Lüften, Heizen, EnergieverbrauchDiese Dinge sollten Sie beachten, wenn Sie Wäsche in der Wohnung trocknen

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Frau hängt Wäsche auf einen Wäscheständer in der Wohnung.

Wer im Winter Wäsche in der Wohnung aufhängt, muss sehr regelmäßig lüften.

Wie trocknet man Wäsche in der Wohnung am besten? Ein Haushaltstechniker gibt Tipps und erklärt, warum der Trockner besser ist als sein Ruf.

Zack – kaum hatte man die Wäsche auf dem Balkon oder im Garten aufgehängt, war sie auch schon trocken. Das heiße Sommerwetter der letzten Wochen bot sich optimal an, um endlich mal alle Wäscheberge abzutragen. Doch so langsam naht der Herbst – und mit ihm die Frage: Wo hängen wir die Wäsche hin, wenn’s draußen usselig und kalt ist? Wohnzimmer? Schlafzimmer? Wäschekeller? Das haben wir Rainer Stamminger gefragt, Senior Professor der Haushaltstechnik an der Uni Bonn. Denn eines ist klar: Die Wäscheberge, sie werden wie von Zauberhand wieder wachsen.

Wann gehört die Wäsche nach draußen?

„Im Sommer ist es auf jeden Fall am energiesparendsten, die Wäsche draußen aufzuhängen“, sagt Rainer Stamminger. Zum Beispiel auf einer Wäschespinne im Garten oder einem Ständer auf dem Balkon. Wer diese Möglichkeiten nicht hat, kann die Wäsche auch in der Wohnung trocknen, muss dann aber für ausreichend Durchzug und Belüftung sorgen.

Wäsche trocknen draußen an der frischen Luft. Wäscheständer mit viel Wäsche und Wäscheklammern.

Wann immer möglich, sollte man die Wäsche an der frischen Luft trocknen.

Auch bei kälteren Temperaturen, wenn es trocken, windig und sonnig ist, lohnt es sich, die Wäsche nach draußen zu hängen. Doch aufgepasst: Je kälter die Luft ist, desto schlechter kann sie Feuchtigkeit aufnehmen – und desto länger dauert es, bis die Klamotten trocken sind. Stamminger erzählt von Fällen, wo die Wäsche zwei Tage lang draußen hängen musste. Dann riecht sie im Zweifelsfall nicht besonders gut und es können sich sogar Stockflecken auf der Kleidung bilden. Anders sieht die Situation übrigens aus, wenn es draußen unter null Grad ist: Dann gefriert das Wasser in der Wäsche und verdampft direkt. Praktisch!

Warum ist das Trocknen in der Wohnung schwierig?

Wenn das Wetter aber nicht passt, muss man sich zum Trocknen einen Ort in der Wohnung suchen. Doch aufgepasst: Dabei kann es zu Schimmelbildung kommen. Denn beim Trocknen verwandelt sich das Wasser in Wasserdampf. „Bei einer durchschnittlich beladenen Trommel stecken nach dem Waschen noch bis zu fünf Liter Wasser in der Wäsche“, sagt Stamminger. Diese Menge an Wasserdampf kondensiert dann im Raum, vor allem an den Wänden. „Die kältesten Stellen im Raum, oft sind das die Außenwände, sind dann prädestiniert für Schimmelbildung“, erklärt Rainer Stamminger. „Und bei vielen Arten von Schimmel wird dringend davor gewarnt, diese einzuatmen. Das kann ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen.“ Oft bemerke man den Schimmel auch monatelang nicht, weil er sich hinter Vorhängen oder Schränken gebildet habe. „Hat der Schimmel sich einmal festgesetzt, bleibt einem oft nichts anderes übrig, als die Wand komplett neu zu verputzen“, so Stamminger.

Was tun gegen Schimmel?

Die Lösung klingt offensichtlich: Lüften! Allerdings müsse man wirklich viel und regelmäßig lüften, sagt Stamminger. Fünf Minuten Stoßlüften – heißt alle Fenster und Türen öffnen – pro Stunde sei eine gute Faustregel. Denn dabei wird die feuchte Luft komplett durch die trockene Außenluft ausgetauscht. Auch ein paar andere Dinge kann man optimieren, um den Trocknungsprozess in der Wohnung zu beschleunigen: Die Wäsche sollte bei der maximalen Zahl geschleudert werden, damit möglichst wenig Wasser in ihr ist. Auf dem Wäscheständer lässt man im besten Fall je eine Leine frei, damit die Luft zwischen den Kleidungsstücken zirkulieren kann. Und wer die Wäsche ohne Klammern aufhängen möchte, sollte sie aus dem gleichen Grund über zwei Leinen hängt.

