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InflationsgesichertDieses Jahr lässt sich die Rente besonders günstig aufbessern

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Der Kauf von Rentenpunkten kann für viele Menschen einen finanziell entspannteren Ruhestand bedeuten (Symbolbild). 

Wer dieses Jahr trotz Inflation und Energiekrise noch Geld zum Investieren übrig hat, sollte darüber nachdenken, es in die Rentenversicherung einzuzahlen. Davon profitieren nicht nur Menschen, die früher in den Ruhestand gehen möchten. Auch für alle anderen lohnt sich die Investition dieses Jahr besonders. Warum die Extra-Zahlung vor Inflation schützt, welche Steuervorteile sie birgt und wie der Kauf von Rentenpunkten funktioniert.

Was sind Rentenpunkte?

„Rentenpunkte sind so etwas wie die Währung der Rentenversicherung“, sagt Katharina Henrich, Expertin für Altersvorsorge und Redakteurin bei „Finanztest“. Jeder sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer zahlt von seinem Lohn Geld in die Rentenversicherung ein. Diese Zahlungen werden als Rentenpunkte bei der Rentenversicherung gespeichert. Je mehr Rentenpunkte angesammelt werden, desto höher fällt am Ende auch die Rente aus.

Wie viel eingezahltes Geld ein Rentenpunkt ergibt, hängt entscheidend vom bundesdeutschen Durchschnittsgehalt ab, präziser: vom Durchschnittsverdienst aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Liegen Sie mit ihrem Gehalt genau im Durchschnitt, sammeln Sie pro Jahr einen Rentenpunkt. „Wenn man dann in die Rente geht, werden diese Punkte in die eigentliche Rente umgerechnet“, erklärt Henrich. Für einen Rentenpunkt erhalten Sie aktuell 36,02 Euro monatlich im Westen und 35,52 im Osten.

Warum lohnt es sich dieses Jahr besonders, Rentenpunkte zu kaufen?

Weil sich der Preis für einen Rentenpunkt am vorläufigen Durchschnittsentgelt orientiert, verändert er sich jedes Jahr. Durch die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind die voraussichtlichen Durchschnittsgehälter dieses Jahr gesunken.

Dadurch sind auch die Rentenpunkte günstiger geworden – 2022 kostet ein Punkt 7235,59 Euro, im Vorjahr waren es noch 7726,63 Euro, also fast 500 Euro mehr. Ab 2023 muss man für einen Rentenpunkt wieder mehr Geld in die Hand nehmen. Berechnungen von Stiftung Warentest zufolge steigt der Preis auf 8024 Euro.

Für wen lohnt sich der Kauf von Rentenpunkten?

Der Kauf von Rentenpunkten hat mehrere Vorteile. Zunächst ist die Investition vor der Inflation geschützt, zumindest zum Teil. „Unsere Rente ist so aufgebaut, dass die Renten den Löhnen folgen“, erklärt Henrich. Wenn durch eine Inflation die Löhne steigen, erhöht sich auch der Wert der Rentenpunkte.

Außerdem kann man den Kauf von Rentenpunkten zu 94 Prozent von der Steuer absetzen – als Alleinstehender lassen sich bis zu 25.639 Euro im Jahr beim Finanzamt für die Altersvorsorge anrechnen, als Paar ist der Betrag doppelt so groß. Allerdings fließen bereits die regulären Beträge, die man über den Lohn an die Rentenversicherung abgeführt hat, in diesen Betrag mit ein. „Wie viel man wirklich von der Steuer absetzen kann, ist sehr individuell und hängt vom jeweiligen Einkommen ab. Am besten fragt man beim Lohnsteuerhilfeverein nach, wenn man dort Mitglied ist“, empfiehlt Henrich.

Bei der Investition gilt es aber, nicht nur über Steuervorteile nachzudenken. „Rentenpunkte sind eine Wette auf ein langes Leben“, sagt Henrich. Wie stark man am Ende profitiert, hängt davon ab, wie alt man wird. Wer zwischen 15 und 20 Jahre lang Rente bezieht, für den hat sich die Investition aber schnell gelohnt. Entsprechend gute Angebote zur Altersvorsorge finde man bei privaten Anbietern aktuell nur selten, findet Henrich: „Der Vergleich zu privaten Rentenanbietern fällt im Moment deutlich zugunsten der gesetzlichen Rentenversicherung aus.“

Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung fasst die Vorteile zusammen: „Das Geld ist relativ sicher angelegt, es ist ans Durchschnittseinkommen gekoppelt und man bekommt eine höhere Rente, egal wie alt man wird.“

Für wen sich Rentenpunkte nicht lohnen

Wer von der Investition profitieren will, braucht zunächst angespartes Kapital, um investieren zu können. Menschen, die wenig verdienen, werden es schwer haben, genug Geld aufzubringen, um sich so ihre Rente aufzubessern.

Wer gesundheitliche Probleme hat, sollte ebenfalls darüber nachdenken, ob sich die Einzahlung lohnt. Außerdem ist das Geld, einmal eingezahlt, danach weg. „Man muss sich wirklich sicher sein, für sein restliches Leben diese Rente haben zu wollen“, sagt Henrich.

Wer kann Rentenpunkte kaufen?

Wer Rentenpunkte kaufen will, muss mindestens 50 Jahre alt sein. Zudem muss damit zu rechnen sein, dass man bis zum 67. Lebensjahr auf insgesamt 35 Versicherungsjahre kommen kann. Das hat folgenden Hintergrund:

Ursprünglich war der Kauf von Rentenpunkten dazu gedacht, Abschläge auszugleichen, die anfallen, wenn man früher in den Ruhestand gehen will. Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung legt dar, wie das funktioniert: „Man stellt einen Antrag auf eine besondere Rentenauskunft, bei der man angeben muss, wann man in Rente gehen will. Die Rentenversicherung errechnet dann, wie viel man nachzahlen müsste, um die Abschläge auszugleichen. Dann kann man überlegen, wie viel man einzahlen will. Doch selbst wenn Sie gar nicht vorhaben früher in Rente zu gehen, dürfen Sie nach dem Antrag Extra-Zahlungen tätigen.“

Das müssen Sie tun, um dieses Jahr noch zu profitieren:

„Entscheidend ist, sich noch dieses Jahr an die Rentenversicherung zu wenden“, sagt Manthey. Ein formloses Schreiben reiche im Zweifel aus. Selbst wenn der bürokratische Aufwand sich bis ins nächste Jahr zieht, kann man dann beim Kauf der Rentenpunkte noch von den günstigen Preisen aus diesem Jahr profitieren.

Doch gilt zu bedenken: Wer erst nächstes Jahr anfängt zu zahlen, kann die Rentenpunkte auch erst 2023 von der Steuer absetzen. Wer also dieses Jahr noch steuerlich vom Kauf profitieren möchte, sollte sich beeilen. 

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