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Kurt-Schumacher-Akademie
2030 schlägt die Stunde der jungen Alten

Wagten einen Blick in die Zukunft:Akademie-Chef Rainer Gries (v. l.) sowie die Psychologen Nicolas Haverkamp und Professor Georg Rudinger.(Foto: Schmitz)

Wagten einen Blick in die Zukunft:Akademie-Chef Rainer Gries (v. l.) sowie die Psychologen Nicolas Haverkamp und Professor Georg Rudinger.(Foto: Schmitz)

BAD MÜNSTEREIFEL – Es ist ja nicht so, dass die Wissenschaftler der Universität Bonn in die Glaskugel geschaut hätten. Doch ein Blick in die Zukunft war für sie Pflichtprogramm: Das Te.am um Professor Dr. Georg Rudinger und den diplomierten Psychologen Nicolas Haverkamp hat das Thema „Mobilitätskultur in einer alternden Gesellschaft“ knapp zwei Jahre lang empirisch aufgearbeitet.

So wurden unter anderem 1000 sogenannte Babyboomer befragt, also Menschen der geburtenstarken Jahrgänge von 1954 bis 1964. „Wenn die im Jahr 2030 in Rente gehen, kommen große Herausforderungen auf unsere Gesellschaft zu“, erklärte Rudinger. Diese Gruppe der jung gebliebenen Alten mache dann etwa 30 Prozent (gut 22 Millionen) der Bevölkerung aus.Beim Forschungsprojekt haben die Experten Szenarien aufgezeigt, die die Entwicklung im Jahr 2030 beleuchten. Ihre Arbeit, die von der Volkswagen-Stiftung gefördert wurde, stellten Rudinger und Haverkamp in der Bad Münstereifeler Kurt-Schumacher-Akademie vor.Akademie-Chef Rainer Gries konstatierte zu Beginn der Veranstaltung, dass die Mobilität bereits heute heiß diskutiert werde – auch auf bundespolitischer Ebene. Dabei gehe es etwa um die Anhebung der Pendlerpauschale und eine Kostenbremse für die explodierenden Spritpreise.

Für den Bonner Professor steht fest, dass die (auto-)mobile „Babyboomer-Generation“ in knapp zwei Jahrzehnten die Straßen dominiert: „Darunter sind dann auch fast 100 Prozent Frauen, die einen Führerschein haben. Das ist heute noch anders.“ Neben den verkehrstechnischen Herausforderungen würden auch die Freizeitaktivitäten der rüstigen Alten steigen. Darauf müssten sich die Kommunen aber bereits heute einstellen. Der Öffentliche Personen Nahverkehr (ÖPNV) ist laut Rudinger jedenfalls keine Alternative zum Auto. „Die Anbindung an den ÖPNV ist bereits heute in ländlichen Regionen wie der Eifel ein Problem. Das hat auch unsere Umfrage bestätigt“, so Rudinger. Und weiter: „Die Gefahr nimmt künftig zu, dass sich die Betreiber nur noch auf wirtschaftliche Strecken konzentrieren. Zudem erwarten wir weitere Preissteigerungen für Bus und Bahn.“

Klar, dass Rudinger zu dem Schluss kommt, dass die „Babyboomer“ eine Automobil-Generation sind. Zudem könnte es zu einem kulturellen Wandel im Straßenverkehr kommen. „Nicht das Auto, sondern der Mensch dominiert dann die Straßen“, berichtete Haverkamp. Die knappen Ressourcen würden zudem dazu führen, dass Hybrid- und Elektroantriebe sowie alternative Kraftstoffe verstärkt genutzt würden.Doch wie fährt die starke Garde der jungen Senioren demnächst? „Fünf Prozent der Ü-60-Fahrer sind Rowdys. Doch die Mehrheit der routinierten Fahrer könnte dafür sorgen, dass 2030 die Aggressivität im Straßenverkehr abnimmt“, so Rudinger. Die altersbedingten Ausfallerscheinungen würden zwar durch Fahrassistenzsysteme kompensiert, nur gegen die Abnahme des peripheren Sehens sei kein Kraut gewachsen.

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