Wie Leserbriefe, Fragen und Anregungen die Redaktion erreichen – und warum die Stimmen der Leserinnen und Leser ihren festen Platz in der Zeitung haben.
LeserforumIhre Meinung ist uns wichtig und findet Gehör

Susanne Spekat sichtet alle Mails und Briefe, die in der Leserbriefredaktion eingehen.
Copyright: Martina Goyert
Mein Name wird Ihnen bekannt sein, wenn Sie sich schon einmal mit einem Anliegen an das Leserforum gewandt oder einen Leserbrief geschrieben haben. An der Schnittstelle zwischen Lesern und Redaktion sichte ich alle Mails und Briefe, die in der Leserbriefredaktion eingehen: Fragen, Hinweise und Anregungen für Redakteurinnen und Redakteure, Recherchevorschläge und vor allem Meinungsäußerungen zu aktuellen Themen, die wir auf unseren Leserforumseiten abbilden. Pro Woche erscheinen im „Kölner Stadt-Anzeiger“ vier Seiten mit Leserbriefen, drei davon im Mantel und eine im Lokalteil. Hinzu kommen Leserbriefveröffentlichungen in den jeweiligen Regionalausgaben. Auch die „Kölnische Rundschau“ veröffentlicht regelmäßig Leserbriefe. Denn Ihre Meinung ist uns wichtig und findet Gehör, sie hat ihren festen Platz in der Zeitung.
Wie Leserbriefseiten zustande kommen
Der überwiegende Teil der Leserbriefe trifft per Mail bei uns ein, so dass wir Ihre Kommentierung von Artikeln und politischen oder gesellschaftlichen Themen in geringem zeitlichem Abstand zu ihrem Eintreffen veröffentlichen können. Zusätzlich erhalten wir auch Briefe, die getippt oder handschriftlich verfasst sind und uns per Post zugesendet werden. Sie finden ebenfalls Eingang in die Veröffentlichungen auf unseren Leserforumseiten.
Leitgedanke bei der Auswahl von Briefen zur Veröffentlichung ist, jene Themen in der Zeitung abzubilden, zu denen die meisten Leserbriefe bei uns ankommen. Denn das sind die Themen, die unsere Leser beschäftigen. Wenn zahlreiche kontrastierende Meinungsäußerungen zu einem Ereignis oder Thema eingehen, versuchen wir, ein möglichst breites Spektrum von Meinungen abzubilden, selbstverständlich auch solche Positionen, die den in der Zeitung vertretenen Leitartikeln und Kommentaren widersprechen.
Gegenstand intensiver Leserdiskussionen sind seit Monaten die Renten- und Gesundheitsreform der Regierung, die Energie- und Wirtschaftspolitik sowie der Klimaschutz. Manche Leserdebatten sind von Entrüstung und Unverständnis geprägt, wie die Debatte zur Entscheidung von Jens Spahn, die Dienste einer Leihmutter in den USA in Anspruch zu nehmen und damit die deutsche Gesetzgebung zu umgehen. Heftig diskutiert werden auch lokale Themen, wie der Plan des 1. FC Köln, auf der Gleueler Wiese Trainingsplätze zu errichten. Beiträge von Gegnern und Befürwortern einer Expansion des FC stehen einander seit langer Zeit unversöhnlich gegenüber, ohne Aussicht auf Einigung.
Leserbriefschreibern geht es jedoch nicht ausschließlich um Meinungen: Viele Leser bringen ihre Expertise zu einem Sachverhalt oder Thema ein oder berichten von persönlichen Erfahrungen oder Erinnerungen, an denen sie andere teilhaben lassen wollen. Die Einführung eines Eintrittsgelds für den Kölner Dom hat zuletzt viele Leserinnen und Leser dazu bewegt, in Worte zu fassen, was sie emotional mit dem Dom verbindet, bei welchen Gelegenheiten sie ihn aufsuchen und wie schmerzlich es für sie ist, Eintritt für „ihren“ Dom zu zahlen.
Auch wenn nur ein Bruchteil der eingesandten Leserbriefe veröffentlicht werden kann, erreichen doch all Ihre wertvollen Hinweise, Anmerkungen und Fragen die jeweiligen Autoren und die Ressorts. Aus vielen Ihrer Anregungen und Ideen werden Geschichten, die den Weg in die Zeitung finden.
Wer schreibt Leserbriefe?
