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NS-Dok Ausstellung in Köln erinnert an Verfolgung von Sinti und Roma

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Der alte Oberlichtwagen dient als Ausstellungsraum. 

Köln – Das gab es noch nie am NS-Dokumentationszentrum. Vor dem EL-DE-Haus am Appellhofplatz ist ein prächtiger Oldtimer-Wohnwagen Baujahr 1958 derzeit die Attraktion. Das schmucke Mobil wird bis 26. Juni eine „Ge-Denk-Station“ sein, die unter dem Titel „Klänge des Lebens. Geschichten von Sinte*zze und Rom*nja“ die Kultur von Menschen würdigt, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden.

Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, in dem Oberlicht-Wagen mit Café-Charme Fotos von früher zu betrachten, Nachrichten und Biografien in Gazetten zu lesen oder an der Medienstation authentische Zeitzeugen-Berichte zu hören.

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Bis zum 26. Juni wird der Waggon als „Ge-Denk-Station“ an die Kultur der Sinti und Roma am El-De-Haus stehen. 

Wagen und Geige als Symbol für den Verlust

Dass die Ausstellung nicht im Inneren des NS-Dok-Zentrums stattfindet, sondern in einem Wagen, der einst über die Straßen Europas rollte, ist Ausdruck der Begegnung mit der Sinti- und Roma-Kultur auf Augenhöhe.

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Der Wagen und die Geige, die in weißem Transparentpapier nachgebaut unter dem Dach hängt, sind Symbole für den materiellen und kulturellen Verlust, den der bekannte Kölner Musiker Markus Reinhardt so erklärt: „Die Nazis nahmen unseren Vorfahren allen Besitz weg. Was nicht mehr wertvoll war, verbrannten sie.“

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Spurensuche: Krystiane Vajda und Markus Reinhardt. 

Sechs der zwölf Kinder seines Großvaters wurden im Konzentrationslager Auschwitz erschlagen oder vergast; die Überlebenden handeln bis heute im Sinne seines Auftrags: „Alle, die lebend herauskommen, treffen sich in Köln.“

Begleitprogramm

Sonntag, 12. Juni, 17 Uhr: Menni Schwarz, Überlebender und Aktivist, im Gespräch mit Krystiane Vajda, Präsentation des Films „Auf Spurensuche der Sinti und Roma“.

Donnerstag, 16. Juni, 17 Uhr: Requiem für Auschwitz/Schattenkinder, Musik und Prosa aus der zweiten Generation der Überlebenden, Roger Moreno und Bluma Meinhardt im Gespräch mit Krystiane Vajda

Sonntag, 19. Juni, 17 Uhr: Marienprozession (Start an St. Maria in der Kupfergasse), junge Sinti lesen aus Briefen von Verfolgten im Hof des EL-DE-Hauses, Abschluss mit Musik am Oberlichtwagen von von Markus Reinhardt und Janko Wiegand.

Sonntag, 26. Juni, 17 Uhr: Tag der Jugend, Podiumsgespräch mit Nachfahren aus drei Generationen, Musik vom Grancino-Reinhardt-Quintett. (uwe)

Auf der rekonstruierten Route, die Überlebende zu Fuß von Auschwitz nach Köln zurücklegten, war eine Wagentour geplant, die wegen Corona verschoben werden musste. Viele Unterstützer des Vereins „Maro Drom – Kölner Sinte und Freunde“ wollten mitreisen, darunter die Bigband des Gymnasiums Kerpen. Die Absage vergrößerte Reinhardts Angst, dass seine Kultur allmählich in Vergessenheit gerät. „Unsere Sprache Romanes hat keine Schriftsprache, die Alten sind unsere Bücher, deshalb stirbt mit ihnen auch unsere Geschichte“, erläutert der Musiker. Daher sei es schwierig, die Geschichte in Büchern festzuhalten; bisherige Veröffentlichungen sind von „gadje“, Nicht-Roma und Nicht-Sinti, verfasst. Damit die mündlichen Überlieferungen nicht verloren gehen, machte sich Reinhardts Lebensgefährtin Krystiane Vajda, eine „gadji“, auf, das Vertrauen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu gewinnen, um ihre Lebensgeschichten in 25 Videos zu bewahren.

Die Ausstellung im Oberlichtwagen vor dem NS-Dokumentationszentrum, Appellhofplatz 23-25, ist dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt frei.