Lange MängellisteAndré Düvell sieht zahlreiche Hürden für Rollstuhlfahrer in Hennef

Lesezeit 3 Minuten
Junge Menschen in Rollstühlen passieren einen engen Gehweg.

Mitglieder der JU erlebten Hennef aus Rollstuhlfahrer-Perspektive.

Trauriger Höhepunkt war die Rampe am Hennefer Bahnhof, deren Bewältigung einiges an Kraft erfordert.

Etwa drei Kilometer lang ist die Strecke zwischen der Haltestelle Siegbogen und dem Hennefer Bahnhof. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität steckt sie voller Herausforderungen und Hindernissen, wie André Düvell aus eigener Erfahrung weiß. Das Schicksal des heute 24-jährigen Studenten hat in Hennef viele Menschen beschäftigt. Vor drei Jahren erlitt er auf dem Weg in seinen Studienort Greifswald einen schweren Autounfall, er ist seitdem querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen.

Inzwischen hat André Düvell ins Leben zurückgefunden und absolviert nun ein duales Studium beim Rhein-Sieg-Kreis. Er engagiert sich bei der CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union, vor allem für die Themen Inklusion und Barrierefreiheit. Um zu zeigen, was dort in Hennef im Argen liegt, lud er seine Parteifreunde zu einer etwas anderen Stadtrundfahrt ein. Dafür setzten sich die Nachwuchspolitiker in geliehene Rollstühle, Mitglieder der Senioren-Union steuerten ihre Erfahrungen im Rollator bei.

Geparktes Auto blockierte Parkplatz am Siegbogen für Rollstuhlfahrer

„Für viele alltägliche Probleme wird man erst sensibilisiert, wenn man persönlich davon betroffen ist“, sagte Düvell: „Und um ein Problem lösen zu können, muss man erkennen, dass es existiert.“ Dies bekamen die Rollstuhlfahrer auf Zeit schon kurz nach dem Start deutlich zu spüren. Denn der eigentlich vorbildlich abgesenkte Bürgersteig am Parkplatz Siegbogen war durch ein geparktes Auto blockiert. Als Alternative blieb nur die Fahrt durch das ungemähte hohe Gras, das mit dem Rollstuhl kaum zu überwinden war. Auch der anschließende Schotterweg forderte Respekt ein: „Wenn es regnet, kommt man da kaum voran.“

Junge Menschen sitzen in Rollstühlen.

André Düvell (Mitte) ist seit einem Autounfall auf einen Rollstuhl angewiesen.

Während Düvell souverän mit seinem Aktivrollstuhl unterwegs war, haderten seine Parteifreunde mit dem ungewohnten Gefährt, zumal sich weitere Herausforderungen auftaten, die nicht auf den ersten Blick erkennbar waren. Dazu gehörten Bodenwellen, die durch die Wurzeln der Bäume am Straßenrand verursacht wurden oder ein Abschnitt mit kleinteiligen Pflastersteinen, der die Rollstuhlfahrer ordentlich durchschüttelte. Besonders brisant ist der Bahnübergang, wo es baulich bedingt tiefe Fugen im Boden gibt. Wenn ein Rollstuhlfahrer dort mit den Reifen hineingerät, kann es schnell brenzlig werden.

Rampe am Hennefer Bahnhof ist trauriger Höhepunkt der Rollstuhl-Rundfahrt

Immer wieder tauchten zu schmale Wege, Schlaglöcher oder eine nicht ausreichende Beschilderung auf Düvells Mängelliste auf. Trauriger Höhepunkt war die Rampe am Bahnhof, deren Bewältigung einiges an Kraft erfordert. Viele der Hindernisse ließen sich mit einem überschaubaren finanziellen und organisatorischen Aufwand beseitigen – wenn man es denn will, sagte Düvell.

Für ihn geht es auch um gesellschaftliche Teilhabe: „Wenn man schon ahnt, was für Hindernisse auf dem Weg auf einen warten, hat man schon keine Lust mehr, überhaupt die Wohnung zu verlassen.“ Zumal die Schwachpunkte im öffentlichen Raum nicht nur Rollstuhlfahrern zu schaffen machen. Sie sind auch für Menschen mit Rollator oder Familien mit Kinderwagen ein Problem.

Nachtmodus
Rundschau abonnieren