Viel Freude, Austausch und berührende Momente gab es beim "Demenz Meet" in Köln - mit Unterstützung der Rundschau-Altenhilfe.
Treffen zu DemenzLeichte Stunden zu einem schweren Thema

Demenz Meet 2026: Der Chor Unvergesslich lädt zur offenen Chorprobe.
Copyright: Sabrina Steiger
Demenz haben und das Leben genießen – aus der Sicht von Kai muss das kein Widerspruch sein. Vor zehn Jahren hat der 58-Jährige die Diagnose bekommen und seitdem noch viel erlebt: „Aufgeben ist keine Option“, sagt er und ist dankbar, „dass mich meine Kumpels nicht im Stich gelassen haben“.
Kölner Demenz Meet feiert das Leben
Mit seiner Frau Heike und vielen anderen aus einer Selbsthilfegruppe ist er zum „Demenz Meet“ nach Köln gekommen, einer Veranstaltung für Erkrankte und ihre Angehörigen sowie Menschen, die professionell in dem Bereich arbeiten. Die Rundschau-Altenhilfe unterstützt das noch neue Format, dessen Idee in der Schweiz entwickelt wurde. In Köln hat das Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz für Köln und das südliche Rheinland das „Demenz Meet“ ausgerichtet. „Das Leben feiern, ohne die Erkrankung zu beschönigen“, so beschreibt Organisatorin Änne Türke ein Ziel der Veranstaltung.
Ulrike und Peter freuen sich, gekommen zu sein. „Es gefällt uns sehr gut.“ Begegnungen, Freude und auch berührende Momente in einem schönen Rahmen, davon erzählen die beiden, die sichtlich gern miteinander lachen. Gut organisiert sei das Ganze, „und dieser Weg von der VHS hierher, der wird uns in Erinnerung bleiben.“

Demenz Meet 2026: Für ein wenig Leichtigkeit sorgen ein Clown und fröhliche Lieder bei der Chorprobe mit Tobias Hebbelmann (rechts).
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Denn der wurde von einem fröhlichen Clown geleitet. Die „leichten Stunden zu einem schweren Thema“, so der Untertitel der Veranstaltung, haben im VHS-Forum begonnen mit einem gemeinsamen Frühstück, kurzen Vorträgen und vor allem Mutmachgeschichten von Betroffenen. Mittags steht dann ein Ortswechsel an - immer dem Clown nach von der einen Seite des Neumarkts auf die andere ins AOK-Haus. Dort können sich die Besucherinnen und Besucher auf mehreren Etagen tummeln: Informationen sammeln, Angebote ausprobieren, ins Gespräch kommen.
Hühner aktivieren Menschen mit Demenz
Zum Beispiel mit Gartentherapeutin Carmen Feldhaus, die Demenzkranke gerne mit Hühnern besucht. Eines davon hat sie auf dem Arm: Die Henne lässt sich bereitwillig streicheln. „Tiere erreichen Menschen mit Demenz auf ganz vielen Ebenen“, erklärt die Therapeutin, sie reduzierten Stress, steigerten Motivation und Konzentration und könnten sogar die Beweglichkeit verbessern. Hühner findet sie in diesem Zusammenhang unterschätzt: „Das sind sehr soziale und empfindsame Tiere.“

Demenz Meet 2026: Der Trend geht zum Streichelhuhn - auch das Federvieh kann einfühlsam auf Menschen mit Demenz reagieren.
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Antje Köhler möchte mit ihren Stärkungsbriefen Angehörige unterstützen. Sie selbst hat sechs Jahre lang den an Demenz erkrankten Schwiegervater gepflegt. „Dabei habe ich gemerkt, dass nicht der Umgang mit der Krankheit das Thema war – sondern die fehlende Unterstützung der Umwelt.“ Deshalb schickt sie jetzt auf Bestellung ihre Briefe, die einmal im Monat die pflegenden Angehörigen innehalten lassen sollen: „Damit du nicht vergisst, auch gut für dich selbst zu sorgen“, steht auf einer ihrer Postkarten.
Stärkung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen
Das Café im Eingang lädt zum Mittagessen ein; Ruheinseln bieten Möglichkeiten zum Rückzug. Und wer möchte, kann mit dem Chor „Unvergesslich“ singen. Dessen Chorleiter Tobias Hebbelmann findet die Arbeit mit Demenzkranken und ihren Angehörigen „eine sehr erfüllende Aufgabe“. Die erste Stunde der sonntäglichen Probe werde erstmal gefrühstückt, die zweite dann gesungen, „und in diesen beiden Stunden ist einfach alles egal“. Angehörige und Betroffene können die gemeinsame Zeit genießen, sich entspannen oder auch aktiviert werden. „Wir haben schon erlebt, dass Menschen im Rollstuhl schlafend reingeschoben wurden und lachend wieder raus.“

Demenz Meet 2026: Der Austausch zwischen Angehörigen, Profis und Betroffenen steht im Zentrum.
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Auch bei der offenen Chorprobe im AOK-Haus wird viel gelacht. Mit Volksliedern und alten Karnevals-hits bringt Hebbelmann den Raum zum Singen, Schunkeln, Schwelgen. „Einmal am Rhein“, singen die Gäste und „Heidewitzka, Herr Kapitän“. Wer den Text doch nicht mehr parat hat, kann vom Bildschirm ablesen. „Kein schöner Land zu dieser Zeit“ oder „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ – die Sängerinnen und Sänger, egal ob mit oder ohne Demenz, sind begeistert.
Änne Türke zieht ein rundum positives Fazit vom „Demenz Meet“: nicht nur von der Veranstaltung selbst, sondern auch von der einjährigen Vorbereitungszeit, bei der Betroffene ausdrücklich beteiligt waren: „Gemeinsames Tun schafft Verbindung“, und die sei nicht nur für die Kranken wichtg, sondern für alle, die sich um sie kümmern, seien es Angehörige oder Profis.