FreiraumschuleIn dieser Schule sollen Kinder selbst entscheiden, wann sie lernen wollen

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Die Freiraumschule zieht nach Bad Honnef in das Gebäude der Hochschule.

Die Freiraumschule zieht nach Bad Honnef in das Gebäude der Hochschule.

Nach den Sommerferien will die Freiraumschule in Bad Honnef den Betrieb aufnehmen. Wie das Konzept aussieht – und wer seine Kinder anmelden kann.

Es gibt Plätze in einem Gebäude, deren Funktion ist vorbestimmt, egal, wer sie nutzt. Die Bibliothek der Hochschule in Bad Honnef ist solch ein Ort. Hier sitzen nur die Studierenden, die von sich aus entschieden haben, dass sie lernen wollen. Intrinsische Motivation wird das genannt. „Und genau das ist das Prinzip unserer Freiraumschule“, berichtet Hiltrud Triphaus.

Die Sozialpädagogin gehört zum Gründungsteam der neuen Schule. Mit Erzieher Konstantin Evang und Diplom-Pädagogin Sabrina Happich stellen sie im Gespräch mit der Redaktion das Konzept in den nun in Bad Honnef gefundenen Räumen vor. Lange hatte die Freiraumschule nach einer Heimat gesucht, die ist nun gefunden.

Blick in eine Bibliothek an der Studenten an Tischen lernen. Zurzeit wird dieser Raum noch von der Hochschule genutzt, in der Freiraumschule wird er Treffpunkt zum Unterrichtsbeginn sein.

Zurzeit wird dieser Raum noch als Bibliothek der Hochschule genutzt, in der Freiraumschule wird er Treffpunkt zum Unterrichtsbeginn sein.

„Nach den Sommerferien starten wir, wenn alles abschließend mit der Bezirksregierung in Köln geklärt ist“, berichtet Happich. Anträge seien schon alle eingereicht, es seien „nur noch wenige Punkte“ zu klären. Aus diesem Grund müssen alle Jugendlichen, die sich für die neue Gesamtschule interessieren, auch bei einer schon bestehenden Schule angemeldet sein.

„Es ist ein formaler Akt“, erklärt Happich, parallel sollten die Familien eine Absichtserklärung ausfüllen. Das Team erwarte die Genehmigung kurz vor dem Beginn des Schuljahres in den Sommerferien. „Wir freuen uns schon auf den Start“, ergänzt Evang. „Erfolgreich lernen ohne Leistungsdruck, wir werden zeigen, wie dies geht.“

Konventionelles Schulsystem erlaubt wenig Rücksicht auf individuelle Interessen

Das Gründungsteam der Freiraumschule, zu dem auch Tina Aghajani-Talesh und Vanessa Dech gehören, ist ambitioniert. Kinder sollen selbst entscheiden, wann sie etwas lernen wollen. Das Ziel der neuen Gesamtschule sind Haupt- und Realschulabschluss sowie Abitur. „Lernen geschieht nicht linear“, erklärt Triphaus. Im konventionellen Schulsystem könne oft wenig Rücksicht auf individuelle Interessen, Fähigkeiten oder die momentane Motivation genommen werden. „An der Freiraumschule können Jugendliche dann lernen, wenn sie sich bereit dazu fühlen. Und haben viele Auswahlmöglichkeiten.“

Die Freiraumschule zieht nach Bad Honnef in das Gebäude der Hochschule, das pädagogische Gründungsteam in der Bibliothek Hochschule, von links: Hiltrud Triphaus, Sabrina Happich, Konstantin Evang.

Das pädagogische Gründungsteam in der Bibliothek Hochschule, von links: Hiltrud Triphaus, Sabrina Happich und Konstantin Evang.

Die Lehrer begleiten den Prozess bei jedem Jugendlichen individuell. Ab 8 Uhr morgens treffen sich die Kinder und Jugendlichen in einem großen Raum, von 8.30 bis 9 Uhr wird besprochen, was am Tag gemacht wird. „Der Wille, zu lernen, geht vom Kind aus“, betont Happich. Rund 25 Schülerinnen und Schüler bilden eine jahrgangsübergreifende Klasse. Je nach Interessen werden Arbeitsgruppen gebildet, um das Wissen zu erarbeiten.

„In konventionellen Schulen sind das die Klassen fünf bis sieben, die bei uns zusammen im Team lernen“, berichtet Evang. Wer keine Lust zum Lernen hätte, könne zum Beispiel auch Basketball spielen. Die Erfahrung anderer freier Schulen habe gezeigt, dass diese Kinder dann doch von sich aus Interesse an Wissensvermittlung zeigten. Dann sei das Lernen gewollt und auch sinnvoll.

Freiraumschule Bad Honnef: Potenzial der Jugendlichen soll gefunden und ausgebaut werden

Menschen entwickelten sich unterschiedlich. „Da es anfangs in der Freiraumschule keine Noten gibt, möchten wir einen engen Kontakt zu den Eltern haben, um sie über den Wissensstand ihrer Kinder zu informieren“, sagt Triphaus. In den Gesprächen werden dann Lernziele vereinbart. „Allerdings aus Sicht der Kinder“, betont sie. Ein wichtiges Thema sei dabei, eine Über- und Unterforderung zu vermeiden. Und ein Studium sei nicht unbedingt nötig für einen erfüllenden Berufsweg. Ob Handwerker oder Universitätsabsolvent, entscheidend sei, dass die Schülerinnen und Schüler ihr Potenzial entdeckten und auslebten.

„Jeder Mensch hat Talente“, betont Happich. „Die suchen und finden wir.“ Mit gezielter Förderung in die richtige Richtung werde der Schulbesuch dann zur Freude und nicht zur Last. Man sei offen für alle und wünsche sich große Vielfalt.

Auch Kinder und Jugendliche mit festgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf sollten ihren Platz in der Schule haben. „Etwa ein Viertel pro Klasse ist geplant“, sagt Evang. Er berichtet, dass die Nachfrage schon groß sei. Mehr als eine Klasse komme anhand der Absichtserklärungen schon jetzt zu Stande. Dies zeige, dass wirklich „ein großer Bedarf“ nach dem Konzept der Freiraumschule bestehe. „20 Lehrer haben sich auch schon gemeldet, die bei uns mitmachen wollen“, ergänzt Triphaus.