LebensretterRupperather eilte neunmal zu Menschen mit Herz-Kreislauf-Stillstand

Lesezeit 1 Minute
Ein Rettungssanitäter präsentiert einen Defibrillator an einer Puppe.

Ein Defibrillator kann bei den lebensrettenden Maßnahmen helfen. Im Kreis Euskirchen gibt es jährlich etwa 180 Einsätze wegen eines Herzstillstands.

Etwa 180 Herz-Kreislauf-Stillstände gibt es im Kreis Euskirchen pro Jahr. Christian Lethert war in neun Fällen im Ersthelfer-Einsatz.

Christian Lethert aus Rupperath ist ein Lebensretter. Bereits neunmal ist der 43-Jährige über die App „Corhelper“ als Ersthelfer alarmiert worden, weil Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten hatten. Es blieb nicht bei der Alarmierung: Er rettete aktiv Leben. Mittlerweile hat er nach eigenen Angaben eine eigens bestückte Ersthelfer-Lebensretter-Tasche in seinem Auto.

Für sein ehrenamtliches Engagement ist der Eifeler mit weiteren Lebensrettern nun im Rahmen der dritten Bilanzpressekonferenz der „Region Aachen rettet“-Initiative im Kreishaus ausgezeichnet worden.

Kreis Euskirchen: Mehr als 1000 registrierte Ersthelfer bei Corhelper

„Ich freue mich über die Auszeichnung. Sie ist aber kein Grund, die Hilfe nun einzustellen“, sagte Lethert, der in der Löschgruppe Rupperath aktiv ist. Natürlich komme es vor, dass man seinen Einsatz gedanklich mit nach Hause nehme. Die Gespräche mit den Feuerwehrkameraden, Freunde und der Familie helfe enorm, so der Versicherungskaufmann.

Lethert ist Smartphone basierter Ersthelfer der ersten Stunde. Seit gut zwei Jahren gibt es das Projekt im Kreis Euskirchen. Nach Angaben der Initiative gibt es in der Region Aachen mehr als 5500 registrierte Ersthelfer - Tendenz steigend. Landrat Markus Ramers berichtete während einer Podiumsdiskussion im Rahmen einer Pressekonferenz, dass es im Kreis Euskirchen allein mehr als 1000 Ersthelfer gebe.

Das Bild zeigt Lebensretter Christian Lethert und Landrat Markus Ramers. Lethert hält einen Strauß Blumen und eine Urkunde in den Händen.

Ausgezeichnet: Landrat Markus Ramers (r.) ehrte den ehrenamtlichen Ersthelfer Christian Lethert für dessen Engagement.

„In unserem ländlich geprägten Kreisgebiet ist die Ersthelfer-Alarmierung ein absolutes Erfolgsmodell“, sagte Ramers: „Die Initiative ist ein Musterbeispiel für gute Zusammenarbeit unterschiedlicher Behörden und Institutionen. Die Initiative leistet Außergewöhnliches.“

Im Kreis gebe es 180 Rettungseinsätze pro Jahr, in dem ein Herz-Kreislauf-Stillstand behandelt werden muss, so Ramers. Jeden zweiten Tag einen. Während der Rettungsdienst durchschnittlich nach etwa acht Minuten am Einsatzort ist, sei der Ersthelfer, der über die App alarmiert wird, bereits nach vier Minuten beim Patienten sein, so Ramers.

Beim Herz-Kreislauf-Stillstand kommt es auf jede Minute an

„Die Minuten können entscheidend sein. Es kommt bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand auf jede Minute an“, sagte Kinderärztin Dr. Cathrin Niedeggen. Dr. Thomas Mann, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes Kreis Euskirchen, ergänzte: „Um Erste Hilfe zu leisten, muss man kein Mediziner sein. Das kann im Prinzip jeder“.

Ein wichtiger Bestandteil der Initiative sind Automatisierte Externe Defibrillatoren (AED), die für die Laienreanimation wertvolle Unterstützung bieten. Mit klaren Schritt-für-Schritt-Anweisungen führen sie die Ersthelfer durch die Reanimation und geben bei Bedarf Stromstöße ab, um einen normalen Herzrhythmus herzustellen. Im Kreis Euskirchen gibt es mehr als 100 Defis, die rund um die Uhr frei zugänglich sind.

Kreis Euskirchen: Ein Defi kostet etwa 2500 Euro

Etwa 2500 Euro kostet ein Defi – inklusive Montage, Wartung und Schild. Im gesamten Bereich der Initiative „Region Aachen rettet“ seien 766 Defibrillatoren öffentlich zugänglich. Das Projekt koste natürlich Geld, sagte Ulla Thönnissen, Geschäftsführerin der Region Aachen: Die Initiative habe eine große Relevanz, weil „es jeden jederzeit erwischen kann“. Im landesweiten Vergleich sei man in Sachen Ersthelfer und Lebensrettung sehr gut aufgestellt. Das liege an der exzellenten Zusammenarbeit.

Geht es nach Dr. Thomas Mann, sind die mehr als 1000 registrierten Ersthelfer im Kreis Euskirchen nur ein Zwischenschritt. „Wir sind auf einem sehr guten Weg. Aber wir wollen ein Prozent der Kreis-Bevölkerung für das Projekt begeistern und benötigten auch mehr Defibrillatoren. Wir haben also auch noch einen Weg vor uns“, sagte er.

Christian Lethert will nicht nur weiteren Menschen das Leben retten, sondern auch weiterhin Werbung für das Projekt machen. „Wir haben in der Rupperather Feuerwehr zwölf registrierte Ersthelfer. Das ist schon gut“, so Lethert. Man dürfe auch nicht vergessen, dass Rupperath kein Ballungsgebiet sei. Da seien die neun Alarmierungen schon viel. Das verdeutliche, wie wichtig die Initiative und weitere Ersthelfer seien.


Jährlich 70.000 Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Stillstand in Deutschland

Nach Angaben der Initiative „Region Aachen rettet“, sterben in Deutschland jährlich etwa 70.000 Menschen an einem Herz-Kreislauf-Stillstand. Im Vergleich dazu habe es im vergangenen Jahr 2782 Verkehrstote gegeben.

Ohne Erste Hilfe nimmt die Überlebensrate pro Minute um etwa zehn Prozent ab, sagen die Experten. Nach nur drei bis fünf Minuten ohne Blutfluss beginne das Gehirn unwiederbringlich abzusterben, sagt Kinderärztin Dr. Cathrin Niedeggen. Durch die sofortige Hilfe, beispielsweise durch Herzdruckmassage, steige die Überlebenschance ums Dreifache. (tom)

Nachtmodus
Rundschau abonnieren