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Fachbegriffe verständlich erklärtDas Alphabet der Zeitung

6 min
Das Neven DuMont Haus in Köln-Niehl ist Sitz der Redaktion von „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Kölnische Rundschau“ und „Express“.

Das Neven DuMont Haus in Köln-Niehl ist Sitz der Redaktion von „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Kölnische Rundschau“ und „Express“.

In einer Zeitungsredaktion werden Begriffe verwendet, mit denen Außenstehende oft wenig anfangen können. Wir erläutern das ABC der Zeitung.

Journalisten wollen gelesen und verstanden werden. Zeitungsmacher haben aber auch eine ganz eigene Sprache. Manche Begriffe sind so alt wie das Medium selbst, andere sind neu hinzugekommen. Ein Überblick in alphabetischer Reihenfolge.

Aufmacher

Der wichtigste Text der Zeitung, zumindest der wichtigste Nachrichtentext. Im Idealfall exklusiv und nicht schon in der Tagesschau gewesen. Am besten regional, d.h. etwas, was die Leserinnen und Leser direkt betrifft.

Buch

Die Zeitung hat Bücher. Das wird einige überraschen. Zeitungsbuch nennt man die Teile, aus denen die Zeitung zusammengesetzt ist. Unsere Zeitung hat an Wochentagen vier Bücher, beginnend mit Tagesthemen, Meinung und Politik. Das letzte Buch ist der Lokal- und Regionalteil.

Chefredakteur

Der wichtigste Journalist bei der Zeitung, er leitet die Redaktion und ist auch der oberste Verantwortliche für die Inhalte.

Deadline

Danach fragen Reporter. Wann müssen sie ihren Text abgeben? Und die Blattmacher müssen wissen, wann sie ihre Seite zur Druckerei geben, damit sie rechtzeitig dort ankommt. Es gibt aber nicht nur eine, sondern mehrere Deadlines, weil die verschiedenen Ausgaben zu unterschiedlichen Zeiten gedruckt werden.

Eckenbrüller

Der einspaltige Text, der in der Regel links oben auf der Seite steht. Zeitungsmacher haben sich verschiedene Begriffe ausgedacht – je nach Platzierung: Aufmacher, Aufsetzer (der mehrspaltige Text unten) und manchmal gibt es einen Kasten. Das ist eine Glosse am Fuß der Seite – oder eine Infobox.

Format

Zeitungen haben verschiedene Größen – und demnach braucht es auch unterschiedlich viel Platz, um sie auszubreiten. Unsere Zeitung erscheint im Rheinischen Format, daneben üblich ist das kleinere Berliner Format oder inzwischen auch das noch kleinere Tabloid.

Gastbeitrag

Texte, die nicht von der Redaktion stammen und die für einen anderen Blick auf die Themen sorgen. Manchmal von Experten, manchmal von Prominenten und selten von Politikern.

Hurenkind

Ein in der Redaktion inzwischen verpönter Begriff für ein immer noch existierendes Problem im Zeitungssatz. Eine Spalte sollte nicht mit der letzten Zeile eines Absatzes beginnen, so dass dessen Zeile oben alleine steht. Pendant dazu ist der – ebenso unerwünschte – Schusterjunge: Die letzte Zeile der Spalte ist der Anfang eines neuen Absatzes.

Infografik

Eine schematische Darstellung, die mehr oder weniger komplexe Sachverhalte auf einen Blick nachvollziehbar macht. Zuletzt vor allem bei den Wahlen zu sehen, um die Mehrheitsverhältnisse darzustellen.

Journalismus

Im Kern das Sammeln, Prüfen und Veröffentlichen von Informationen. Mit Kommentaren tragen Journalistinnen und Journalisten zur Meinungsbildung und zum Beleuchten unterschiedlicher Perspektiven bei. Journalist kann sich übrigens theoretisch jeder nennen. Der Begriff ist rechtlich nicht geschützt.

Künstliche Intelligenz

Auch sie hat Einzug gehalten in die Zeitungsarbeit. So nutzen wir sie zur Korrektur. Eine ganze Seite wird an ein Programm übergeben – und die KI zeigt richtige oder vermeintliche Fehler an. Einiges muss korrigiert werden, aber manche Hinweise sind auch unsinnig. Ein Beispiel: „Nach dem Wort Seite muss immer eine Zahl folgen“, sagt die KI – und bemängelt einen Satz, in dem sich ein Mensch die Haare zur Seite kämmt.