In welches Zimmer soll die Wäsche?

Für die Trocknung bietet sich ein Raum mit warmer und trockener Luft an (also nicht unbedingt das Badezimmer), denn – wir erinnern uns – kalte Luft nimmt Wasser langsamer auf. Für die Bewohner ist es übrigens nicht schlimm, wenn die Wäsche um sie herum trocknet, sagt Stamminger. „Die Heizungsluft im Winter ist ja sowieso sehr trocken.“ Unserem Atemtrakt schadet es also nicht, etwas feuchtere Luft einzuatmen. Nur eben den Wänden, wenn man nicht genug lüftet. Und dem Geldbeutel. Und, ja, der Umwelt übrigens auch.

Wenn man beim Trocknen so lüftet, dass sich kein Schimmel bilden kann, verbraucht man sehr viel Heizungsenergie. Denn die Luft muss ja komplett ausgetauscht werden. Deswegen rät Stamminger dazu, auf einen Raum auszuweichen, der sowieso nicht stark geheizt wird, wie das Schlafzimmer. Dort dauert das Trocknen allerdings sehr lange. Möglich ist auch ein Wäschekeller – dieser muss allerdings gut gelüftet werden und liegt im besten Fall neben dem Heizungsraum, der Wärme abstrahlt. Generell plädiert Stamminger aber dafür, im Winter auf einen Trockner auszuweichen. „Das, was an Heizungsenergie durch das Lüften verloren geht, ist ein Vielfaches der Stromenergie, die ein Trockner verbraucht.“ Stamminger verweist auf eine Studie des Öko-Instituts Freiburg, die das vor einigen Jahren errechnet hat.

Welche Trockner gibt es?

Drei Arten von Trocknern gibt es: Abluft-Trockner, die die warme, feuchte Luft über einen Kanal in der Wand nach draußen pusten – und in Stadtwohnungen eher selten zu finden sind. Kondensationstrockner, die den Wasserdampf aus der Wäsche wieder in Wasser verwandeln und in einem Kasten sammeln (den man dann entleeren muss und zum Blumengießen nutzen kann). Und Wärmepumpen-Trockner, die die Wärme intern weiterverwenden, um den Trocknungsprozess zu beschleunigen. Letztere benötigten im Vergleich mit den anderen beiden Trocknern nur die Hälfte an Energie.

Wie viel Strom verbrauchen Trockner wirklich?

Und doch gelten Wäschetrockner immer noch als Stromfresser. Wie viel Energie benötigen sie denn wirklich? Stamminger rechnet vor: Eine Waschmaschine, die man mit fünf Kilo Kleidung belädt und bei 60 Grad wäscht, verbraucht im Durchschnitt etwa 0,8 Kilowatt-Stunden Strom. Der Wärmepumpen-Trockner verbraucht für diese fünf Kilo nasse Wäsche etwa 1,6 Kilowatt Stunden. Und Kondensations- und Abluft-Trockner verbrauchen nochmal doppelt so viel, also etwa 3,2 Kilowatt Stunden Strom. „Die Wäsche im Winter mit einem Wärmepumpen-Trockner zu trocknen, ist keine große Versündigung an der Umwelt“, sagt Stamminger. In einem aktuellen Test aus dem August dieses Jahres hat die Stiftung Warentest Wärmepumpen-Trockner genauer unter die Lupe genommen und auch den ungefähren jährlichen Stromverbrauch errechnet und kommt für zehn Jahre Betrieb auf Stromkosten zwischen 600 und 1000 Euro. Testsieger ist übrigens ein Gerät der Marke AEG geworden, großer Verlierer war die Marke Bauknecht. 

Wo bringt man den Trockner unter?

Auch in kleinen Stadtwohnungen könne man einen Trockner unterbekommen. Stamminger empfiehlt, diesen mit speziellen Halterungen oben auf der Waschmaschine zu befestigen. Kondensations- und Wärmepumpen-Trockner können in jedem Zimmer der Wohnung stehen, da sie keinen Abluft-Kanal benötigen. Und wer gar keinen Platz hat, dem rät der Haushaltstechniker zu einem Kombi-Gerät aus Waschmaschine und Wärmepumpen-Trockner. Diese seien zwar etwas teuer als normale Waschmaschinen, aber nicht so teuer wie je eine Waschmaschine und ein Trockner.

Modernes Badezimmer mit Waschmaschine und Trockner übereinander.

Platzsparend: Den Trockner kann man einfach auf die Waschmaschine draufstellen.

Und dann kann man die Wäsche ja immer noch draußen trocknen, wenn das Wetter es hergibt. „Das ist und bleibt die umweltschonendste Möglichkeit.“

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