WeihnachtspaketeDas Fließband der guten Taten

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In der Ecke türmen sich die Pakete bis zur Decke. Noch sind sie gänzlich leer, doch das ändert sich schnell. Eines nach dem anderem werden sie auf das Fließband gesetzt – und los geht’s. Flink wird zuunterst der Rundschau-Kalender platziert, es folgen die ersten Dosen, Kaffee, Bratheringe, Hals- und Kräuterbonbons, Dom-Spekulatius in schmucker Box. Die schweren Sachen kommen zuerst, damit sie leichtere Artikel nicht zerdrücken. Fast 30 werden es am Schluss sein. Ihre genaue Positionierung in dem Paket hat zuvor Matthias Wirtz von der Altenhilfe ausgetüftelt. „Immer wieder ein Puzzlespiel“, sagt er. Und die Artikel sollen ja auch so verpackt sein, dass gleich die vollständige Mahlzeit erkennbar wird. Also stehe das Gulasch gleich neben den dazu gedachten Semmelknödeln.
Das eigentliche Packen übernehmen andere. An dem Band stehen an diesem Mittwoch unter anderem Rewe-Auszubildende und Schülerinnen der Kölner Ursulinenschule. Sie tauschen das warme Klassenzimmer oder Büro gegen die ungeheizte Halle der Kölner Lüttich-Kaserne der Bundeswehr. Im Unterricht oder Supermarkt wäre es vermutlich stressfreier. Bis zum Nachmittag werden die Jugendlichen jeden Handgriff weit über 3000 Mal gemacht haben.
Aber auch hinter dem Band herrscht emsige Betriebsamkeit. Immer wieder müssen die Tische gefüllt werden, auf denen sich in großen Gebinden die Artikel stapeln. Soldaten der Bundeswehr sorgen hier für den Nachschub, bringen plattenweise Gürkchen im Glas, Frühstückmarmelade und Eintöpfe und schaffen die leeren Verpackungen weg. Am Ende werden es rund 40 Tonnen an Lebensmittel gewesen sein, die bewegt wurden.
Koordiniert hat die Packaktion erneut Hauptmann Rüdiger Wenzel. Und er gibt den Takt vor. Jetzt aber, um kurz nach zehn, sagt er das Wort, auf das alle gewartet haben: „Pause.“ Zeit für einen wärmenden Kaffee oder Tee, ein Brötchen oder etwas Süßes – und aufmunternde Worte. Die Bundeswehr wird an diesem Morgen unter anderem vertreten durch den Präsidenten des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr, Georg Stuke, und dem Standortältesten der Bundeswehr in Köln, Oberst Michael Gschossmann. Stuke erklärt: „Die Bundeswehr ist ein Kümmerer. Wo wir helfen können, tun wir das gerne. Und soziales Engagement ist uns wichtig. “ Dies werde auch in Zukunft so sein.
Helmut Heinen, Rundschau-Herausgeber und Vorsitzender der Altenhilfe, würdigte die Unterstützung durch die Bundeswehr und wandte sich dann an die Aktiven der Packaktion, an die Schülerinnen, die Soldaten und ehrenamtlichen Helfer karitativer Einrichtungen. „Ich danke Ihnen dafür, dass Sie uns bei diesen eher ungemütlichen Temperaturen helfen. Und ich hoffe, dass Sie auch Spaß dabei haben. “ Jedes Paket, das immer persönlich übergeben werde, mache einen Bedürftigen glücklich.
Dann hat Hauptmann Wenzel wieder das Wort. „Alle an ihre Plätze.“ Und die ausgeklügelte Logistik kommt wieder ins Rollen. Bei Meter 20 des Fließbandes wird es dann endgültig weihnachtlich. Hier warten noch schwere Paletten randvoll mit Schokolade darauf, verpackt zu werden.
Ein kleines Nadelöhr einer jeden Packaktion ist stets das Verschnüren der Pakete. An dieser Stelle staut es sich schon mal. In früheren Jahren stand nur eine Verschnürmaschine zur Verfügung. Seit der vergangenen Aktion sind es zwei. Das beschleunigt die Sache. Palette um Palette füllt sich nun mit fertigen Paketen. Die Ursulinenschülerinnen und die anderen Helfer sind von der erhöhten Schlagzahl aber unbeeindruckt. Für einen Scherz ist immer Zeit, zumindest meistens. Und auch die Kälte ist nun nicht mehr so spürbar.
