„Im Hotel den Pokal vergessen“Bundestrainer Hansi Flick und Alfred Gislason im Doppel-Interview

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KVB UEFA EURO 2024 RheinEnergieStadion — Bundestrainer Flick und Gislason

Alfred Gislason haben die Spielbälle getauscht.

Die Bundestrainer Hansi Flick und Alfred Gislason trafen sich in Köln zum „EM-Gipfel“. Rundschau-Mitarbeiter Dierk Himstedt war dabei und hat mit ihnen gesprochen.

2024 wird für Köln das Jahr der Europa-Meisterschaften: Fünf Spiele der Fußball-Nationalmannschaft werden hier ausgetragen, bei den Handball-Männern die Hauptrunde und das Finale. Anlässlich dieser Großevents zeigten die Stadt Köln und die Kölner Verkehrsbetriebe gestern eine Bahn im EM-Design. Die ersten Fahrgäste waren die Bundestrainer der deutschen Mannschaften Hansi Flick und Alfred Gislason. Dierk Himstedt war mit dabei.

Kannten Sie sich schon vorher?

Hansi Flick: Persönlich haben wir uns heute erst kennengelernt. Aber wir haben im Vorfeld nett miteinander telefoniert und uns ein bisschen ausgetauscht.

Alfred Gislason: Es gibt ja einige gemeinsame Themen. Jeder Handballer ist auch Fußball-Fan. Und wir beide kennen Köln.

Herr Flick, Sie waren beim 1. FC Köln als Spieler aktiv Anfang der 90er Jahre. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Flick: Es waren ja nicht so viele Spiele, weil mein Körper leider den Belastungen nicht mehr standhielt und ich meine Karriere mit 28 Jahren beenden musste. Dann natürlich der Tod von „Mucki“ Banach. Wir hatten die schreckliche Nachricht beim Vormittags-Training nach dem tödlichen Unfall erfahren. Sehr traurig war das. Trotzdem hatte ich insgesamt eine schöne Zeit in Köln und wir waren damals auch eine tolle Mannschaft.

Sie wollten unbedingt unter Christoph Daum trainieren. Dazu kam es dann aber nicht.

Flick: Das stimmt. Mich haben seine Trainingsmethoden interessiert, die ja anders waren. Ich denke, er war da seiner Zeit voraus. Außerdem hatte er den Ruf, unglaublich gut motivieren zu können. Es hat mich gereizt, das als Spieler live mitzuerleben. Dass er dann vor meinem Start beim FC entlassen wurde, war natürlich Pech. Aber ich habe danach noch Kontakt zu ihm gehabt und ihn in seiner Trainerzeit in Istanbul in der Türkei mal besucht.

Herr Gislason, woran erinnern Sie sich, wenn Sie an Köln denken?

Gislason: Ich war von 2006 an knapp zwei Jahre in Gummersbach Trainer des VfL und war bei vielen Heimspielen in der Lanxess-Arena. Das waren immer tolle Erlebnisse in dieser Halle. Und wenn sie voll war, konnten wir diese unglaubliche Stimmung genießen.

Sie haben ja etwas gemeinsam: Sie haben beide außerhalb von Köln gelebt?

Gislason: Ich habe in der Nähe von Gummersbach gewohnt, weil dort natürlich das Training und die meisten Spiele stattfanden. Dennoch kenne ich Köln, manchmal habe ich mein Mountainbike geschnappt und bin die Strecke mit dem Rad gefahren.

Flick: Ich habe in Weilerswist gewohnt und war Nachbar von meinem Mitspieler Pierre Littbarski. Im Nachhinein hätte ich das vielleicht anders machen sollen, um Köln besser kennenzulernen. Aber die Fahrgemeinschaft mit „Litti“ war immer lustig.

Es soll da bei Ihnen im Garten auch mal eine legendäre Party gegeben haben.

Flick: Die gab es – direkt nach einem Spiel. Keine Details. Das war im Grunde auch meine Einstandsfeier, die ich damals schon länger angekündigt hatte.

Gislason: Mit einer Party kann ich auch dienen. Das war nach unserem Sieg in der Champions League mit dem THW Kiel. Da haben die Spieler es ordentlich krachen lassen und dabei vor der Rückfahrt mit dem Bus den Pokal vergessen. Wir mussten umdrehen. Gott sei Dank hat der betreffende Spieler den Pokal wiedergefunden.

Die Vorbereitungen zu den Europameisterschaften laufen bereits. Wie ist der Stand?

