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Schockeffekte für rasende Motorradfahrer

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EIFELLAND. „Big Brother is watching you“ (englisch: „Der große Bruder beobachtet dich“). So oder ähnlich dachten wohl am Pfingstmontag die zahlreichen Motorradfahrer, die auf den kurvigen Strecken im Raum Heimbach / Nideggen unterwegs waren. Zahlreiche „Streckenposten“ führten Radarkontrollen durch, Polizeiwagen waren überall präsent.

Doch nicht nur das: Zwischen Nideggen und Heimbach passierten die Kradfahrer zahlreiche unkonventionelle Verkehrsschilder. Teils lustig, teils abschreckend illustriert, hatten diese eines gemeinsam: Sie sollten gezielt Motorradfahrer zu Rücksicht im Straßenverkehr ermahnen.

Eindeutig die Botschaft von zwei auf 100 Metern hintereinander angebrachten Schildern. Der Aufschrift „1, 2, 3...“ folgte das „Tod“-Schild. Ebenso klar die Aussage eines Plakates, bei dem ein Kind an „Papas Grab“ steht.

Hintergrund des „Schilderwaldes“ war eine Aktion der Polizei, die gemeinsam mit vielen Partnern in diesem Jahr in der Rureifel Maßnahmen zur Verhinderung von Verkehrsunfällen unter Beteiligung von Motorradfahrern startet. Beim Informationstag auf dem Gelände der Firma Klinkhammer in Nideggen waren neben Polizisten und Motorradfahrern unter anderem Vertreter der Städte Nideggen und Heimbach, die Notfallseelsorge Düren, der ADAC Nordrhein, eine Nideggener Bürgerinitiative gegen Motorradlärm und Vertreter zweier Schulen mit von der Partie. Schüler der Adolf Kolping-Hauptschule Nideggen hatten sich ebenso mit dem Thema „Motorradunfälle“ beschäftigt wie zukünftige gestaltungstechnische Assistenten des Nelly-Pütz-Kollegs Düren. Diese jungen Leute hatten die Schilder mit 24 neuen Motiven unter der Leitung ihrer Lehrerin Hildegard Malich entworfen. „Die normalen Verkehrsschilder bringen ja scheinbar nichts, wir hoffen, dass wir die Raser mit unseren Slogans erreichen“, meinte einer der Schüler. Dies ist auch der Wunsch von Hermann Schiffer, Leiter der Polizeiinspektion Düren. Er hofft, mit der Aktion 2005 an die Erfolgsgeschichte der letzten Jahre anknüpfen zu können. „2003 haben wir im Raum Hürtgenwald die Zahl der Unfälle ebenso drastisch gesenkt, wie es uns im letzten Jahr zwischen Mariawald und Heimbach gelungen ist“, sagte er. Ziel sei es, die Motorradfahrer neben den repressiven Maßnahmen (Laser- und Radarkontrollen) mit den Plakaten zur Vernunft zu bringen, „sie über den Bauch zu überzeugen“, so Schiffer. Die Schüler könnten dass mit ihren Plakaten viel besser als die Polizei, „natürlicher Feind“ der Motorradfahrer.

Markus Seel von der Bürgerinitiative Nideggen geht es außerdem um zu laute Motorräder: „Es ist ein Unding, wenn man an sonnigen Tagen auf der Terrasse sitzt und vom Motorradlärm gestört wird.“ Hier versucht die Polizei mit geschulten Trupps Motorräder mit zu hohen Geräuschemissionen aus dem Verkehr zu ziehen, was im letzten Jahr 88 Mal der Fall war.

Die Schilder auf der Serpentinenstrecke zwischen Nideggen und Heimbach schienen ihre Wirkung bei den Motorradfahrern nicht zu verfehlen. „Wenn man das liest, tritt man automatisch auf die Bremse“, wurde ein Biker sehr nachdenklich.

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