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KernkraftwerkJülicher Reaktor soll ins Zwischenlager

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JÜLICH. Seit fast 20 Jahren ist das Versuchskernkraftwerk Jülich (AVR) nicht mehr in Betrieb, und doch beschäftigt der stillgelegte Hochtemperaturreaktor noch immer viele Menschen. Zurzeit laufen die Vorbereitungen für ein Manöver, das voraussichtlich im Jahr 2011 eine Menge Aufsehen erregen dürfte. Dann soll der 26 Meter hohe Reaktorbehälter mittels eines Krans und eines Transportschlittens verlagert und rund 200 Meter weiter in eine Halle transportiert werden, die als Zwischenlager dient.

Dort wird der Behälter bis zu 60 Jahre lang bleiben, ehe Roboter ihn zerlegen und seine Einzelteile in ein Endlager überführt werden können. Ein Endlager, für das es bis dato keine Genehmigung gibt, wie Arno Esser, der den Rückbau des Kernkraftwerks bei der AVR GmbH leitet, sagte. Bei einem nicht öffentlichen Erörterungstermin riefen die Pläne für das Zwischenlager auch Kritiker auf den Plan. Martina Haase und Horst Schnitzler von der Aachener Linkspartei erklärten, die vorgesehene Halle sei weder erdbebensicher noch ausreichend gegen einen Flugzeugabsturz geschützt. Auch Oliver Krischer von den Dürener Grünen forderte eine deutlich stabilere Betonbauweise für die Halle als geplant. Demgegenüber verwiesen Esser und der kaufmännische Geschäftsführer der AVR, Herbert Hollmann, auf ein Gutachten des TÜV, nach dem der Reaktor im Zwischenlager umfassend geschützt sei und die Bevölkerung auch bei Flugzeugabstürzen, Terrorangriffen oder Erdbeben nicht durch austretende Radioaktivität gefährdet werde.

Hollmann sagte, eine Verfüllung des luftdicht verschlossenen Reaktorbehälters mit Porenleichtbeton sorge für besondere Sicherheit, da einstmals mobile kontaminierte Graphitstaubteilchen im Reaktor fixiert und alle Einbauten stabilisiert worden seien. Eine stählerne Doppelwand biete weiteren Schutz. Wenn überhaupt, seien nur Strahlenbelastungen „in minimalster Dosis“ möglich.

Zunächst sah das Stilllegungskonzept vor, den Reaktor mittels einer Betonhülle sicher einzuschließen, später erwog man, die Anlage zu entkernen, und seit 2003 lautet die Devise: Alles soll komplett weg.

Esser bestätigte, dass sich unter dem Reaktor belastetes Erdreich befinde. Durch eine Störung am Dampferzeuger war 1978 das sogenannte Fundamentkammerwasser kontaminiert worden. „Für das Grundwasser besteht aber keine Gefahr. Der gesamte Bereich wird mit Messgeräten permanent überwacht.“

Rückendeckung bekam die AVR bei dem Erörterungstermin in Aachen vom Ökoinstitut Darmstadt. Es bestätigte, dass von dem Reaktorbehälter im Zwischenlager keine Gefahr ausgehe, er auch gegen Erdbeben und Flugzeugabstürze gesichert sei. „Keinerlei Bedenken“, konstatierte Projektleiter Christian Küppers.

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