besser ab.

Richtig punkten aber kann sie mit „Flair/Atmosphäre“, „Plätze/Wege“, „Sitz- und Verweilmöglichkeiten“, „Lebendigkeit/Erlebniswert“, „Sauberkeit/Sicherheit“: In diese Kategorien verteilten die Passanten durchgängig eine „1-2“, während der Rest der Stadt auf einen Durchschnitt von „3“ kam.

Venloer Straße in Köln: Radwege auf Fahrbahn – Außengastro auf Gehwegen

Kein größeres Geheimnis dürfte sein, dass die Venloer Straße nicht an Flair und Lebendigkeit gewonnen hat, weil die inhabergeführten Geschäfte der Vergangenheit nach und nach durch Filialisten und Ladenketten ersetzt wurden. In Seitenstraßen wie der Körnerstraße aber eröffneten zahlreiche kleine Geschäfte mit originellen, ungewöhnlichen Sortimenten, während auf der Venloer Straße selbst viele Ladenlokale in Cafés, Restaurants oder Imbiss-Stuben umgewandelt wurden.

Auf den Gehwegen tobt seit der Verlegung des Radwegs auf die Fahrbahn die Außengastronomie, zudem sind in der näheren Umgebung Clubs und Konzert-Locations jedweder Couleur vorhanden. Auch in der Kategorie „Gastronomie“ fährt das Ehrenfelder Bezirkszentrum eine „1-2“ ein. Im Durchschnitt erreichen die Bezirkszentren nur eine „3“, in der „Freizeit und Kultur“-Kategorie gar nur ein „4-6“. Hier liegt nur die Südstadt gleichauf mit Ehrenfeld bei „1-2“.

Köln-Ehrenfeld: Besucher der Venloer Straße fühlen sich wohl

Deshalb wundert es nicht, dass man in Ehrenfeld am liebsten „mehrmals die Woche“ – 53 Prozent gegenüber 42 Prozent stadtweit – über die Venloer Straße geht, gern länger als zwei Stunden verweilt und dabei überdurchschnittlich oft mehrere Geschäfte besucht. Insgesamt fühlt man sich hier wohl: Das sagten 83 Prozent der Befragten, verglichen mit 66 Prozent im Durchschnitt der übrigen Bezirkszentren.

Der Gesamteindruck entspricht damit ganz den Erkenntnissen, die die Agentur „Stadt + Handel“ aus ihrer Befragung ableitet. Im Allgemeinen ist es gelungen, die Pandemie-Delle im Einzelhandel wieder auszugleichen. Eine hohe Aufenthaltsqualität und innovative Konzepte unterstützen diesen Trend, aber auch der Konkurrenz des Online-Handels können die Bezirkszentren so wirksam begegnen. Von den Passanten in Ehrenfeld gaben 74 Prozent an  (stadtweit durchschnittlich 44 Prozent), dass sie zwar auch online einkaufen, aber dennoch unverändert oft auf der Venloer Straße shoppen gehen.

Bemerkenswert ist auch, dass die Befragung im September und Oktober 2023 stattfand, am Ende des etwas chaotischen ersten Teils des Verkehrsversuchs auf der Venloer Straße also, der aber nicht Gegenstand der Fragen war. Die Passanten vergaben damals eine „Drei“ für die Erreichbarkeit der Straße mit dem Auto, ebenso für die Parkmöglichkeiten, was in beiden Fällen dem städtischen Durchschnitt entspricht.

Ende Oktober wurde die Venloer versuchsweise zur Einbahnstraße umgewidmet und einige Geschäftsleute prophezeien schon wieder ihren Untergang. Das sehen die Befragten anders: Sie bescheinigten der Straße, sie sei „zukunftsorientiert“ – in den anderen Bezirkszentren lag der Durchschnitt bei gerade 51 Prozent.

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