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Verständigung und Freundschaft Neues deutsch-russisches Jugendparlament ist einzigartiges Projekt

Eine Delegation des neuen deutsch-russischen Jugendparlaments diskutierte in Bonn und Bornheim über lokalpolitische Themen.

Eine Delegation des neuen deutsch-russischen Jugendparlaments diskutierte in Bonn und Bornheim über lokalpolitische Themen.

Bonn/Bornheim – Aus dem Kokon des Jugendforums Bonn-Kaliningrad ist das Jugendparlament geschlüpft. Am Mittwoch unterzeichneten im Landtag in Düsseldorf Vertreter beider Seiten den Vertrag im Rahmen einer Feierstunde. Es handelt um den vorläufigen Höhepunkt der Beziehungen zwischen den beiden Städten. 2012 entstand die Idee, politische Bildung und soziales Engagement im Rahmen der Partnerschaft in den Fokus zu rücken. Nur ein Jahr später wurde das Jugendforum ins Leben gerufen.

Der Bonner Verein für Jugendförderung unterstützt das Projekt tatkräftig: „Seit 20 Jahren führen wir diese Partnerschaft, die von Bürgern getragen wird. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat uns gelobt, wir sind das einzige Projekt dieser Art“, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Bernhard „Felix“ von Grünberg. Er steht schon seit Jahren hinter dem regen Austausch der russischen und deutschen Jugendlichen. Derzeit sind neun Mädchen und Jungen aus Kaliningrad in Bonn zu Gast. Neben Stadtrundgang, Feier zum Tag der Deutschen Einheit, Visite bei Generalkonsul Vladimir V. Sedkh und der Vertragsunterzeichnung besuchten sie auch Bornheim.

Einmal jährlich wollen die Nachwuchsparlamentarier tagen. Die Sprachbarriere überwinden sie mit Hilfe eigener Dolmetscher. Hedda Werres aus Bonn lernt gerade Russisch: „Im direkten Kontakt ist es deutlich einfacher. Zudem interessiere ich mich für die Kultur.“ Ihr helfen Bohdan Krusch, Vorsitzender der deutschen Delegation, sowie dessen Bruder und Pressesprecher Vitaliy Krusch, die beide fließend Deutsch sprechen. Die Treffen dienen dem Kennenlernen. Angst vor dem Fremden kennen die 15 Russen und 14 Deutschen nicht. Sie gehen aufeinander zu. Neben dem privaten Umgang steht die Politik im Mittelpunkt. Dabei geht es hauptsächlich nicht um den Konflikt in der Ukraine oder um den Flüchtlingsstrom in die Bundesrepublik. Das Jugendparlament bevorzugt trotz seines internationalen Stempels Themen aus der Lokalpolitik.

Das Jugendparlament will die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland fördern. Neben persönlichen Kontakten verschreiben sich die Jugendlichen der Demokratie. Bei ihren Sitzungen vertreten sie zu Beginn die Standpunkte ihrer Regierungen. Im Laufe der Diskussion sind Annäherungen oder Korrekturen gewünscht. Einzelne Fraktionen werden nicht gebildet, es bleibt bei zwei Seiten.

Wer zwischen 18 und 30 ist, in Bonn wohnt und Lust hat, mitzumachen, kann Mitglied des Jugendforums werden und hoffen, zu einem Delegierten des Parlaments gewählt zu werden. (lh)

jufo.bonn.kaliningrad@

gmail.com

Im Fokus steht die Frage, was die beiden Seiten voneinander lernen können. So stellten die Deutschen 2014 in Kaliningrad die Studierendenvertretung der Uni Bonn vor: „Mittlerweile läuft am Kaliningrader Lehrinstitut die Anpassung ans Bonner Modell“, verrät Dimitri Kaplin. Das Parlament wird verschiedene Unterausschüsse bilden, die sich mit Themen wie Kultur, Umwelt, politische Bildung, Sport und Schule befassen. Die Mitglieder erstellen einen Forderungskatalog, den sie den jeweiligen Stadträten übergeben werden. Konkrete Projekte sind bereits angelaufen. Die Jungpolitiker unterstützen die Organisation Arbeiterkind, die Jugendliche aus nichtakademischen Familien für das Studium fit machen. In Kaliningrad lassen sie die Sanitäreinrichtungen eines Kinderdorfs sanieren. „Zudem wollen wir Geld für Flüchtlinge sammeln“, sagt Vitaliy Krusch. Damit auch die Regierungsoberhäupter in Kenntnis gesetzt werden, gehen Kopien der Urkunde an Russlands Präsidenten Vladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Russische Fahne als Geschenk

Die Delegation machte auch Station im Bornheimer Rathaus. Dieser Besuch war nicht zuletzt Dominik Pinsdorf zu verdanken, der sich schon zu seinen Zeiten als aktives Mitglied des Bornheimer Jugendparlaments für das Miteinander der deutsch-russischen Jugendbeziehung eingesetzt hatte. Er war schon vor zwei Jahren dabei, als erstmals eine Delegation aus Kaliningrad in Bornheim war, und reiste ein Jahr später selber nach Kaliningrad. Dass es jetzt zwei Länder geschafft haben, auf kommunaler Ebene in den Dialog zu treten, findet er fantastisch. „Sie tragen mit ihrer Arbeit dazu bei, dass Vorurteile auf beiden Seiten abgebaut werden oder gar nicht erst entstehen“, lobte er die Arbeiten des deutsch-russischen Jugendparlaments. „Sie ebnen den Weg zu Verständigung und Freundschaft und leisten damit einen elementaren Beitrag zur Friedenssicherung.“ Man lerne voneinander und miteinander den Umgang auf Augenhöhe und die Demokratie.

Im weiteren Verlauf des Vormittags stellte Petra Heller, stellvertretende Bürgermeisterin, den Gästen die Stadt Bornheim vor. Kaliningrad ist als Hauptstadt der Oblast Kaliningrad, einer russischen Exklave zwischen Polen und Litauen an der Ostsee, mit mehr als 400 000 Einwohnern bevölkerungsmäßig eher mit dem gesamten Rhein-Sieg-Kreis zu vergleichen. Den Besuch des Jugendparlaments in Bornheim begründete Projektleiter Heinz Meyer vom Verein für Jugendförderung in Bonn auch damit, dass Bonn bisher kein Jugendparlament, sondern nur ein Jugendforum habe. In Bornheim habe man sich deswegen die Arbeiten und Aufgaben des Jugendparlaments ansehen wollen. Geplant sei, die Strukturen zu übernehmen.

Das Konzept des Bornheimer Jugendparlaments kam bei den Gästen gut an. Sehr interessiert saugten die russischen Gäste alle Informationen auf. Auch die Aufgaben, die sich das Bornheimer Jugendparlament gestellt hat, gefielen: Oberste Ziele seien die politische Aufklärung und Erziehung. Zudem wolle man die Lebensbedingungen für junge Leute in Bornheim weiter verbessern. Aktuell arbeite man zum Beispiel daran, einen Nachtbus von Bonn nach Bornheim zu bekommen. Auch an einem Generationspark werde gearbeitet. Zudem wolle man auch den Austausch zwischen Bornheim und Kaliningrad vorantreiben. Anschließend wurde die Delegation in der Europaschule von Schulleiter Christoph Becker empfangen. Ihm überreichten die Gäste eine russische Fahne.