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ImmobilienmarktBergisch Gladbach prüft Ersatzansprüche wegen verschobenem Umzug

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Das entkernte AOK-Gebäude an der Bensberger Straße hat einen neuen Eigentümer.

Das entkernte AOK-Gebäude hat einen neuen Eigentümer. 

Welche Folgen hat der geplatzte Umzugstermin ins neue Stadthaus - und die Rhein-Berg-Passage hat einen neuen Eigentümer.

Kurz vor der Kommunalwahl am 14. September, kommt Bewegung in den Immobilienmarkt im Gladbacher Zentrum. Der Umzug von rund 200 städtischen Mitarbeitern aus den Stadthäusern am Konrad-Adenauer-Platz ins umgebaute AOK-Gebäude an der Bensberger Straße wird sich um mindestens zehn Monate verzögern (wie berichtet). Es stellen sich etliche Fragen. Und: Das seit 2021 leer stehende Marktkauf-Gebäude, die Rhein-Berg-Passage, am S-Bahnhof ist verkauft worden.

Die Verzögerung beim AOK-Gebäude kam für viele überraschend - auch für die CDU. Deren Fraktionsvorsitzender Michael Metten will bis zur nächsten Ratssitzung vor allen Dingen wissen, wie es zu einer solchen Verzögerung kommen konnte, welche vertragliche Problemen es möglicherweise mit dem neuen Eigentümer gibt und welche finanziellen Auswirkungen die Verzögerung für die Stadt hat. Metten: „Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf zu erfahren, warum sich ein zentrales Projekt der Stadtverwaltung so massiv verzögert und welche Konsequenzen das hat.“

Der Wert des Gebäudes ist durch den solventen Mieter gestiegen

Branchenkenner gehen davon aus, dass nicht die genannten „baulichen Herausforderungen“ der eigentliche Grund für die Verzögerungen sind. Vermutet wird vielmehr, dass der Eigentümerwechsel die Ursache sein könnte.

Tatsache ist, dass der alte Eigentümer die Immobilie von der AOK gekauft hatte und kurze Zeit später einen lukrativen Mietvertrag mit der Stadt abschloss. Die Rede ist von 17,50 Euro kalt pro Quadratmeter und einer 30-jährigen Mietbindung. Die Stadt selbst investiert drei Millionen Euro in den Innenausbau. Durch diesen Vertrag mit einem absolut sicheren Mieter ist der Verkaufswert des Gebäudes extrem gestiegen. Der alte Eigentümer konnte sein Objekt also mit Gewinn weiter verkaufen und der neue Eigentümer schaut nun vermutlich, an welchen Stellen er seine Ausgaben noch senken kann.

Geprüft werden mögliche Ersatzansprüche der Stadt

David Sprenger, zuständiger Fachbereichsleiter, glaubt nicht daran, dass der alte Eigentümer das Gebäude als Spekulationsobjekt gekauft hat. Richtig sei aber, dass mit dem neuen Eigentümer wieder neu verhandelt werde. „Da geht es um konkrete Bauleistungen.“ Sprenger erklärte, dass in dem Vertrag keinerlei Konventionalstrafe oder Ähnliches vorgesehen sei, für den nun eingetretenen Fall, dass das Gebäude nicht wie vereinbart übergeben werden könne. Geprüft werde, ob die Stadt Ersatzansprüche gelten machen werde.

Etwa für den Fall, dass Einrichtungen bereits bestellt wurden und nun zwischengelagert werden müssen. Noch einmal Sprenger: „Wenn uns Kosten durch die Verzögerung entstehen, werden wir die geltend machen.“ Klar sei auch, dass erst dann eine Miete gezahlt werde, wenn man eingezogen sei. Sprenger bedauerte insbesondere für die Mitarbeiter im alten Stadthaus die Verzögerung. „Wir haben zweieinhalb Jahre sehr intensiv an diesem Umzug gearbeitet und niemand bei uns ist glücklich über die Situation.“

Neuigkeiten gibt es von einer ganz anderen Immobilie: Der Verkauf des Marktkauf-Gebäudes wurde von verschiedener Seiten bestätigt – eine offizielle Mitteilung gibt es allerdings nicht. Seit 2021 steht das Gebäude leer. Im Internet sind immer noch die Pläne der internationalen Investoren (Greenman Investments und Quilvest Real Estate) zu bewundern. Die Investoren wollten rund 30 Millionen Euro in das 2007 fertiggestellte Gebäude stecken. Geplant war eine „grüne Shopping-Oase“. Aus diesen Plänen wird dann wohl nichts.

Wie das Gebäude vom neuen Eigentümer revitalisiert werden soll, ist noch unbekannt. Zwischenzeitlich wurde die Rhein-Berg-Passage auch als neues Stadthaus gehandelt worden. Auch diese Pläne zerschlugen sich.