Trotz WiderstandMann in Köln lernt Deutsch, arbeitet, zahlt Steuern – und wird abgeschoben

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Najib Ramz, Susanna Zeltinger, der betroffene Fazal Rabi Rahimzai und 'Foodangels'-Betreiber Mazlom Sediqi stehen vor dem Restaurant „Foodangels“ in Köln.

Gemeinsam gegen die Abschiebung: Najib Ramz, Susanna Zeltinger, der betroffene Fazal Rabi Rahimzai und „Foodangels“-Betreiber Mazlom Sediqi

Fazal Rahimzai hat fünf Jahre in Köln gelebt, das Restaurant „Foodangels“ mitaufgebaut und Deutsch gelernt. Trotz Protest wurde er nun abgeschoben – und will doch wieder nach Köln zurückkommen.

Der große Einsatz des Nachbarschafts-Bündnisses vor Ort, das sich für ein Bleiberecht von Fazal Rabi Rahimzai engagiert, hat (vorerst) nichts genützt: Trotz aller Bemühungen und Appelle an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), den gut integrierten gebürtigen Afghanen, der bis zuletzt im Restaurant „Foodangels“ am Rande der Hochhaussiedlung Etzelstraße arbeitete, eine Bleibe-Perspektive zu ermöglichen, blieben die Entscheidungsträger hart.

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Nachdem Mitte September sein Asylantrag in Deutschland abgelehnt worden war und einige Tage später Vertreter des Hauptzollamts in den Laden kamen, um ihn zum Verlassen des Landes aufzufordern, verließ er Ende November Deutschland. In Richtung Frankreich, sein Erst-Aufnahmelandes in der EU.

Rahimzai spricht nahezu kein Französisch. Aber während seiner fünf Jahre in Deutschland er sich gute sprachliche Grundkenntnisse angeeignet, sich bestens integriert und ist für den Restaurantbetrieb äußerst schwer zu ersetzen.

Nie hat er sich während seiner Jahre in Köln etwas zuschulden kommen lassen; er zahlte Steuern und hat zusammen mit Betriebsinhaber Mazlom Sediqi den Laden über die Jahre aufgebaut. Inzwischen wertet der Betrieb mit seiner gepflegten Terrasse das Umfeld deutlich auf.

Fazal Rahimzai: „Ich werde irgendwann zurückkommen“

Doch offenbar gab es für die Behörden kein dringenderes Anliegen in der Republik, als den völlig integrationsfähigen und -willigen 36-Jährigen endlich außer Landes zu bekommen. Am letzten Abend vor seiner erzwungenen Abreise in Richtung Frankreich traf er sich zum Gespräch mit unserem Reporter.

Die Stimmung war – natürlich – getrübt. „Irgendwann werde ich zurückkommen“, schätzte Rahimzai es selbst ein. Doch zunächst muss er sich in seinem neuen, alten Gastgeberland zurechtfinden.

„Fazal hat inzwischen hinter Saarbrücken die deutsch-französische Grenze überschritten; zunächst ging es für ihn in seine alte Unterkunft in Clermont-Ferrand“, sagt Susanne Zeltinger, die Mitstreiterin des Aktionsbündnisses vor Ort ist und weiterhin mit ihm in Kontakt bleibt.

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In der Regionalmetropole im französischen Zentralmassiv, nahe der geografischen Mitte des Landes, fand er vor vielen Jahren erstmals Quartier. „Zwischenzeitlich war er in Paris bei einem Verwandten“, sagt Zeltinger.

Ein weiteres Problem: Auch sein Aufenthaltsstatus in Frankreich scheint momentan ungeklärt, sagt Zeltinger: „In seiner alten Unterkunft in Clermont-Ferrand konnten sie keine Unterlagen mehr von ihm finden.“

Inzwischen ist man auch in Frankreich mit Rechtsanwälten in Kontakt, die versuchen, eine Lösung für ihn zu finden. Etwas Hoffnung macht auch das zuletzt debattierte und am 2. Dezember vom Bundestag beschlossene „Chancen-Aufenthaltsrecht“ für langjährig geduldete, integrierte und rechtschaffene Flüchtlinge – eben Menschen wie Rahimzai.

Er floh einst vor dem Terror der Taliban in seinem Heimatland, durch den er als früherer Militärpolizist, der mit den US-Streitkräften zusammengearbeitet hatte, besonders gefährdet war. Ob auch er im Nachhinein von dieser Tätigkeit profitieren kann, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch völlig offen.

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