Die „Kölnische Rundschau“ informiert seit 80 Jahren kompetent und engagiert über alles Wissenswerte, was sich in Köln, der Region und der ganzen Welt ereignet. Ein Blick auf die bewegte Geschichte der traditionsreichen Zeitung.
Geschichte der Kölnischen RundschauAlles begann mit einer Lizenz der Briten

Zeitungsdrucker bei der Arbeit in der Rotation im Jahr 1956.
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In der Stunde null durfte man nicht zimperlich sein. In der Redaktion war es kalt, der Wind pfiff durch alle Ritzen, die Fenster waren mit Pappe verkleidet. Reporter und Redakteure saßen im Mantel am Schreibtisch und tippten ihre Artikel mit klammen Fingern auf klapprigen Schreibmaschinen. „Aber die Stimmung in der Redaktion war gut, fast euphorisch“ – so beschrieb es Zeitzeuge Hans Heider, der als junger Lokalredakteur die Gründung der „Kölnischen Rundschau“ miterlebt hatte und später zum Verlagsleiter aufstieg.
Am 19. März 1946 erscheint die erste Ausgabe des Blattes in einer Auflage von 122.000 Exemplaren und mit einem Umfang von acht Seiten. Produziert und gedruckt wird die „Rundschau“ zunächst im Druckhaus von M. Dumont Schauberg an der Breite Straße, das im Krieg stark zerstört worden ist. Nach zähen Verhandlungen hat der Journalist und Zentrumspolitiker Reinhold Heinen (1894-1969) von der britischen Militärregierung eine Lizenz zur Herausgabe einer CDU-nahen Zeitung erhalten. Der gebürtige Düsseldorfer hat sich vor dem Krieg als Chefredakteur und Herausgeber verschiedener Blätter wie des Aachener „Volksfreunds“ einen Namen gemacht und aktiv Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet. 1941 wird er von der Gestapo verhaftet. Heinen verbringt vier Jahre als politischer Häftling im Konzentrationslager Sachsenhausen.
Die britische Lizenz muss zweimal beschafft werden
Ursprünglich soll die Erstausgabe der „Kölnischen Rundschau“ bereits am 1. März 1946 veröffentlicht werden. Doch in Reinhold Heinens Aktentasche ist ein Leimgefäß ausgelaufen und hat die Lizenzunterlagen unleserlich gemacht. Sie müssen erst neu beschafft werden, bevor mit dem Druck der Zeitung begonnen werden darf.

Blick in das Großraumbüro der Kölnischen Rundschau in der Stolkgasse in den 60er-Jahren
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Wegen Papiermangels umfasst das Blatt anfangs nur wenige Seiten, der Verkaufspreis beträgt 20 Pfennig. „Für Christentum und Demokratie“ steht damals noch als Slogan im Kopf der Zeitung. Der gläubige Katholik Reinhold Heinen formt das Blatt zu einem christlich orientierten, überkonfessionellen und unabhängigen Medium und entzieht sich allen Versuchen der Kölner CDU und des späteren Bundeskanzlers Konrad Adenauer, die „Rundschau“ enger an die CDU-Parteilinie zu binden. Im Laufe der Zeit entwickelt sich die Zeitung zu einem bürgerlich-liberalen Blatt, das für eine sozial geprägte Marktwirtschaft in einer freiheitlichen Demokratie eintritt und keiner bestimmten Partei nahesteht.
Mit dem Fall des Lizenzzwangs kehrte die Konkurrenz zurück
Nach den schwierigen Anfangsjahren bessern sich schon bald die Bedingungen. Die Auflage steigt in der Spitze auf mehr als 190.000 Exemplare. 1949, im Jahr der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, werden an der Stolkgasse, auf dem Gelände der früheren Kölner Verlagsanstalt und Druckerei AG, die ersten eigenen Gebäude errichtet und die erste Rotationsmaschine installiert. Im selben Jahr fällt der Lizenzzwang für Zeitungen. Auch Verleger, die von den Alliierten keine Lizenz erhalten haben, dürfen nun wieder Zeitungen gründen und alte Titel wieder aufleben lassen. In der Folge kehren der „Kölner Stadt-Anzeiger“ und der „Bonner General-Anzeiger“ zurück auf den Markt. Um mit der Konkurrenz mitzuhalten, baut die „Kölnische Rundschau“ ihre Lokalberichterstattung konsequent aus.

