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KStA-Volontärin„Mein Traumjob Journalismus – er ist nötig wie nie zuvor“

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Charlotte Groß-Hohnacker (25) ist Journalistik-Studentin und Volontärin beim „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Charlotte Groß-Hohnacker (25) ist Journalistik-Studentin und Volontärin beim „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Wie Charlotte Groß-Hohnacker, Volontärin des „Kölner Stadt-Anzeiger“, dem Vorbild von Karla Kolumna, der rasenden Reporterin, nacheifert – allen Skeptikern zum Trotz

Sommer 2017: Etwas verloren stolpere ich hinter einer älteren Redakteurin über einen Marktplatz. Die Fragestellung der Recherche: Wie gehen die Standbesitzer mit der Erhöhung der Pacht um? „Warum möchtest du denn eigentlich Journalistin werden?“ Einen Moment Pause, dann ziemlich viel Herumgestotter von meiner Seite. Mein 16-jähriges Ich konnte der gestandenen Redakteurin schließlich nicht erzählen, dass mein Vorbild die fiktive Figur Karla Kolumna war. Seitdem mich die Mutter einer Freundin mit der Journalistin aus den Benjamin-Blümchen-Hörspielen verglichen hatte – wir würden beide so viel plaudern –, stand mein Berufswunsch ziemlich fest: rasende Reporterin.

Was sie in den Hörspielen machte, wollte ich auch machen. Immer auf der Suche nach den neuesten Schlagzeilen, immer da sein, wo etwas los ist, den Obrigkeiten auf die Finger schauen und, wenn nötig, auch mal zupacken. Und was ich erst später feststellte: So wie mir ging es vielen anderen jungen Frauen im Journalismus. Karla Kolumna findet sich als Sticker auf unseren Laptops wieder, auf Kappen oder Pullovern oder als Hintergrundbild auf dem Smartphone. Wir alle brachten eine ähnliche Geschichte mit: zu viel geredet, zu laut gelacht und ein bisschen zu präsent für ein kleines Mädchen. Da lag für viele Erwachsene der Vergleich zur Karla Kolumna nahe.

Alles fing an mit einem Praktikum bei der Lokalzeitung

Deswegen war der Ort meines Schulpraktikums schnell gefunden: die Redaktion meiner örtlichen Lokalzeitung. Eine richtige Antwort wollte meine Kollegin wohl gar nicht hören. Während wir uns durch die Menschen schlängelten und von einem Standbesitzer nach dem nächsten eine Abfuhr erhielten, meinte sie nur: „Mit dem Journalismus ist es vorbei. Mach was Richtiges, solange du noch kannst.“

„Was Richtiges.“ So ganz weiß ich immer noch nicht, was das sein soll. Was mich aber beruhigt: Beim Mittagessen erzählte ein Kollege, dreißig Jahre älter als ich, dass ihm das auch schon beim Berufseinstieg gesagt worden sei. Danach allgemeines Nicken am Tisch aus allen Altersklassen. Jeder und jede von uns hatte das schon gehört. Die „goldenen Zeiten“ seien vorbei. Rette sich, wer kann! Meist mit einer Einschränkung. Radiojournalistinnen sagen, dass es zuerst die Printzeitungen treffe. Beim Fernsehen kann man sich nur schwer vorstellen, dass sich das Radio lange hält. Und bei der Zeitung sehen die Redakteure zuerst das lineare Fernsehen untergehen.

Als Journalistin lernt man Orte kennen, die anderen verborgen bleiben – wie hier bei einer Recherche im Barbarastollen der Universität zu Köln.

Als Journalistin lernt man Orte kennen, die anderen verborgen bleiben – wie hier bei einer Recherche über Kanalreiniger.

Ich ließ mich davon nach dem Abitur aber nicht abbringen. Doch wie wird man Journalistin? Auch hier hat jeder eine eigene Meinung. Das Spektrum reicht weit: von „Einen Job bekommt man nur mit dem Abschluss einer der großen, renommierten Journalistenschulen“ bis hin zu: „Journalismus kann man nicht lernen. Entweder man kann es, oder eben nicht.“ Während der Corona-Pandemie wählte ich das örtlich Naheliegendste: ein Studium der Journalistik in Dortmund.

Während andere sich durch Multiple-Choice-Tests für ihre Noten quälten, durfte ich zum Beispiel in ein Bergwerk einfahren oder ein Maskottchen beim Eishockeyspiel begleiten und natürlich darüber berichten. Das macht den Reiz des Journalismus aus. Jeden Tag aufs Neue andere Lebensrealitäten kennenlernen, Türen öffnen, die sonst verschlossen bleiben, und das manchmal auch nicht nur als Metapher.

Der Journalismus ist härter geworden. Aber er ist auch lebendiger, vielfältiger, demokratischer. Und nötig wie nie zuvor.
Charlotte Groß-Hohnacker, Volontärin „Kölner Stadt-Anzeiger“

Das Studium brachte auch eine zweite große Erkenntnis mit sich: Wer vorankommen will, braucht ein Netzwerk. Das wurde mir mit meinen Kommilitonen mitgeliefert. Zusammen durchstanden wir Straßenumfragen, TV-Schnitttermine und ziemlich viele abgelehnte Themenvorschläge sowie Bewerbungsgespräche. Journalismus funktioniert über viel Ellbogen und manchmal auch Missgunst. Informationen werden nicht geteilt oder sogar verheimlicht, in der Branche wird gerne mal getratscht. Ich habe aber festgestellt, dass mir die Arbeit im Team viel mehr Spaß macht: gemeinsam Unterlagen durchforsten und Erfolge feiern, wenn der langersehnte Protagonist für die Geschichte endlich zusagt. Es macht viel mehr Spaß, den Erfolg der Freundinnen und Kommilitonen zu feiern, anstatt zu fragen, wie die denn an diese Stelle gekommen sind.

Inzwischen geht mir jedes Mal das Herz auf, wenn ein bekanntes Gesicht mir auf Social Media die neuesten Studien erklärt oder mir eine bekannte Stimme im Radio die Nachrichten vorliest.

Eine gewisse Begeisterung muss man mitbringen, sonst bleibt man nicht in diesem Berufsfeld. Das habe ich schnell lernen müssen. Unbezahlte Praktika, Einsparungen, Stellenabbau, Lohnkürzungen – das gehört zur Realität des Journalismus dazu. Kamera, Mikro und Handy – alles gleichzeitig in der Hand bei der Pressekonferenz. Ein Beitrag für Audio, Video und Online, und bitte alles auf einmal mitbringen. Der Beruf erfordert manchmal ein ziemlich dickes Fell.

Über die Uni durfte ich im Straßburger Parlament den Kanzler interviewen, in Bosnien den Alltag einer Romafamilie fotografieren und in Winterberg vor laufender Kamera Schlitten fahren. Stück für Stück immer mehr Spaß an dem Beruf gewinnen, in den ich jetzt mit meinem Volontariat starte.

Die älteren Kolleginnen und Kollegen haben behalten, womit sie recht hatten: Der Journalismus ist härter geworden. Aber er ist auch lebendiger, vielfältiger, demokratischer. Und nötig wie nie zuvor. Das klingt zwar etwas pathetisch, und vielleicht spielt in eine solche Aussage auch der Wunsch hinein, dass der eigene Beruf relevant bleibt. Dennoch treibt mich das an.