150 MenschenNeues Aktionsbündnis demonstriert in Troisdorf mit Lichterkette für die Demokratie

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Menschen stehen auf dem Gehweg vor einem Verwaltungsgebäude. Sie tragen Kerzen in den den Händen.

Hunderte Menschen bildeten eine Lichterkette gegen Rechtsextremismus in Troisdorf. Eingeladen hatte ein neu gegründetes Bündnis.

Das überparteiliche Troisdorfer Aktionsbündnis für Demokratie hatte dazu aufgerufen, eine Lichterkette um das Rathaus zu bilden.

Als am Himmel über Troisdorf langsam die Dämmerung einsetzte, erstrahlten am Boden nach und nach die Lichter. Und dann war es so weit: Kleine und große Kerzen, Handylichter, Taschenlampen, echte und künstliche Teelichter formten eine Lichterkette, die sich vor dem Troisdorfer Rathaus ausbreitete. Eine stille Demonstration für Demokratie.

Wir sind hier, um Flamme zu zeigen, nicht Flagge
Stefan Köster, Teilnehmer der Lichterkette

Vor dem Rathaus versammelten sich etwa 150 Menschen, um ein Zeichen gegen Extremismus und Populismus zu setzen. Das neu gegründete Troisdorfer Aktionsbündnis für Demokratie (Tadü) setzte damit die Proteste aus dem Januar fort. Das ü im Namen steht für überparteilich, denn Politiker von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linke sind Teil des Bündnisses.

„Wir sind hier, um Flamme zu zeigen, nicht Flagge“, sagte Stefan Köster, der in der Reihe der Aktivisten stand. Dass die Proteste im Januar nicht gereicht hätten, stellte auch Nicola Jung fest: „Die Demo darf kein Eintagslicht gewesen sein.“ Diese Einstellung solle sich nicht an bestimmten Ereignissen orientieren.

„Egal wann, man muss immer gegen Rechts sein. Und das zeigen wir heute“, meinte Köster. Rolf Scholkemper bestätigte, dass die Bereitschaft zu demonstrieren nicht einschlafen solle: „Es war so lange friedlich in der Welt, und jetzt so eine Unruhe. Da ist es wichtig, sich zu positionieren.“

Troisdorfer Organisatoren wollen keine Parteipolitik machen

Schon während der Vorbereitungen zur Demonstration vom 27. Januar, berichtete Ulrike Pick (Grüne), hätten sie und ihre Mitorganisatoren gedacht: „Eigentlich müssen wir etwas Dauerhaftes machen. Die Demokratie ist etwas sehr Wichtiges.“ Dieser Gedanke müsse wachgehalten werden. Auch sei es wichtig, keine Parteipolitik zu veranstalten.

„Nicht jeder möchte unbedingt in eine Partei eintreten, aber trotzdem gegen Extremismus sein“, fügte Simon Blankenheim (CDU) hinzu. Ende Januar hatten in ganz Deutschland Menschen gegen Rechtsextremismus protestiert. Auslöser dafür war die Debatte um „Remigration“ der AfD bei einem Geheimtreffen in Potsdam.

Blinde Troisdorfer fürchten Ideologie der Ausgrenzung 

Unter der Parole „Nie wieder ist jetzt“ waren auch im Rhein-Sieg-Kreis Tausende gegen Rechtsextremismus auf die Straße gegangen. Der Ruck, der Anfang des Jahres durch die Gesellschaft ging, solle beibehalten werden und nicht abflachen, forderte SPD-Kommunalpolitiker Horst Grundmann. Für ein größeres Miteinander trat Jan Wolf ein: „Der Zusammenhalt muss stärker sein, wie nie“, meint das Mitglied der Jungen Union.

Andere sagten, sie hätten sich eine größere Teilnahme der Troisdorfer gewünscht. „Ich vermisse viele junge und ausländische Leute, denn um die geht es hier am meisten“, meinte Ewald Heck. Seine Frau Erika Heck äußerte die Vermutung, dass es den Menschen in Deutschland noch zu gut gehe. Der Luxus im Alltag lenke schnell von drohenden Gefahren ab.

Sie und ihr Mann sind blind und sagten, sie befürchteten eine Ausgrenzung, falls Rechte an die Macht kämen. Erika Heck: „Jeder, der anders ist, muss weg. Das ist die Ideologie der Rechten, und da bin ich ganz doll dagegen.“

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