Rundschau-Grüner Reinhold Heinen (r.) mit Konrad Adenauer (l.)
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Bereits ab 1947 erscheinen die Ausgaben Bonn-Stadt und Bonn-Land mit eigenem Titel. In den 1950er-Jahren übernimmt die „Rundschau“ in der Region traditionsreiche Blätter wie die „Bergische Landeszeitung“ und die „Oberbergische Volkszeitung“, später auch die „Rhein-Sieg-Rundschau“ und die „Rhein-Ahr-Rundschau“, die als Schwesterzeitungen mit eigenem Titel weitergeführt werden. Ausführliche und kompetente Lokalberichterstattung vom Eifeler Grenzland bis ins Oberbergische zeichnet die Rundschau bis heute aus.
1963 zieht die „Rundschau“ mit Zeitungstechnik, Redaktion und Verlag in das neu errichtete Verlagshaus an der Stolkgasse, das am 20. Januar 1964 pünktlich zum 70. Geburtstag Reinhold Heinens mit einem Festakt eingeweiht wird. Prominentester Gast ist Konrad Adenauer, der in seiner Laudatio auf den Herausgeber betont, trotz aller inhaltlichen Differenzen sei man sich „in der Hauptsache immer einig“ gewesen. In politischen Fragen sind die beiden streitbaren Geister immer wieder aneinandergeraten.
Frieden, Versöhnung und Demokratie stehen an erster Stelle
Nach dem Tod des „Rundschau“-Gründers Reinhold Heinen 1969 wird seine Tochter Marianne Hauptanteilseignerin, sein Schwiegersohn Heinrich Heinen (1921-2008) übernimmt die Funktion des Herausgebers. Er ist gelernter Journalist. In seinen publizistischen Grundsätzen stehen Frieden, Versöhnung und eine freie, demokratische und die Menschen achtende Gesellschaftsordnung, die sich an den ethischen Grundsätzen des Christentums orientiert, an erster Stelle. Der erste Chefredakteur der „Rundschau“, Hans Rörig, leitet das Blatt 1946 für ein halbes Jahr, danach übernimmt Reinhold Heinen selbst die journalistische Verantwortung. Ab 1956 liegt diese bei den Chefredakteuren Edmund Pesch, Rudolf Heizler, Anton Sterzl, Jürgen C. Jagla, Dieter Breuers, Jost Springensguth, Cordula von Wysocki und Raimund Neuß. Sie sorgen dafür, dass sich das Blatt in der Auswahl der Themen und ihrer redaktionellen Aufarbeitung immer wieder aufs Neue den Wünschen und Erwartungen der Leser anpasst und am Puls der Zeit bleibt. Auch das Layout wird häufig überarbeitet und modernisiert.
Nach fast 40 Jahren im Verlag zieht sich Heinrich Heinen 1991 aus dem Tagesgeschäft zurück und übergibt das Amt des Herausgebers an seinen einzigen Sohn Helmut Heinen. Der studierte Mathematiker und Betriebswirt ist 1982 in den Verlag seiner Eltern eingetreten und 1987 zum Geschäftsführer berufen worden. 1992 wird er Hauptgesellschafter des Heinen-Verlags, von 2000 bis 2016 amtiert er als Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger.

Helmut Heinen, langjähriger Herausgeber der Kölnischen Rundschau.
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Um die publizistische Unabhängigkeit der „Rundschau“ angesichts sinkender Erlöse und ständig steigender Kosten zu sichern, setzt Helmut Heinen auf Kooperationen und Beteiligungen und geht 1998 eine enge Verbindung mit seinem früheren Konkurrenten „Kölner Stadt-Anzeiger“ ein. Nach Zustimmung des Bundeskartellamts übernimmt der Verlag M. DuMont Schauberg zum 1. Januar 1999 das Verlagsgeschäft und die Verlagsrechte der „Kölnischen Rundschau“/„Bonner Rundschau“. Seit dieser Zeit haben „Rundschau“ und „Stadt-Anzeiger“ einen identischen Anzeigenteil.
Herausgeberschaft an DuMont-Gruppe übertragen
2010 wird die Produktion der Mantel-Seiten der Rundschau mit Inhalten aus Politik, Wirtschaft, Vermischtem und Sport schrittweise vom „Bonner General-Anzeiger“ übernommen. Seit 2021 kommt der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ diese Aufgabe zu. Im Jahr 2014 legen „Kölnische Rundschau“ und „Kölner Stadt-Anzeiger“ ihre Lokalredaktionen im Rheinisch-Bergischen Kreis, im Oberbergischen Kreis, im Rhein-Erft-Kreis, im Rhein-Sieg-Kreis und im Kreis Euskirchen zusammen, mit dem Ziel, Synergien zu nutzen und zugleich die lokale Kompetenz weiter zu verstärken.
Angesichts des wachsenden wirtschaftlichen Drucks hat sich der Heinen-Verlag zum 31. März 2026 aus der redaktionellen Zeitungsarbeit zurückgezogen und die Herausgeberschaft der „Kölnischen Rundschau“ zum 1. April 2026 an die DuMont-Gruppe übertragen. Seitdem tragen die Kölner Stadt-Anzeiger Medien die vollständige redaktionelle Verantwortung für die „Rundschau“.
Mit diesem Schritt wurde die Voraussetzung geschaffen, die traditionsreiche Tageszeitung mit ihrer 80-jährigen Geschichte als eigenständige publizistische Marke zukunftssicher aufzustellen. Die „Kölnische Rundschau“ wird in die regionale Struktur der Kölner Stadt-Anzeiger Medien eingebunden und profitiert von gemeinsamen Produktionsabläufen. Die Marke „Kölnische Rundschau“ bleibt eigenständig – mit eigener Haltung und eigener journalistischer Ausrichtung. Die publizistische Verantwortung tragen Gerald Selch als gesamtverantwortlicher Chefredakteur Kölner Stadt-Anzeiger Medien und Jens Meifert als Chefredakteur „Kölnische Rundschau“.