Kunstfälschen im KI-Zeitalter„Eigentlich ist es doch egal, wer die Bilder malt“

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Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi im Gespräch mit Philosoph René Scheu.

Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi im Gespräch mit Philosoph René Scheu.

Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi spricht auf der Phil.Cologne über Künstliche Intelligenz und ihre „Reaktion“ auf Werke berühmter Maler.

Eigentlich hätte dieser phil. Cologne Abend in der Comedia sehr kurz sein können. „Kunst und Kunstfälschen im Zeitalter der KI“, war er überschrieben und sollte sich der Frage widmen, wie es um den Begriff des „Originals“ bestellt ist, wenn KI-Generatoren auf Anweisung jederzeit Kunstwerke jeglichen Stils, jeglicher Form und Komplexität ausspucken können. Mit der knappen Antwort rückt Wolfgang Beltracchi erst kurz vor dem Ende der Veranstaltung und eher nebenher heraus.

Etikettenschwindel

Das Problem ist gar keines, denn: „Alles Etikettenschwindel, die KI verfügt nicht über Intelligenz.“ KI mit schauerlichen Ergebnissen Da mochte sich der Verdacht aufdrängen, der „Jahrhundertfälscher“, wie der Philosoph René Scheu seinen Gesprächspartner vorgestellt hatte, wolle sich nicht ins Handwerk pfuschen lassen. Allerdings bewiesen die gezeigten Variationen, die das „Tool“ Midjourney von Werken Raoul Dufys oder Max Beckmanns kreiert hatte, zur Genüge, dass die Bemühungen der KI zuweilen schauerliche Ergebnisse zeitigen. Bislang, so Beltracchi, bastele sie lediglich aus einem Fundus von Millionen Online-Bildern neue Kombinationen zusammen. Sie aber sei nicht in der Lage, die „Handschrift“ eines Künstlers zu erkennen, geschweige denn, diese zu imitieren.

Mit einem Blick zu entziffern, wie ein Maler vorgegangen ist, ob er rasch oder bedächtig, mit leichtem oder festem Strich gearbeitet hat, und dann in diesem Stil ganz neue Arbeiten zu kreieren, sei aber seine eigentliche Qualifikation, so Beltracchi. Kopiert hat er ja nie, sondern stets Neues im Geiste von Malern wie Max Ernst, Heinrich Campendonk oder Max Pechstein geschaffen, die Arbeiten mit deren Unterschriften versehen und damit Sammler und Museen genarrt. „Eigentlich ist es doch egal, wer die Bilder malt“, sagt der Fälscher verschmitzt lächelnd. Die hat er für Millionenbeträge verkauft, was ihm 2011 eine sechsjährige Haftstrafe eintrug.

Beliebtes Schlitzohr

Aber das Publikum in der Comedia liebt das Schlitzohr, das den elitären Kunstmarkt samt seinen Experten ordentlich vorgeführt hatte. Deshalb geht es an diesem Abend auch nicht um die KI, sondern vor allem um Wolfgang Beltracchi. Für den ist das Wesen der Kunst rasch umrissen: Handwerkliches Können plus solide Kenntnis und kreative Verarbeitung der Kunstgeschichte. Ein etwas altbackener Ansatz, bei dem sogar da Vinci wegen mangelnden malerischen Talents beinahe durchfällt, Picasso ist der Leitstern, Damien Hirst eine glatte Null. Beim Namen Beuys immerhin zögert Beltracchi – die Kreativität sei ja da, aber eben auch das Unvermögen. Schuld an allem ist der Kunstmarkt, bei dem es nur um das schnelle Geld geht, nicht um Qualität.

Insgesamt stimmt der Blick auf die aktuelle Kunstszene Wolfgang Beltracchi nicht gerade zuversichtlich: „Da gibt es keine Entwicklung nach oben, das sind eher Seitwärtsbewegungen.“

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