Studie für RadschnellwegeKöln will weitere „Rad-Pendler-Routen“ vorantreiben

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Eine Frau fährt mit ihrem Fahrrad durch einen Park.

Autofahrer sollen überzeugt werden, ihr Auto stehenzulassen. (Symbolbild)

Köln hat eine Studie in Auftrag gegeben zur Umsetzung von schnellen Rad-Pendler-Routen in die Region.

Wie kann die Stadt Köln Pendler überzeugen, das Auto stehen zu lassen und auf das Fahrrad zu wechseln? Möglicherweise ist der bereits seit einigen Jahren in Bund und Ländern angestoßene Plan der Einrichtung von sogenannten „Rad-Pendler-Routen“ die Lösung. Machen wir es konkreter: Für Radfahrer in Köln und der Region werden Pendler-Routen in die Kölner Innenstadt eingerichtet, auf denen „Fahrrad first“ gilt, mit breiten Radwegen, auf denen man andere problemlos überholen könnte, ohne auf herannahende Autos achten zu müssen. Die Stadt Köln ist von dieser Idee überzeugt und will das Thema mit Hilfe einer in Auftrag gegebenen Studie für Radschnellverbindungen (siehe Text am Seitenende) vorantreiben.

Rückblick: Der Radschnellweg zwischen Köln und Frechen ist 2013 als eines der fünf Siegerprojekte des landesweiten Planungswettbewerbs für Radschnellverbindungen in Nordrhein-Westfalen (NRW) ausgewählt worden. Mit der Realisierung dieses geplanten Radschnellwegs soll es künftig möglich sein, die 8,4 Kilometer lange Strecke zwischen der Kölner Innenstadt und Frechen innerhalb von rund 20 Minuten mit dem Fahrrad zurückzulegen.

Weitere Pilotstrecken nun auch im Linksrheinischen

Im Rechtsrheinischen wurden in Zusammenarbeit mit den Städten Leverkusen und Bergisch Gladbach sowie dem Rheinisch-Bergischen Kreis (Rösrath) und dem Rhein-Sieg-Kreis (Niederkassel, Troisdorf) leistungsfähige Rad-Pendler-Routen konzipiert. Hierfür laufen derzeit die Planungen. Nun kommen, wie die Stadt Köln am Montag mitteilte, auch im Linksrheinischen, in Richtung Rhein-Erft-Kreis (Wesseling, Pulheim) und Dormagen, weitere Pilotkorridore für das geplante Rad-Pendler-Routen-Netz Köln hinzu.

Mit diesen Aktivitäten folgt die Stadt Köln internationalen Vorbildern wie Kopenhagen, London und Wien. Der Ausbaustandard für Rad-Pendler-Routen entspricht den „Hinweisen für Radschnellverbindungen und Radvorrangrouten“ der von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen im Jahr 2021 definierten Standards. Dabei geht es zum Beispiel um Kriterien wie Breite der Radwege, direkte Linienführung, möglichst wenig Steigungen, Sicherheit auch bei höherem Tempo, geringe Schnittstellen mit anderen Verkehrsarten oder gute Erkennbarkeit der Radwegführung.

Aktuell haben die beauftragten Planungsbüros von ursprünglich 25 Routen-Varianten 18 herausgearbeitet (siehe Karte), weil bereits zu diesem Planungszeitpunkt schon klar sei, so das Ergebnis der Konzeptstudie von August diesen Jahres, dass in einigen Korridoren die „Premium-Radschnellverbindung“ nicht umsetzbar ist wegen „zu schmaler Straßenbreiten, des Erhalts von Baumbestand oder des Raumbedarfs des vorhandenen ÖPNV“. Sieben Korridore haben es nach der Studie auf die höchste Prioritäten-Ebene geschafft, darunter die Korridore nach Frechen-Königsdorf (1), Bergisch Gladbach (18) sowie nach Widdersdorf (2), Pulheim (3), Dormagen (6), Hürth (9) und über den linksrheinischen Äußeren Gürtel (20). Diese Strecken zeichnen sich zum einen durch eine hohe erwartete Auslastung aus, wie beispielsweise bei der Trasse über den äußeren Gürtel (ermitteltes Potenzial von rund 20.000 Radfahrern pro Tag), nach Frechen (rund 10.000) oder Bergisch Gladbach (rund 8000). Und zum anderen werden hier weniger hemmende Hindernisse beim Ausbau erwartet (Ausnahmen bilden die Trassen „Äußerer Gürtel“ und nach Hürth).

Rund 382 Millionen Euro sollen Maßnahmen kosten

Auf circa 42 Kilometer der für die neuen Pendlerrouten geplanten Gesamtstreckenlänge von rund 200 Kilometer sollen laut der Studie neue Fahrradstraßen eingerichtet werden, auf denen Radfahrer Vorrang haben. Eine Herausforderung werden die Knotenpunkte mit anderen Verkehrsteilnehmern sein. Denn nach der Studie ist ein wichtiges Ziel, die Wartezeiten für die Radfahrer so kurz wie möglich zu halten. Daher sollen Strecken ausgesucht werden, wo auch an Kreuzungen Lösungen möglich sind, Radfahrern Vorfahrt vor dem Auto- und Fußgängerverkehr zu gewähren.

Die Gesamtkosten zur Realisierung der 18 Korridore wird in der Studie auf etwa 382 Millionen Euro geschätzt. Wann die Baumaßnahmen für die Rad-Pendler-Routen beginnen, beziehungsweise abgeschlossen sein sollen, darüber machte die Stadt Köln keine Angaben.


Studie für Köln

Die Stadt Köln hat eine so genannte „Konzeptstudie für Radschnellverbindungen“ durch das Kölner Stadtgebiet in Auftrag gegeben. Diese Studie verfolgt laut der Stadt folgende Ziele: Zum einen soll ein Netz von Rad-Pendler-Routen definiert werden. Zudem soll eine Einschätzung für die Umsetzbarkeit der Routen im Stadtgebiet erfolgen. Die Studie soll Grundlage sein für die dann folgende Auswahl von Pilotstrecken. (dhi)

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