Jetzt soll sich auch eine Anwaltskanzlei mit der Problematik beschäftigen. Die SWB spricht von einer kaum zumutbaren Situation.
„Kaum zumutbar“KVB zieht Leihbahnen ab – Bonner Stadtbahn-Desaster spitzt sich zu

Bereits im Juli 2026 hat SWB Bus und Bahn 60 der 75 Stadtbahnen aus dem Verkehr gezogen. Sie werden weiter einer Überprüfung unterzogen.
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Seit mehr als fünf Wochen fehlen in Bonn und der Region 60 von 75 Stadtbahnen im ÖPNV – und eine Lösung rückt weiter in die Ferne. Die Wiederinbetriebnahme der stillgelegten Fahrzeuge verzögert sich erneut, wie die Stadtwerke Bonn (SWB) am Mittwochnachmittag (26. August) mitteilten. Zugleich haben die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) ihre 14 Leihbahnen wie angekündigt in der Nacht zu Donnerstag (27. August) abgezogen. Fahrgäste müssen sich damit auf weitere Einschränkungen einstellen.
Die SWB Bus und Bahn und die Elektrische Bahnen der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises GmbH (SSB) arbeiten weiter gemeinsam mit der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) an der Freigabe der Fahrzeuge. Dazu habe es einen Ortstermin gegeben, derzeit laufe die Verkehrsplanung für die kommenden Tage, so das Unternehmen. Die TAB, die die Bahnen wieder zulassen muss, hatte den Prüfprozess nach eigenen Angaben der SWB am Dienstag begonnen und setzte ihn am Mittwoch fort.
60 Stadtbahnen in Bonn stillgelegt
Der Hintergrund der Krise reicht bis in den Sommer zurück: Am 20. Juli hatten die SWB 60 der 75 Bonner Stadtbahnen aus dem Verkehr gezogen, nachdem bei Überprüfungen der Radsatzwellen der Verdacht auf „frühzeitige Materialermüdung“ aufgekommen war. In Bonner Stadtbahnen aus den 1980er Jahren waren teilweise Radsatzwellen aus den 1970er Jahren verbaut – die Teile hatten damit ihre geplante Einsatzdauer überschritten. Seither erarbeiten die SWB ein Prüf- und Überwachungskonzept sowie eine Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA), auf deren Basis die TAB über eine Betriebserlaubnis entscheiden muss.
Zur Überbrückung hatten zunächst die KVB mit 20 geliehenen Stadtbahnen ausgeholfen, zuletzt waren es noch 14 Fahrzeuge. Diese Leihbahnen sind nun wie angekündigt abgezogen worden. Mit den 15 nicht betroffenen Bonner Fahrzeugen der Serie K5000 kann laut SWB der Betrieb auf der Linie 66 sichergestellt werden. Der Bahnersatzverkehr mit Bussen auf der Linie 16 wird bis Dienstag, 1. September, in Richtung Bad Godesberg verlängert – mit Ausnahme von Sonntag, 30. August, an dem wieder Stadtbahnen auf dem Teilstück fahren. Auf der Linie 18 läuft regulär noch bis Anfang September Bahnersatzverkehr.
SWB: „Aktuelle Situation für unsere Fahrgäste kaum zumutbar“
„Wir wissen, dass die aktuelle Situation für unsere Fahrgäste kaum zumutbar ist. Wir sichern den Verkehr so komfortabel wie möglich und kümmern uns darum, dass nach dem Ferienende ausreichend Fahrzeuge im Einsatz sind“, erklärt Anja Wenmakers, Geschäftsführerin von SWB Bus und Bahn. „Die Sicherheit der Fahrgäste und des Personals haben Vorrang vor einer voreiligen Inbetriebnahme.“
Parallel zur technischen Aufarbeitung nimmt die Angelegenheit nun auch eine juristische Dimension an: Die Aufsichtsräte der Stadtwerke Bonn GmbH und der Verkehrssparte SWB Bus und Bahn wollen die Kölner Kanzlei CMS Hasche Sigle mit einer unabhängigen Untersuchung der Informations- und Entscheidungsabläufe rund um die Bahnstilllegung beauftragen. Das teilte die SWB-Pressestelle mit. Die Prüfung soll unabhängig von der Geschäftsführung erfolgen – ein Signal, dass die Aufsichtsgremien Klärungsbedarf sehen, wie es zu der monatelangen Krise kommen konnte.
Für die Fahrgäste bleibt die Lage vorerst angespannt: Noch ist die Situation wegen der Ferienzeit einigermaßen zu bewältigen, das Fahrgastaufkommen dürfte sich ab September aber deutlich verstärken – zeitgleich enden mehrere Baumaßnahmen, bei denen derzeit noch Busse die Bahnen ersetzen. Die SWB kündigten an, voraussichtlich noch am Donnerstag zum aktuellen Stand zu informieren.