Gislason: Wir sind ja deutlich früher dran. Und bis zum Januar ist nicht mehr so viel Zeit. Wir haben bei der WM in diesem Jahr viel Selbstvertrauen gewonnen und gesehen, dass wir mithalten können. Nun hoffen wir, den nächsten Schritt zu machen und uns in der Defensive noch zu verbessern. Da haben wir sicher etwas Gemeinsames, Hansi.

Flick: Das stimmt. Aus der WM in Katar müssen wir lernen und uns verbessern. Sicher müssen wir an die Defensive ran und als gesamte Mannschaft besser verteidigen. Ein zweiter Punkt ist das Verwerten unserer Chancen. Wir waren bei den Spielen im Dezember zwar meist die überlegene Mannschaft, aber vorne nicht effektiv genug. Daran werden wir arbeiten.

Was sind denn jeweils die Stärken der deutschen Mannschaften?

Flick: Wir haben sehr viel Qualität. Wenn wir die im nächsten Sommer auf den Platz bringen, werden wir erfolgreich sein.

Gislason: Mich hat bei der WM vor allem unser Teamgeist beeindruckt. Der Zusammenhalt unter allen Spielern ist außergewöhnlich – auch bei Rückschlägen. Wenn wir das wieder abrufen und weiter an uns arbeiten, bin ich optimistisch.


„EM-Bahn“ kam überpünktlich um 11.08 Uhr

11 Uhr, die Sonne strahlt über dem Rheinenergie-Stadion, als Fußball-Bundestrainer Hansi Flick und Handball-Bundestrainer Alfred Gislason am gestrigen Dienstag durch das geräumige Marathontor treten. Eine große Traube Reporter und Fotografen bildet sich um die zwei Protagonisten. Schnell bekommen sie zwei Bälle mit EM-Logo in die Hände gedrückt und los geht das Blitzlichtgewitter, welches auch vom kurzen Weg zur Haltestelle für Sonderzüge nicht abebbt.

So präsentiert die KVB-Bahn die Handball-EM 2024.

So präsentiert die KVB-Bahn die Handball-EM 2024.

11.08 Uhr, die „EM- Bahn“ der Kölner Verkehrs Betriebe (KVB) hält überpünktlich vor dem Rheinenergie-Stadion. Geplante Einfahrt war 11.11 Uhr. Für die beiden Bundestrainer kommt die KVB ausnahmsweise mal zu früh als zu spät. Weiter geht das Getümmel um den besten Ausblick auf Flick und Gislason vor der Bahn. Im Namen von Oberbürgermeisterin Henriette Reker begrüßt Schul- und Sportdezernent Robert Voigtsberger die beiden Bundestrainer. Anlässlich der Fußball- und Handball-Europameisterschaften 2024, die unter anderem in Köln ausgetragen werden, präsentierte die Stadt Köln und die KVB eine Straßenbahn im Design der beiden Turniere. Als Glücksbringer überreichte Voigtsberger den beiden ein Bild vom Kölner Dom.

11.17 Uhr, die Jungfernfahrt startete etwas „rumpelig“ vom Rheinenergie-Stadion, dem Spielort der „UEFA EURO 2024“, zur Lanxess-Arena, wo die Handball-EM „Men’s EHF EURO 2024“ stattfinden wird. KVB-Vorstand Jörn Schwarze spricht seine Zufriedenheit über das Sport-Design der „EM“-Bahn aus und berichtet, dass die Bahn auch nach dem Ende der Fußball-EM 2024 noch weiter fahren wird.

11.30 Uhr, ein eher ungewohntes Bild: Die beiden Bundestrainer sitzen auf den blauen Plastiksitzen der KVB-Bahn, während Moderator Konstantin Klostermann den beiden Fragen zu den bevorstehenden Großveranstaltungen stellt. Klostermann thematisierte die Pläne der Bundestrainer für die kommenden EM-Spiele, die oft diskutierte Volksnähe in der Bundesliga sowie Parallelen zwischen Handball und Fußball. Locker und souverän beantworten die Trainer die Fragen Klostermanns, während die Bahn durch die Innenstadt zieht.

11.48 Uhr, über die Deutzer Brücke rollt die Stadtbahn mit ihren prominenten Gästen auf die Zielstation Lanxess-Arena zu. Die Bundestrainer freuen sich auf die Spiele in der Domstadt: „Die Mentalität der Kölner ist super. Es ist immer ein Erlebnis, hier zu sein“, sagt Gislason.

12.13 Uhr, etwas verspätet hält die Bahn an der Endstation, von wo aus es zum Abschluss zur Lanxess-Arena geht. (LV )

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