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Kölner Stadtrat
Grüne Lunge oder Wachstum? - Diskussion um Masterplan Stadtgrün

Lesezeit 3 Minuten
Köln ist deutlich grüner als andere deutsche Großstädte.

Köln ist deutlich grüner als andere deutsche Großstädte.

Der Stadtrat hat einen "Masterplan Stadtgrün" verabschiedet. Die strategischen Vorgaben im Kampf um die knappen Flächen bieten reichlich Diskussionsstoff.

Köln ist eine grüne Stadt, und das soll auch so bleiben. Bisher ist nur rund ein Drittel des Stadtgebiets, genauer gesagt 34,3 Prozent, versiegelt, also mit Beton, Asphalt oder Schotter bedeckt. Damit steht Köln besser da als   München (46,6 Prozent), Berlin (39,0) und Hamburg (36,2).

Innerer und äußerer Grüngürtel, Königsforst, Wahner Heide, Chorbusch, Worringer Bruch und zahlreiche andere Natur- und Freiflächen bilden die grüne Lunge Kölns, verbessern das Stadtklima, bieten wertvolle Lebensräume für Fauna und Flora und dienen den Kölnerinnen und Kölnern als vielseitiger Sport-, Freizeit- und Erholungsraum gleich vor der Haustür.

Grundlage für dieses einmalige Netz an Grün- und Freiflächen ist Fritz Schumachers Generalbebauungsplan aus den 1920er-Jahren. Doch die Stadt will wachsen, neue Wohnungen und Arbeitsplätze sollen entstehen. Der Druck auf die knapper werdenden Flächen wächst.

Projekt steht im Bündnisvertrag von 2021

In diesem Spannungsfeld hat der Stadtrat am Donnerstag auf Antrag von Grünen, CDU und Volt gegen SPD und FDP den „Masterplan Stadtgrün“ beschlossen. Er soll – rund 100 Jahre nach Schumacher – als „gesamtstädtische strategische Vorgabe zur Sicherung des Stadtgrüns und zur nachhaltigen Entwicklung der grünen Infrastruktur“ dienen. Dabei soll er wichtige Vorgaben „für künftige räumliche Planungen, Entwicklungen und Abwägung mit anderen Belangen, zum Beispiel für Bauleitpläne“ machen.

Es ist ein Projekt, das sich Grün-Schwarz-Lila in seinem Bündnisvertrag von 2021 vorgenommen hat. Bereits im September 2022 präsentierte Umweltdezernent William Wolfgramm dazu eine umfangreiche Beschlussvorlage. Das Grünflächenamt lieferte Übersichten und detaillierte Karten zur vorhandenen grünen Infrastruktur. Darunter ist eine Darstellung, die für Köln nicht nur die „immergrünen“ Bereiche benennt, die keinesfalls bebaut werden sollen, sondern auch das „Zukunftsgrün“ und „Potenzialgrün“.

In diesen Flächen sieht die Grünverwaltung „ein großes Potenzial in Hinblick auf eine ökologische, klimatische oder erholungsbezogene Aufwertung“ (Zukunftsgrün), respektive „potenzielle Vernetzungselemente“, deren klimatische Funktion „für das gesamtstädtische Klima dauerhaft zu sichern“ sei.

„Neubaugebiete als Zukunftsgrün angemalt“

Diese Aussagen riefen Handwerk, Gewerbe und Wohnungsbau auf den Plan. Ihre Sorge: Ein einseitiger Fokus auf Grünflächen werde weiteres Wachstum in der Stadt unmöglich machen. Angesichts der scharfen Kritik (siehe Info-Text) wurde der Masterplan nicht wie geplant im Februar, sondern wegen weiteren Beratungsbedarfs erst jetzt beschlossen. Und es wurde noch einmal darauf hingewiesen, dass der Entwurf weder Flächennutzungs- noch Bebauungspläne „übertrumpfe“ und auch nicht rechtsverbindlich sei, sondern Teil künftiger Abwägungsprozesse sein soll.

Mit dem vorgelegten Masterplan könne man das Stadtgrün „endlich konsequent erfassen, schützen und erweitern“, sagte Sabine Pakulat (Grüne). „Er ist ein wesentliches Instrument, um den Wohnungsbau, Soziales, Gewerbe und Klimaschutz in Einklang zu bringen.“ Der Plan sei aber „nur der Anfang“ und müsse nun auf bezirklicher Ebene weiter ausgearbeitet werden.

SPD: Masterplan enthält Fehler

Niklas Kienitz (CDU) betonte angesichts der Irritationen um den Masterplan, das Bündnis habe bereits mit seinem Beschluss zum Regionalplan im Juni 2022 ein Bekenntnis zu einer weiter wachsenden Stadt abgegeben. Man habe Potenzialflächen für 50.000 neue Wohnungen und 50.000 neue Jobs benannt.

Mike Homann (SPD) kritisierte, das vorgelegte Papier sei „eine Analyse von Grünflächen mit Handlungsempfehlungen“, aber noch kein Masterplan, sondern nur ein erster Schritt. Es enthalte zudem Fehler, denn manche dort als Grün ausgewiesene Flächen seien längst bebaut.

Ralph Sterck (FDP) hielt dem Bündnis vor: „Sie haben aus dem Regionalplan Wohnungen für 50.000 Menschen für die nächsten 25 Jahre gestrichen.“ Neubaugebiete wie Zündorf Süd und Wahn West seien als Zukunftsgrün „angemalt“ worden. Eine solche Politik treibe die Menschen ins Umland und führe damit zu noch mehr Pendlerverkehr mit all seinen Problemen.