Abo

Rundschau PLUS abonnieren

Abo-Angebote

Artikel teilen

Schriftgröße ändern

Artikel zur Merkliste hinzugefügt

Rückgangig

Artikel von der Merkliste entfernt

Sie folgen nun

Rückgangig

Sie folgen

Streuobstwiesen in Oberdollendorf Qualifizierte Obstbaumwarte bei der Ernte

Reiche Ernte in Oberdollendorf: die Äpfel werden mit einem Traktor abtransportiert.

Reiche Ernte in Oberdollendorf: die Äpfel werden mit einem Traktor abtransportiert.

Königswinter-Oberdollendorf – Die Ananasrenette schmeckt säuerlich im Abgang; die Goldparmäne eher süßlich, aber dennoch aromatisch: Auf den Streuobstwiesen in Oberdollendorf wachsen Dutzende Sorten Äpfel, von denen Otto Normalverbraucher vermutlich noch nie gehört hat – weil sie durch jedes Supermarkt-Raster fallen.

Ralf Badtke kennt sie alle: „Die Goldparmäne lässt sich nicht bei Temperaturen unter fünf Grad Celsius lagern und würde im Kühllager verfaulen. Die Ananasrenette ist schlichtweg zu klein“, erklärt der Referent des Naturschutzprojektes „Chance 7“. Das Projekt will unter anderem die Sortenvielfalt der Streuobstwiesen im Rhein-Sieg-Kreis erhalten. Dafür bildet es seit 2016 gemeinsam mit der Biologischen Station sogenannte Obstbaumwarte aus, die in Sachen Schnitt, Sorten, Pflege, Pflanzung und Ernte geschult werden und ihr Wissen an Freunde und Bekannte weitergeben sollen. Jetzt haben 20 Obstbaumwarte gemeinsam mit 20 Mitgliedern der Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge die drei Oberdollendorfer Obstwiesen abgeerntet. Die Bürgerinitiative pflegt die Wiesen seit mehr als 30 Jahren.

Kräftig geschüttelt: Die Obstbaumwarte sammeln die heruntergefallenen Äpfel.

Kräftig geschüttelt: Die Obstbaumwarte sammeln die heruntergefallenen Äpfel.

„Der Trend geht zu naturnahen Lebensmitteln“, weiß Badtke. Der beste Beweis: Die kostenlose Ausbildung erfreut sich großer Beliebtheit, die drei Kurse à 15 Teilnehmern, die „Chance 7“ ab diesem Herbst anbietet, sind bereits ausgebucht. Nach einem Wochenende im November, einer Kurswoche im März und einem Wochenende im Juli haben die Teilnehmer das Zertifikat als Obstbaumwart in der Tasche.

Stephan Küster ist Experte: Seit fünf Jahren hat der 47-Jährige seine eigene Obstwiese, jetzt hat er die Ausbildung zum Obstbaumwart gemacht. „Was auf manchen Wiesen an Obst unten liegt und verfault, ist schade“, sagt der Hennefer, der vor allem seinen Kindern mitgeben möchte, wie wichtig die Natur ist. Außerdem findet er: „Die alten Sorten schmecken einfach besser.“ Sohn Fabian (10) steht staunend daneben, als Küster mit einer Schüttelstange an den Ästen rüttelt. Prompt fällt ein Dutzend Äpfel vom Baum und landet vor seinen Gummistiefeln. Während das Obst in die Körbe wandert und auf die Anhänger der Traktoren geladen wird, überprüfen es die Obstbaumwarte auf faule und kaputte Stellen. Der Großteil der Ernte wird zu Saft vermostet; die Äpfel, die gut erhalten sind, sollen als Tafelobst beim Obstwiesenfest in Uthweiler verkauft werden. Rund zwölf Tonnen Obst haben die Helfer vor zwei Jahren geerntet. Dieses Jahr dürfte es wegen des Frostes im Frühjahr etwas weniger sein, meint Badtke.

Weitere Infos rund ums Streuobst gibt es beim Obstwiesenfest am 22. Oktober in der Baumschule Neuenfels, Jüngsfelder Straße 3 in Uthweiler.