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Jugendstrafen nach Bluttat von Hagen

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Die Angeklagten Bares G. und Fatih (hinten) im Landgericht Hagen

Die Angeklagten Bares G. und Fatih (hinten) im Landgericht Hagen

Hagen - Warum musste die 14-jährige Filiz Ende Mai 2004auf einem Parkplatz bei Hagen sterben? Das Landgericht Hagen wagte amMittwoch nach der Verkündung der Urteile gegen die beiden 18 und 21Jahre alten Täter türkischer Herkunft den Versuch einer Erklärung.Die große Panik vor einer Schwangerschaft des erst am Tag zuvorkennen gelernten Mädchen stand demnach im Hintergrund der Bluttat.Der 21-Jährige hatte Angst davor, das bei einem einmaligenGeschlechtsverkehr möglicherweise schwanger gewordene Mädchen seinerFamilie als seine Braut vorstellen zu müssen. Der 21-Jährige hatte bereits zum Prozessauftakt gestanden, dasMädchen mit 30 Messerstichen umgebracht zu haben. Auf Grundgutachterlich festgestellter Reifeverzögerungen wurde er wie sein zurTatzeit erst 17-jähriger Komplize nach dem Jugendstrafrechtverurteilt. Wegen Totschlags und Anstiftung zum Mord erhielt er zehnJahre, die Höchststrafe. Der 18-Jährige muss wegen versuchten Mordesan der damals 13-jährigen Freundin für neun Jahre ins Gefängnis. Inder Absicht, die Freundin als Zeugin zu beseitigen, hatte der damals17-Jährige mehr als 20 Mal zugestochen. Die 13-Jährige überlebtejedoch schwer verletzt. Zuvor sei im Umfeld des Täters bereits häufig von der Hochzeit des21-Jährigen die Rede gewesen, ohne dass es bereits eine Verlobtegegeben habe, sagte der Vorsitzende Richter Frank Schreiber. "Wenn indiesem Umfeld von Hochzeit die Rede ist, dann ist von einer Braut dieRede, die die Familie aussucht", sagte Schreiber. "Der Angeklagte istaufgewachsen in einer Familie, die noch vom traditionellenFamilienbild in der Türkei geprägt ist." Die Möglichkeit einerSchwangerschaft der 14-jährigen Filiz sei daher "eine verheerendeIdee" gewesen. Das Gericht rekonstruierte die Tat so: Die beiden Mädchen hattendie Männer erst einen Tag vor der Bluttat in Lüdenscheid kennengelernt. Schnell kam es dann zum ungeschützten Geschlechtsverkehrzwischen dem Täter und seinem späteren Opfer. Nach einem gemeinsamenAusflug nach Köln gab es auf der Rückfahrt nach Lüdenscheid danneinen Eifersuchtsstreit zwischen Filiz und dem 21-Jährigen.Möglicherweise provozierte das dem Täter intellektuell überlegeneMädchen ihn dabei auch mit einer möglichen Schwangerschaft. Bei einer Aussprache auf dem Parkplatz wollte der 21-Jährige Filizmöglicherweise mit dem Messer zunächst bedrohen und sie "unterKontrolle bringen". Dann rastete er aus und stach zu. Mit den Worten"Nicole muss weg" forderte er anschließend seinen Komplizen auf, die13-jährige Freundin ebenfalls zu töten. 22 Mal stach der 17-Jährigeanschließend zu. Nicole stellte sich tot und konnte sich nach derFlucht der beiden schwer verletzt zur Straße schleppen und ein Autoanhalten. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. DerAnwalt der Mutter der getöteten Filiz kritisierte die Verurteilungdes 21-Jährigen nach dem Jugendstrafrecht und kündigte Revision an. (dpa)

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