MoscheestreitWarum sich Ditib und Architekt nach zwölf Jahren einigen

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Die Zentralmoschee der Ditib in Ehrenfeld.

Die Zentralmoschee der Ditib in Ehrenfeld.

Mit einer außergerichtlichen Einigung zwischen der Türkisch-Islamischen Union und dem Architekten Paul Böhm geht ein langer Rechtsstreit zu Ende.

Rund ein Dutzend Jahre hat es gedauert, nun haben sich der Architekt der Zentralmoschee in Ehrenfeld, Paul Böhm, und die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) im sogenannten Moscheestreit außergerichtlich geeinigt. 2011 hatte die Ditib als Bauherrin dem Architekten wegen Baumängeln gekündigt.

Parallel zu diesem Verfahren gab es einen weiteren Rechtsstreit zu weiteren Baumängeln zwischen Ditib und der Rohbaufirma Nuha aus Düsseldorf. Im Juni 2022 hat das Oberlandesgericht Köln diesen mit einem Vergleich abgeschlossen. Diese Einigung war Grundlage dafür, dass frühere Vorwürfe gegenüber dem Büro von Paul Böhm ausgeräumt werden konnten. Ditib und Architekturbüro unterzeichneten eine schriftliche Vereinbarung, in der sie ihre bisherigen Meinungsverschiedenheiten einvernehmlich beilegten.

Beteiligung trotz Kündigung

„Der respektvolle Umgang auf Augenhöhe und der Wunsch beider Seiten, eine faire Lösung zu erzielen, hat uns zu dieser Einigung geführt“, erklärt Paul Böhm, der als Architekt der Zentralmoschee auch nach der Kündigung den Bau noch gestalterisch begleitete (siehe Chronik). Der Ditib-Vorsitzende Muharrem Kuzey erklärte, dass der Architekt ein über die Grenzen Deutschlands bekanntes, zukunftsweisendes Bauwerk entworfen und gebaut habe: „Der Wiedererkennungswert der Moschee ist beispielhaft.“


Chronik

2006 gewann Architekt Paul Böhm gemeinsam mit seinem Vater Gottfried Böhm, zwei Generationen der Kölner Kirchenbau-Familie, den Architektenwettbewerb für den Moscheenbau mit externer Jury. Nach langen Diskussionen über die Höhe der Minarette und einer Überarbeitung der Pläne erhielt die Ditib 2008 die Baugenehmigung von der Stadt Köln.

2009 fand die Grundsteinlegung für die Zentralmoschee und den neuen Sitz der Deutschlandzentrale der Ditib mit rund 2000 Gästen in Ehrenfeld statt. Die Bauzeit sollte gerade einmal zwei Jahre betragen. Die geplanten Kosten betrugen damals 17 Millionen Euro und die Eröffnung war für Mai 2012 angedacht.

2011 kam alles anders: Die Bauherrin warf dem Architekten mehr als 2000 Baumängel vor und kündigte dem Planungsbüro. Böhm warf der Ditib im Gegenzug Rufschädigung vor. Rund ein halbes Jahr später einigten sich die beiden nach einem Mediationsverfahren – geleitet durch den früheren Oberbürgermeister Fritz Schramma – darauf, dass Böhm den Bau weiterhin gestalterisch begleiten sollte. Der Streit um die Baumängel zwischen Ditib und Böhm, aber auch zwischen Ditib und der Baufirma Nuha aus Düsseldorf ging vor Gericht.

Eröffnung mehrmals verschoben

2017 nutzte die Ditib erstmals den großen Kuppelsaal während des Fastenmonats Ramadan. Die offizielle Eröffnung war immer wieder verschoben worden.

2018 eröffnete das türkische Staatsoberhaupt, Recep Tayyip Erdogan, die Moschee im Rahmen seines Staatsbesuchs in Deutschland. OB Henriette Reker erhielt keine Redeerlaubnis und sagte kurzfristig ihre Teilnahme ab. Der damalige NRW-Ministerpräsident Armin Laschet stand entgegen einer Ankündigung der Ditib, dass er mit Erdogan auftreten würde, nicht zur Verfügung.

2022 erklang am 14. Oktober erstmals der lang umstrittene Muezzin-Ruf an der Moschee. Im gleichen Jahr wird der Rechtsstreit mit der Firma Nuha beigelegt. Nun folgte die außergerichtliche Einigung mit dem Architekten Paul Böhm. Gottfried Böhm verstarb 2021.

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