Abo

Große Betroffenheit in KölnBurmester verurteilt Anschlag auf Berliner CSD – Cologne Pride „zutiefst schockiert“

4 min
Menschen demonstrieren unter dem Motto „Haltung ist hot“ beim Christopher Street Day. Wenig später kommt es zu einem mutmaßlichen Anschlag mit einem Auto.

Menschen demonstrieren unter dem Motto „Haltung ist hot“ beim Christopher Street Day. Wenig später kommt es zu einem mutmaßlichen Anschlag mit einem Auto. 

Der Angriff beim CSD in Berlin sorgt in Köln für Bestürzung. Auch der OB Torsten Burmester meldet sich zu Wort. Eine Mahnwache und ein Gedenkgottesdienst sind angekündigt.

Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat sich Cologne Pride mit einer Solidaritätsbekundung an die Öffentlichkeit gewandt. In einem Beitrag auf Instagram zeigt sich der Kölner Verein tief betroffen.

„Die schrecklichen Vorgänge, die zum Abbruch des Berliner CSDs geführt haben, schockieren uns zutiefst. Unsere Gedanken sind bei allen Opfern und Angehörigen! Wir stehen mit allen Menschen in Berlin, der Berliner Community, mit dem Orga-Team des @csd.berlin.pride in tiefer Solidarität und Betroffenheit Seite an Seite“, heißt es in dem Statement.

Die Anteilnahme kommt nur wenige Wochen nach dem Christopher Street Day in Köln. Anfang Juli hatten Hunderttausende Menschen aus aller Welt unter dem Motto „Für Queerrechte – Viele. Gemeinsam. Stark!“ friedlich und ausgelassen gefeiert.

In Rettungsdecken gehüllte Personen stehen neben einem Zelt der Feuerwehr nach dem Abbruch des Christopher Street Day (CSD). Nachdem ein Auto mehrere Menschen am Rande der Feier in Berlin angefahren und verletzt hat, sucht die Polizei nach Verdächtigen.

In Rettungsdecken gehüllte Personen stehen neben einem Zelt der Feuerwehr nach dem Abbruch des Christopher Street Day (CSD). Nachdem ein Auto mehrere Menschen am Rande der Feier in Berlin angefahren und verletzt hat, sucht die Polizei nach Verdächtigen.

Im Vorfeld der Kölner Demonstration hatte Hans Douma von der Cologne Pride auf die angespannte gesellschaftliche Lage hingewiesen. „Der CSD wird heute gebraucht wie nie zuvor auf unseren Straßen, ich sehe Hass und Hetze, und Menschen, die uns unsere Existenz absprechen wollen“, sagte er.

Kölns OB: Solidarität mit Berlin – und ein Angriff auf Freiheit und Vielfalt

Auch Berlin wollte ein starkes Zeichen setzen – dann folgte ein Angriff, bei dem nach aktuellem Stand mindestens eine Frau starb und 16 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden.

Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester meldete sich am Sonntagmorgen auf Instagram zu Wort. Seine Gedanken seien bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen, die den Angriff miterleben mussten. Ein Anschlag auf den CSD sei zugleich ein Angriff auf Freiheit, Vielfalt, Respekt und das Recht, ohne Angst man selbst zu sein. Hass und Gewalt dürften niemals Teil des Zusammenlebens werden.

Zugleich bekräftigte Burmester die Solidarität Kölns mit der queeren Community und mit Berlin. Als Stadt der Vielfalt setze sich Köln weiterhin dafür ein, dass Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität sicher, frei und selbstbestimmt leben und feiern können.

Sven Lehmann warnt vor politischer Instrumentalisierung

Der Kölner Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann (Grüne) hat sich nach dem Anschlag auf den Berliner CSD auf Facebook geäußert. Er kritisierte, dass bereits kurz nach der Tat über mögliche Hintergründe und Schuldzuweisungen diskutiert werde, obwohl die Täter noch nicht gefasst und die Ereignisse noch nicht vollständig aufgeklärt seien. „Könnt ihr der queeren Community mal wenigstens einen Tag zum Trauern lassen?“, schrieb Lehmann.

Er betonte, dass sowohl Islamismus als auch Rechtsextremismus eine Gefahr darstellten und beide Formen von Extremismus queere Menschen hassten. Entscheidend sei nun, ob daraus mehr Schutz und Prävention entstünden oder die Tat lediglich politisch ausgeschlachtet werde. Auch Kritik an queeren Angeboten und gekürzter Extremismus-Prävention müsse in diesem Zusammenhang betrachtet werden, so Lehmann.

Nach Anschlag auf CSD: Mahnwache und Gedenkgottesdienst in Köln

Die Kölner Linke ruft nach dem Gewaltakt beim Berliner CSD zu einer Mahnwache am Sonntag (26. Juli) um 16 Uhr auf dem Rudolfplatz auf. Die Partei bittet darum, Kerzen, Regenbogenflaggen und andere Zeichen der Solidarität und Hoffnung mitzubringen. Gemeinsam solle in einem würdevollen und friedlichen Rahmen getrauert und ein Zeichen des Zusammenhalts gesetzt werden. „Unsere Antwort auf Angst und Hass ist Solidarität“, heißt es in dem Instagram-Aufruf.

Die Queere Kirche Köln veranstaltet am Sonntag um 18 Uhr einen Gedenkgottesdienst in der St.-Johannes-Kirche in Deutz. In einem Instagram-Beitrag heißt es: „Unsere Herzen sind erschüttert.“ Der Gottesdienst soll Raum für Trauer, Wut, Angst, Ohnmacht und Fassungslosigkeit bieten.

Zugleich betont die Gemeinde, Hass auf queere Menschen töte – und ein Angriff auf einen CSD sei ein Angriff auf Freiheit sowie das Recht, sichtbar zu sein, zu lieben und ohne Angst zu leben.

Politiker Karl Lauterbach: „Feiges erbärmliches Verbrechen“

Der Kölner SPD-Politiker Karl Lauterbach bezeichnete den Anschlag auf den CSD auf X als „feiges erbärmliches Verbrechen“ und als Angriff auf die freie Gesellschaft. Er sprach den Opfern sowie deren Freunden und Familien sein Mitgefühl aus und äußerte die Hoffnung, dass der flüchtige Täter schnell gefasst wird.

Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst verurteilte die Tat als „abscheulichen Angriff auf unsere Freiheit“ – während Hunderttausende Menschen friedlich für eine offene und vielfältige Gesellschaft feierten, schrieb der CDU-Regierungschef auf der Plattform X. „Meine Gedanken sind bei den Betroffenen, ihren Angehörigen & den Einsatzkräften.“ (dpa/red)