„Es wird immer schlimmer“Ehrenfelder Spielplatzpate klagt über Müllberge im Veedel

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Ein Mann mit Regenschirm steht vor einer Kletter-Rutsche-Kombination auf einem Spielplatz.

Antonio Pizzulli ist seit 25 Jahren Spielplatzpate an der Glasstraße in Ehrenfeld.

Seit 25 Jahren wacht Antonio Pizzulli über den Spielplatz an der Glasstraße. Die Menge an Müll nehme nach seiner Beobachtung stetig zu.

Wenn Antonio Pizzulli seine Runde über den Spielplatz macht, sammelt er Verpackungsreste, Zigarettenstummel und Glasscherben vom Boden auf. „Bierflaschen und Rauchen. Das gehört nicht auf den Spielplatz“, sagt der 63-Jährige. „Ich habe gehofft, dass es mit Corona besser wird. Aber im Gegenteil, es wird immer schlimmer.“ Seit 25 Jahren wacht Pizzulli als Pate über den Spielplatz an der Glasstraße. „Ich muss in dem Stadtteil, in dem ich wohne, etwas für meinen Stadtteil tun“, sagt er. 

Die Spielplatzpatenschaft ist ein Ehrenamt, unterstützt von der Stadt Köln. Pizzulli ist zwei Mal die Woche vor Ort. Er behält den Spielplatz im Auge, meldet Verschmutzungen und Schäden, sorgt dafür, dass die Besucher an die Regel halten. „Wenn man Regeln nicht respektiert, kommt das Chaos“, sagt er. Die Menschen, die ihren Müll hinterlassen, spricht er direkt an. Dabei scheut er keine Konflikten, bleibt freundlich. „Ich habe keine Probleme, da ich auch mit aggressiven Jugendlichen gearbeitet habe“, so Pizzulli. „Es gibt ein paar Leute, die positiv reagieren.“ Andere zeigen keinerlei Einsicht.

Ein Beet mit Narzissen ist an einer verkehrsberuhigten Straße.

Pizzulli bepflanzt und pflegt auch die Beete am Spielplatz.

Einmal habe er eine Anwohnerin gebeten, ihre Hunde nicht auf dem Spielplatz auszuführen. Im Sand spielen Kinder. Daraufhin habe sie die Salbeipflanze aus seinem Beet ausgegraben, das Pizzulli in der Nähe pflanzt und pflegt. Ein anderes Mal machte er einen Mann darauf aufmerksam, dass er seinen Sperrmüll nicht auf der Straße entsorgen könne. Der Mann wurde aggressiv und versuchte, ihn zu schlagen. Eine Gruppe Jugendlicher griff ein, die Pizzulli kannte. 

Blick auf zwei Bänke und einen Mülleimer, neben dem Verpackungen liegen.

Besonders betroffen vom wilden Müll sind der Bahnhof Ehrenfeld, die umliegenden Straßen und Spielplätze.

Seit 30 Jahren lebt er schon in Ehrenfeld. „Früher war es besser,“ sagt er. Besonders betroffen seien der Bahnhof, die umliegenden Straßen und Spielplätze. „Ich denke, es ist die Gesellschaft, die kaputt macht. Fernsehen abschalten, den Stadtteil wahrnehmen und mehr unter die Menschen gehen. Viele sind enttäuscht von der Politik. Mach kaputt, was dich kaputt macht, ist die Einstellung.“ Besonders die Gleichgültigkeit stört ihn: „Die Leute erwarten, dass jemand anderes das weg machen muss.“ Die Welt könne man nicht ändern, aber etwas vor seiner eigenen Haustür, so Pizzulli.

„Die Menge des entsorgten Litterings und die Meldungen hierzu sind in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Dies ist aber nicht nur in Ehrenfeld ein Problem, sondern auch in anderen Stadtbezirken existieren solche Hotspots“, erklärt ein Sprecher der Abfallwirtschaftsbetriebe Köln (AWB) auf Anfrage. Die Kosten für die Entsorgung steigen jährlich, mittlerweile liegen sie bei rund 13 Millionen Euro für die Stadt Köln.

Die Verwaltung arbeitet derzeit einen sogenannten „Masterplan Sauberkeit“ aus, in der sie Maßnahmen definieren, wie sich die Stadt sauberer gestalten lässt. Im Sommer 2023 organisierte die Stadt dazu verschiedenen Aktionen, an denen sich Bürger mit eigenen Ideen beteiligen konnten. Nun läge ein Entwurf vor, der verwaltungsintern abgestimmt werde, so eine Pressesprecherin der Stadt. Eine Beschlussfassung durch den Rat sei für die Junisitzung angestrebt. 

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