Auf Grundsicherung angewiesenEinst selbstständig, im Alter verarmt

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Köln – Früher war es besser, früher als sie beide noch jünger waren und erfolgreich im Beruf. Beide waren sie selbstständig. Und der heute 74-Jährige sagt, sie hätten gut Geld verdient. Doch davon ist nichts mehr vorhanden. Wie es dazu kommen konnte ist den beiden im Nachhinein eigentlich nicht so richtig klar. Doch Tatsache ist, dass sie nur Grundsicherung beziehen. Eine Rente bekommen sie beide nicht. Zwar habe er für seine Angestellten immer alles korrekt und ordentlich angemeldet, aber in den frühen Jahren des Aufbaus habe er eben für sich nicht so viel auf die Seite gelegt. Und in den späteren Jahren habe er sich nach der vielen Arbeit auch mal etwas gönnen wollen. An das Alter habe er da nicht gedacht, sagt der 74-Jährige.
Die 69-jährige Ehefrau kramt beflissen durch einen Stapel Papiere, zeigt bereitwillig die Unterlagen. "Es ist nicht unsere Schuld, ich kann auch heute noch mit erhobenem Kopf über die Straße gehen", sagt der 74-Jährige.
Nach der Pleite kamen die Krankheiten
Wenn er es noch könnte. Der Rentner ist nur noch eingeschränkt bewegungsfähig. Zwei Schlaganfälle und ein Herzinfarkt haben ihn gezeichnet. Er ist schwer pflegebedürftig. Ihr Mann, hatte seine Frau im Vorfeld wissen lassen, leide bereits auch ein wenig an Demenz. Doch er kann sich noch gut daran erinnern, wie sein Handwerksbetrieb in die Pleite rutschte. Zahlreiche Aufträge hatten er und seine Mitarbeiter zwar erledigt, aber die Rechnungen wurden nicht beglichen.
Bald war das Firmenkapital weggeschmolzen. Doch Löhne und Nebenkosten liefen weiter. Bis nichts mehr ging. Und der einst stolze Handwerker, der in guten Jahren auch einen Mercedes sein Eigen nannte, stand vor dem Nichts. Da war er Mitte 60 und noch gesund. Die Krankheiten kamen mit der Insolvenz.
Mit Kerzenlicht Strom sparen
Er habe eigentlich noch viel zu bekommen, aber die Zahlungen blieben bis auf den heutigen Tag aus. Als er das erzählt, kramt seine Frau wieder in dem Papierstapel, zieht zahlreiche Rechnungen hervor. "Die können wir eigentlich auch wegschmeißen", sagt sie dann, "da passiert doch sowieso nichts mehr."
Auch die Selbstständigkeit der 69-jährigen Ehefrau endete unschön. Sie hatte eine Gaststätte gepachtet, sie dann aber aufgegeben. Davon blieben ihr nur Schulden, der Weg führte schließlich in die Privat-Insolvenz.
Heute lasten auf dem Ehepaar zwar keine größere Schulden mehr, aber das Geld ist so knapp, dass sie sparen müssen, wo sie nur können. Sie lassen das Licht nur selten brennen, machen stattdessen Kerzen an, geduscht wird nur zwei Mal in der Woche, in den Wintermonaten läuft die Heizung in der kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung im Sparmodus und Fleisch kommt nur ganz selten auf den Tisch.
Zwei Kinder haben sie und zu beiden auch regelmäßig Kontakt. Ein Sohn wohnt sogar noch in der Nähe, aber ihnen finanziell unter die Arme greifen, das könne er nicht. Und das wollten sie auch nicht, sagen beide.
Zum Briefkasten geht die 69-Jährige mittlerweile ungern, weil die Post selten erfreulich ist. Meist sind es Rechnungen, in jüngster Zeit auch viele von Ärzten, die sie hat in Anspruch nehmen müssen. Und die Krankenkasse zahle nicht alles, vieles müsse sie selbst leisten, erzählt sie - und fragt sich wovon.
Und dabei waren manche Anschaffungen unabdingbar. So benötigte ihr Mann ein wenig neue Kleidung und auch ein paar neue Schuhe. In dieser angespannten Situation unterstützte die Rundschau-Altenhilfe das verarmte Ehepaar mit einem einmaligen Zuschuss zu den Lebenshaltungskosten.
