KölnVHS-Dozenten verdienen viel weniger als fest angestellte Lehrer

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Bildung zum Billigtarif? Honorarlehrkräfte von VHS und Rheinischer Musikschule demonstrierten für bessere Bezahlung.

Bildung zum Billigtarif? Honorarlehrkräfte von VHS und Rheinischer Musikschule demonstrierten für bessere Bezahlung.

Köln – „So arbeiten zu müssen, ist frustrierend. Man kann überhaupt nicht für die Zukunft planen. Und eine Familie zu gründen – daran ist gar nicht zu denken. Kinder kann ich mir im Moment einfach nicht leisten.“ Wenn Angelika Böhrer (36) über ihre berufliche Situation spricht, wird schnell deutlich, dass prekäre Arbeitsverhältnisse auch unter gut ausgebildeten Akademikern keine Seltenheit sind.

Böhrer arbeitet als Honorarlehrkraft an der Volkshochschule – und muss sich vorkommen wie eine Lehrerin zweiter Klasse. Gemeinsam mit Dutzenden anderer Betroffener demonstrierte sie gestern auf dem Alter Markt für eine gerechtere Honorierung freiberuflicher Lehrkräfte.

Krankheit und Ferien bedeuten Verdienstausfall

Denn die verdienen in der Regel nicht mal halb so viel wie fest angestellte Lehrer an öffentlichen Schulen, obwohl auch sie einen wichtigen Bildungsauftrag erfüllen und vergleichbare Qualifikationen haben. Böhrer unterrichtet Deutsch als Fremdsprache im Rahmen der vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Integrationskurse. Ein Gehalt gibt es dafür nicht, nur ein Honorar für jede gehaltene Unterrichtsstunde. 35 Euro sind es bei Integrationskursen, bei vielen anderen VHS-Angeboten aber nur 20 bis 23 Euro. „Vor- und Nachbereitung werden nicht bezahlt, Krankheit oder Ferien bedeuten Verdienstausfall, Mutterschutz und Mitbestimmungsrechte gibt es nicht. Und von den geringen Honoraren müssen wir auch noch die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung bezahlen“, listet Böhrer auf. Rund 900 Honorarkräfte arbeiten bei der VHS Köln, ihre Verträge laufen teilweise nur über wenige Wochen.

An der Rheinischen Musikschule sei die Lage ähnlich prekär, berichtet Klavierlehrer Wolfgang Ruland (30). Von den rund 350 Kollegen seien zwei Drittel Honorarlehrkräfte, Tendenz steigend. Angesichts des geringen Stundenhonorars und einer Kündigungsfrist von einem Monat sei die Lage für viele Musiklehrer „trostlos“. „Man möchte langfristig mit den Schülern arbeiten, hat aber selbst keine Sicherheit.“

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