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ADFC präsentiert„Skyride“Für Radfahrer soll am Rhein ein separater Weg gebaut werden

Lesezeit 4 Minuten
Zukunftsvision für die Altstadt: Der Radweg „Skyride“ führt auf Stelzen in rund fünf Metern Höhe am Rhein entlang und teilweise durch den Rheingarten. Fußgänger- und Fahrradverkehr werden baulich voneinander getrennt.

Zukunftsvision für die Altstadt: Der Radweg „Skyride“ führt auf Stelzen in rund fünf Metern Höhe am Rhein entlang und teilweise durch den Rheingarten. Fußgänger- und Fahrradverkehr werden baulich voneinander getrennt.

  • Das Altstadtufer ist immer voll von Fahrradfahrern und Fußgängern, was nicht selten zu Konflikten führt
  • Der ADFC hat deswegen ein Konzept für einen Radweg auf Stelzen vorgelgt
  • Wir erklären, wie dieser Weg aussehen soll, wo er langführt und was das Projekt kosten soll

Köln – Das Altstadtufer am Dom zwischen Hohenzollernbrücke und Deutzer Brücke zählt zu den prominentesten Bereichen der Stadt, es wird täglich von Tausenden Menschen und Touristen aus aller Welt besucht.

Weil es dort immer wieder zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern kommt, hat der Kreisverband Köln des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) eine Vision für eine getrennte Verkehrsführung von Radfahrern und Fußgängern entwickelt. Unter dem Arbeitstitel „Skyride“ möchte der ADFC einen Hochradweg auf Stelzen entlang des Rheins führen – rund fünf Meter breit und in zwei Richtungen befahrbar. Vorbild sind innovative Radprojekte, wie sie in jüngster Zeit etwa in Kopenhagen realisiert wurden (siehe Kasten).

Vorbilder aus anderen Städten

Weltweite Resonanz bekam die dänische Hauptstadt Kopenhagen für das 2014 fertiggestellte Projekt „Fahrradschlange“ (Cykelslangen) – ein 230 Meter langer Hochradweg über das innere Hafenbecken.

Bereits 2012 wurde in Eindhoven (Niederlande) der Hovenring eröffnet – ein erhöhter Kreisverkehr für Radfahrer, unter dem die Autos durchfahren. Typische Unfälle etwa beim Rechtsabbiegen werden so vermieden. Rosafarben und nachts bunt beleuchtet ist der „Lightpath“ in Auckland (Neuseeland) von 2015, für den eine ehemalige Autobahnrampe umgenutzt wurde. In Xiamen (China) entstand 2017 der „Bicycle Skyway“ – mit 7,6 Kilometern längster Stelzen-Radweg der Welt. In Wuppertal gibt es mit der Nordbahntrasse einen 22 Kilometer langen Radweg auf einer alten Eisenbahnstrecke. (fu)

Klare Trennung von Fußgänger- und Radverkehr

„Die aktuelle Situation in diesem hochfrequentierten Bereich ist weder für Fußgänger noch für Radfahrer akzeptabel. Mit unserem Konzept ließe sich hier eine zukunftsweisende Lösung zur Stärkung nachhaltiger Mobilität etablieren“, erklärt ADFC-Vorstand Christian Hölzel. Das Altstadtufer sei Teil des Rheinradwanderwegs, es werde von zahlreichen Alltagsradlern und Fahrradtouristen genutzt, trotzdem handele es sich bei dem mehr als einen Kilometer langen Abschnitt um eine Fußgängerzone. Hier sind Radfahrer zwar geduldet, doch bei nicht angepasster Geschwindigkeit kann es schnell zu brenzligen Situationen kommen, etwa wenn kleine Kinder plötzlich loslaufen.

