Abo

Ab sofortErstes Badeparadies verbietet Sonnencreme – was Urlauber wissen müssen

Lesezeit 3 Minuten
Neuer Inhalt

Nicht alle Sonnencremes sind gut für die Umwelt.

Koror – Wer Urlaub am Strand macht, der braucht nicht viel. Badesachen, Handtuch, Sonnencreme und ab ans Meer. In einigen Badeparadiesen wird das aber bald komplizierter. Mit dem Pazifikstaat Palau hat das erste Land viele Sonnencremes verboten, weitere Touristenziele wie Hawaii oder die Stadt Key West in Florida werden nachziehen. Der Grund: Einige in vielen Sonnenschutzprodukten enthaltene Substanzen stehen im Verdacht, Korallenriffe, Fische und andere Meereslebewesen zu gefährden.

Stoffe, deren Namen in diesem Zusammenhang immer wieder fallen, sind Oxybenzon, das in über 3500 Sonnenschutzmitteln weltweit enthalten ist, und Octinoxat. Erstgenanntes ist in der EU bereits verboten. Doch auch das hierzulande häufig verwendete Octocrylen kann Meeresbewohner schädigen. Schätzungsweise 14.000 Tonnen Sonnencreme landen pro Jahr in den Ozeanen, die genannten Substanzen können dort großen Schaden anrichten. Laut der „Internationalen Korallenriff-Initiative“ gibt es mehr als ein Dutzend wissenschaftliche Arbeiten, die die Gefährlichkeit von Oxybenzon und auch anderen Stoffen belegen. So könnten diese die Fruchtbarkeit von Fischen senken, die Bleiche von Korallen fördern und somit zu deren Absterben führen.

Einfuhr, Produktion, Kauf und Verkauf verboten

Zwar sind die Auswirkungen der Substanzen noch nicht vollständig erforscht. Trotzdem hat Palau nun reagiert. Schon 2018 wurde das sogenannte Gesetz zur verantwortungsvollen Tourismuserziehung beschlossen, am Neujahrstag 2020 trat es in Kraft. Seitdem sind Einfuhr, Kauf und Verkauf sowie die Produktion von Mitteln, in denen Oxybenzon, Octinoxat oder Octocrylen enthalten sind, verboten. Auch Enzacamen, Triclosan, Methylparaben, Ethylparaben, Butylparaben, Benzylparaben und Phenoxyethanol stehen auf der Liste. Das bedeutet, dass Urlauber sich schon bei der Einreise mit einer falsch gepackten Tasche strafbar machen können. Wer gegen das neue Gesetz verstößt, muss mit einer Geldstrafe von umgerechnet fast 900 Euro rechnen. „Wir müssen die Umwelt respektieren, denn die Umwelt ist der Ursprung des Lebens und ohne sie kann in Palau niemand überleben“, sagte Präsident Tommy Remengesau.

Sein Land könnte mit diesem Schritt Vorreiter werden. Denn andere Badeparadiese ziehen nach. Auch auf der Karibikinsel Aruba sind bestimmte Sonnenschutzmittel seit dem Jahreswechsel verboten. Die Jungferninseln haben die Einfuhr von Sonnencremes mit Oxybenzon, Octinoxat oder Octocrylen bereits zum dem 30. September des vergangenen Jahres untersagt. Ab dem 30. März 2020 werden dann auch der Verkauf, der Besitz und die Verwendung strafbar sein.

Andere Regionen ziehen nach

Auch auf dem Festland und anderen US-Inseln wurde bereits reagiert. Auf Hawaii werden Sonnencremes mit Oxybenzon oder Octinoxat ab dem 1. Januar 2021 nicht mehr verkauft, für die Stadt Key West in Florida gilt dasselbe. Das vor der Stadt gelegene Florida Reef ist das einzige von lebenden Organismen gebildete Korallenriffsystem Nordamerikas und das drittgrößte der Welt. Auch die vor Venezuela in der Karibik gelegene Insel Bonaire will den Verkauf verbieten. Hier ist allerdings noch offen, wann das Gesetz in Kraft tritt. Auch in Mexiko wurde das Problem erkannt, in populären Urlaubsregionen und auch Wasserparks sind nur noch biologisch abbaubaren Sonnencremes zulässig.

Das könnte Sie auch interessieren:

Der Verzicht von Sonnenschutz ist allerdings auch keine Lösung. Jeder Sonnenbrand erhöht das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Natürlich sind auch nicht alle Sonnencremes verboten. Eine Alternative zu Sonnencremes, die chemische UV-Filter wie die nicht erlaubten Substanzen enthalten, sind mineralische Sonnenschutzmittel. Diese ziehen nicht in die Haut ein, sondern bilden eine weiße Schicht, die die Sonnenstrahlen reflektiert und so von der Haut fernhält. Diese physikalischen Filter stellen keine Gefahr für Meeresbewohner dar und sind weiterhin erlaubt. (tli/afp)

Rundschau abonnieren