Während einige Leser sich regelmäßig zu spezifischen Themen zu Wort melden, kommentieren andere meinungsstark eine breite Themenpalette. Manche Verfasser von Leserbriefen tragen bereits seit Jahren zum Meinungsaustausch im Leserforum des „Kölner Stadt-Anzeiger“ bei. So erreichte die Redaktion im August die folgende Mail:
Seit meiner Kindheit, nach dem Wiedererscheinen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ nach dem Krieg, lese ich, und nach unserer Hochzeit im Juli 1959 lesen meine Frau und ich, täglich den „Kölner Stadt-Anzeiger“. Seit vielen Jahren schreibe ich zu allen internationalen, nationalen und kommunalen Themen Leserbriefe, teils mit sehr kritischen Inhalten. Nun wurde passend zu meinen 90 Lebensjahren am 8. August 2026 mein 90. Leserbrief veröffentlicht. Dafür danke ich Ihnen ganz herzlich, in dem Bewusstsein, dass in Deutschland und in Ihrem Hause die Meinungs- und Pressefreiheit als hohes Gut geschätzt wird. Vielleicht ist es mir trotz des hohen Alters noch möglich, auch die 100. Veröffentlichung zu erleben.
Karl-Heinz Welteroth Köln
Uns erreichen gelegentlich auch Zuschriften von jungen Lesern, wie die eines jungen FC-Fans, der 2024 folgendes Anliegen vortrug: „Ich bin 14 Jahre alt, Rollstuhlfahrer, großer Fan und Mitglied des 1. FC Köln. Seit Jahren versuche ich, regelmäßig Spiele des 1. FC Köln zu besuchen und meinen Verein anzufeuern, was manchmal auch klappt, aber oft daran scheitert, dass es viel zu wenige Plätze für Rollstuhlfahrer im Kölner Stadion gibt.“
Leser, die mehr Raum brauchen, um ihre Gedanken und Ideen zu einem spezifischen Thema auszuführen, als es ein Leserbrief gestattet, finden diese Möglichkeit in der Rubrik „Mein Standpunkt“. Unter „Schönes erlebt“ schreiben Leserinnen und Leser ausschließlich über freudige Erlebnisse und über Erfahrungen, die sie mit Dankbarkeit erfüllen. Die Rubrik trägt dem häufig vorgetragenen Anliegen von Lesern, nicht nur „schlechte“ Nachrichten lesen zu wollen, Rechnung.
Während manche Leserbriefautoren darauf vertrauen, sachlich-nüchtern zu argumentieren, verleihen andere ihrer Meinung Nachdruck durch Ausrufezeichen, rhetorische Fragen und eine appellierende Sprache. Auch humorvolle Wendungen, bisweilen Ironie, machen den Reiz vieler Leserbriefe aus.
Das Vertrauen, das Leserinnen und Leser dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ entgegenbringen, ist während der Corona-Pandemie besonders deutlich geworden: Während dieser Zeit haben zahlreiche Leserinnen und Leser vor allem medizinische, aber auch rechtliche und verwaltungstechnische Fragen an die Redaktion geschickt, im Vertrauen darauf, dass sie an Experten weitergeleitet und von diesen beantwortet wurden. Beeindruckend waren nicht nur die Wissbegierde unserer Leser, sondern auch ihre Zuversicht, dass der „Kölner Stadt-Anzeiger“ ihnen bei der Bewältigung persönlicher Sorgen und Ängste helfen kann.
Worüber sich Leser beschweren
Leserinnen und Leser haben ein feines Gespür für Fehler, die der Redaktion unterlaufen: Seien es Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler, Doubletten oder gelegentliche Irrtümer, für die sie uns regelmäßig und zu Recht kritisieren. Versehen, die nicht vorkommen sollten, aber leider gelegentlich passieren.
Auch Neuerungen und kleine Veränderungen im Blatt werden registriert und kommentiert. Zuletzt geschehen Anfang August, als die Rätselseiten von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Kölnische Rundschau“ nicht mehr in der gewohnten, sondern in einer leicht überarbeiteten Form erschienen. Auf Wunsch vieler Rätselfreundinnen und -freunde wurden daraufhin einige Änderungen wieder rückgängig gemacht.
Glücklicherweise lässt sich mancher Ärger über Artikel, die so gar nicht der eigenen Wahrnehmung oder Meinung entsprechen, per Mail oder im telefonischen Austausch überwinden und es gelingt, um Akzeptanz für eine andere Perspektive zu werben.
Neben Beschwerden erreicht die Redaktion aber erfreulicherweise auch Lob, wenn sich Leserinnen und Leser für spezifische Beiträge, Leitartikel oder für besonders gelungene Karikaturen bedanken, ebenso für Serien wie „Die wichtigsten Kölnerinnen und Kölner aus 150 Jahren“ und für Aktionen des „Kölner Stadt-Anzeiger“, wie „100 Ideen für Köln“. Oder wenn sich Leserinnen und Leser einfach für die wertvolle journalistische Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion bedanken.
Zur Person
Nach ihrem Studium in Anglistik, Geschichte und Germanistik arbeitet Susanne Spekat seit 2000 im Unternehmen. Seit 2017 ist sie beim „Kölner Stadt-Anzeiger“ und seit 2019 dort in der Leserbriefredaktion beschäftigt.