Leserinnen und Leser

Ohne sie gäbe es die Zeitung nicht. Daher stehen ihre Interessen auch im Zentrum unserer Arbeit. Die Hinweise bekommen wir digital, per Mail oder manchmal auch per Post. Und Analysetools sagen uns, welche Texte im E-Paper und im Digitalauftritt auf besonderes Interesse gestoßen sind.

Meinung

Sie sollte von der Nachricht strikt getrennt sein. Auf der – sehr beliebten – Meinungsseite stehen die Sichtweisen unserer Redakteure und Autoren. Und es gibt auch einen gezeichneten Kommentar – die Karikatur.

Nachricht

Die Grundform journalistischer Arbeit. Sie orientiert sich an den klassischen W-Fragen: Wer, Was, Wann, Wo und Warum? Aber sie ist natürlich nicht die einzige Textform in dieser Zeitung. Das wäre langweilig. Deshalb gibt es etwa noch Reportagen, Interviews, Kolumnen, Kommentare, Features und anderes mehr.

Online

Das Interesse an der journalistischen Arbeit hat sich immer stärker ins Digitale verlagert. Dort erzielen Journalistinnen und Journalisten Reichweiten, die weit über die der Zeitung hinausgehen. Aber viele Menschen bevorzugen noch ganz klassisch die gedruckte Zeitung oder das entsprechende Abbild im E-Paper. Und dafür sind wir dankbar.

Pressefreiheit

Das Recht von Medien, ihre Arbeit ohne staatliche Zensur oder andere Einflussnahme auszuüben. Basis in Deutschland ist Artikel 5 des Grundgesetzes: „Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Quelle

Eine Information ist nur so gut wie die Quelle, von der sie stammt. Am besten ganz nah dran am Geschehen. Und um sicher zu sein, dass die Information auch stimmt, braucht es oft noch eine zweite Quelle.

Ressort

Gruppe von Journalisten, die sich einem bestimmten Themenbereich widmen und entsprechend in der Zeitung organisiert sind – das Lokale, die Wirtschaft, die Politik, der Sport oder die Kultur.

Schlagzeile

Die Überschrift des Aufmachers. Sie muss Zuspitzung und Leseanreiz sein, aber auch den Sachverhalt korrekt treffen. Das Debattieren und gemeinsame Formulieren der Schlagzeile nimmt am Abend oft einige Zeit in Anspruch.

Teaser

Die Anreißer mit Bild ganz oben auf der Titelseite. Der Teaser weist auf besondere Texte in der Zeitung hin. Generell sollte die Titelseite ein Schaufenster des aktuellen Blattes sein. Die besten Themen aus allen Ressorts finden dort einen Platz.

Unterzeile

Sie erläutert die Überschrift eines Textes. Und mit ihr sollte man sich Mühe geben. Vor allem die Bild-Unterzeilen bekommen von den Leserinnen und Lesern viel Aufmerksamkeit und sie dienen oft noch zusätzlich als Einstieg in den Text.

Vernissage

So heißt in unserer Redaktion die erste Kontrolle der entstehenden Zeitung am Nachmittag. Neben der Chefredaktion sind alle Ressorts vertreten. Es wird geguckt, ob Überschriften, Bilder und Platzierung der Texte passen und ob etwas fehlt. Sind die Seiten fertig, folgt am Abend die Abnahme durch den Chefredakteur des Tages.

Wetterbericht

Trotz aller Wetter-Apps auf Handy und Tablet ist die tägliche kurze Vorhersage des Wetters den Leserinnen und Lesern besonders wichtig.

X

Im Alltag der Blattmacher oft das Auslassungszeichen, das dafür steht, dass dort noch ein Text hinmuss. Ein fett markiertes „xxxxxx“ heißt meistens, dass an dieser Stelle ein Zwischentitel fehlt, der einen langen Text unterbrechen soll. Wenn das so stehen bleibt, ist es peinlich. Das kommt aber dank KI-Korrektur nur noch selten vor.

Yellow

Teil des im Zeitungsdruck üblichen CMYK-Farbmodells: Cyan (Blau), Magenta (Rot), Yellow (Gelb) und Key (Schwarz).

Zustellerin/Zusteller

Ohne sie hätte die Arbeit der Redaktion keinen Wert. Sie sorgen nachts bei Wind und Wetter für die Verbreitung. „Die schlechteste Zeitung ist die, die nicht beim Leser ankommt“, weiß die Redaktion.