„Unser Konzept setzt auf eine klare Trennung von Fußgänger- und Radverkehr. Es bietet Fußgängern mehr Raum und mehr Sicherheit, während man mit Fahrrad und Pedelec den Bereich wesentlich zügiger durchqueren könnte als bisher. Wir möchten mit dieser Vision Denkanstöße dafür liefern, wie eine Mobilität der Zukunft in der Stadt aussehen könnte“, so Hölzel.

Auch Verbindung mit Deutzer Brücke geplant

Die Idee stammt von Rainer Evertz (49), er ist Architekt, begeisterter Radfahrer und aktives Mitglied im ADFC. Sein Konzept setzt auf eine helle, filigrane Stahlkonstruktion mit schlanken Geländern und breiten Handläufen mit integrierter Beleuchtung. Die Fahrbahn ruht auf Stahlstützen, die in weitem Abstand von 18 Metern stehen.

Die Trasse soll entlang des Rheinufers und ab der Salzgasse durch den südlichen Teil des Rheingartens verlaufen. „Über Rampen geht es hinauf in bis zu fünf Meter Höhe. Dank flexibler Linienführung werden die alten Platanen nicht beeinträchtigt, man fährt an den Baumkronen vorbei“, erläutert Evertz. Nördlich der Hohenzollernbrücke soll über Rampenbauwerke eine direkte Verbindung zum Breslauer Platz/Hauptbahnhof und zum Radweg an der Nordseite der Brücke nach Deutz geschaffen werden. Auch die Deutzer Brücke soll an den „Skyride“ angeschlossen werden.

Projekt könnte um die 35 Millionen Euro kosten

Doch der ADFC möchte nicht nur die Verkehrsströme am Altstadtufer entzerren – eine Situation, die Verkehrsdezernentin Andrea Blome selbst als „heilloses Durcheinander“ beschrieben hat. „Wir wollen auch den Fußgängern generell mehr Raum geben“, so Evertz. Er möchte vor dem Pegelturm und dem Kiosk der Köln-Düsseldorfer die Promenade vergrößern. Dort befindet sich eine so genannte „Kragplatte“ – eine Betonkonstruktion, die in den Rhein hineinragt und so marode ist, dass sie ohnehin komplett neu gebaut werden muss. „Man könnte hier Aussichtsplattformen errichten, auf denen die Menschen ein Stück über den Fluss spazieren können. Das würde zur Attraktivierung des Rheinufers beitragen.“

Der Plan wäre nicht ganz billig. Auf Basis des Projekts „Fahrradschlange“ in Kopenhagen hat Evertz eine grobe Kostenschätzung von 35 Millionen Euro ermittelt – ohne die Plattformen. Im Vergleich zu Straßenbauprojekten sei dies aber eine überschaubare Investition, für die es Fördermittel geben könnte.

Vision, die über Farbmarkierungen hinausgeht

Doch Geld ist nicht das einzige Problem. Neben technischen Fragen wäre zu klären, ob ein solches Projekt im Herzen der Altstadt machbar wäre, ohne den Status des Doms als Unesco-Weltkulturerbe zu gefährden. Oder was der Architekt des Rheingartens dazu sagt.

Die Pläne der Verwaltung sehen bislang vor, das Altstadtufer mit verschiedenen Sorten Basaltpflaster in eine „Verweilzone“ am Wasser, eine „Transitzone“ in der Mitte und eine „Ruhezone“ aufzuteilen, um die Konflikte zu minimieren. Die Umsetzung soll Anfang 2020 südlich der Deutzer Brücke starten, nördlich davon geht es frühestens 2022 los. Außerdem lässt die Stadt derzeit eine provisorische Fahrradrampe von der Hohenzollernbrücke zum Breslauer Platz planen. Über diese Projekte geht die Vision des ADFC weit hinaus. „Wir wollen damit eine Diskussion anstoßen und wünschen uns von der Stadt mehr Mut für Ideen, die über bloße Farbmarkierungen hinausgehen“, so Hölzel.

Die ADFC-Vision des Hochradwegs „Skyride“ gibt es auch als Video unter http://bit.ly/skyride-koeln

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